Schlagwort-Archive: Konsumwahnsinn

Warum unsere Vorfahren am Habenwollen schuld sind

Manche Samstagmorgene (?) sind ein Geschenk. Da wacht man auf und blättert gewohnheitsmäßig noch im Bett Standard und ORF durch, und stolpert über folgende Überschrift: „Was macht unser Gehirn beim Einkaufen?“

Dahinter versteckt sich ein spannender Beitrag über die Neurowissenschaft über die Konsumenten. Spannende Sache:

„Wenn wir vor der Frage stehen, ob wir ein Produkt kaufen oder nicht dann, ist es erstaunlicher Weise erst einmal nicht so wichtig, ob wir das Produkt wirklich mögen. Denn man unterscheidet in der Forschung zwischen dem Wollen, dem haben wollen und dem ob man ein Produkt wirklich mag.“

Das Habenwollen ist also der Hund, das hab ich auch schon durchschaut, so rein wissenschaftsfrei 🙂 Aber lustig, dass das im Hirn bis zu einem gewissen Grad (seeehr kompliziert alles) auch nachweisbar ist. Und was ich auch hundertprozentig nachempfinden kann:

„Wir glauben, dass wenn Sie ein Produkt betrachten, so etwas passiert wie eine Simulation der Nutzung des Produktes, und das ganz automatisch. Und bei Nahrungsmitteln ist diese Simulation tatsächlich auch verbunden mit dem Geschmack. Wenn Sie eine Zitrone sehen, dann wird der Geschmack der Zitrone ausgelöst. Wenn Sie jetzt noch jemanden sehen, der auf die Zitrone beißt, dann ist es noch einmal stärker, das kann man schon fast spüren. Und diese Simulation ist nicht nur mit dem Geschmackserleben verbunden, sondern auch schon mit einer gewissen Handlung. Und diese Handlung kann beispielsweise schon die Kaufhandlung sein.“

Ist doch auch bei Kleidung so, oder? Wir sehen uns in coolen Sneakers oder einer lässigen neuen Jacke ins Büro spazieren, in einem eleganten Kleid auf der Familienfeier die Cousinen ausstechen, oder – Top of the best in Sachen Imaginierung – beim Bikinis anschauen im Webshop an perfekte, weiße Urlaubsstrände denken (weils auch mehr Spaß macht als die Überlegung, wie man die drei neuen Speckröllchen optimal in diesem Fähnchen von Bikinihose verstecken soll).

Und überhaupt ist sowieso die Evolution schuld (wobei sich in meinen Augen da das „Jagen“ und das „Sammeln“ zu Einem verschmolzen sind):

 „Wenn wir uns Kaufverhalten vorstellen, dann ist das nicht viel anders als wenn wir durch den Wald gehen und Beeren einsammeln. Und da sind wir auch durch die Farben der Beeren angetrieben: wenn ich die leckere Erdbeere sehe, dann simuliere ich schon das Geschmackserlebnis. Das ist der Treiber des ganzen Prozesses.“

Und als Tipp gibt der Herr Verhaltensforscher den gleichen wie ich: Überlegen, was man braucht, und gezielt danach einkaufen gehen. Ach, ich zitier eh nur in einer Tour den Artikel, weil ich ihn durch und durch so spannend find, aber lest am besten selbst, bevor mir da noch jemand Copyright-Vorwürfe macht 🙂 

Und wenn ihr fertiggelesen habt, dann schaut ihr auf diesen Blog und gratuliert vielleicht auch der Frau Bogdan zum Geburtstag bitte 🙂 . Die ist nämlich eine sehr tolle Frau.

(c) Stefan Groenveld. Das Foto ist drei Jahre alt, aber sorry Isabel, auf dem Foto find ich nicht nur dich, sondern auch die Perspektive und den Hintergrund so nett. Deutsche Ubahnen, bunt gekachelt.

(c) Stefan Groenveld. Das Foto ist drei Jahre alt, aber sorry Isabel, auf dem Foto find ich nicht nur dich, sondern auch die Perspektive und den Hintergrund so nett. Deutsche Ubahnen, bunt gekachelt.

 

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Primark: Weitere Labels aufgetaucht!

Nur schnell, weil ich gleich mit Eddie Vedder (Pearl) Jammen gehe: Es sind anscheinend weitere Kleidungsstücke aufgetaucht, die zusätzliche Labels beinhalten.

1) Ein weiteres Kleid, in dem ein sehr ähnliches Label eingenäht ist (eindeutig der/die gleiche HerstellerIn), das „degrading sweatshop conditions (herabwürdige Zustände im Sweatshop)“ besagt. Ich glaube inzwischen auch eher an die Theorie, dass sie von AktivistInnen eingenäht wurden, aber wie gesagt: Es ist eigentlich eh scheißegal. Hauptsache, man wird sich der unzweifelbar miesen Produktionsbedingungen von Primark bewusst. Besagtes zweites Kleid stammte eigentlich aus einer Verkaufsschiene von vor einem Jahr und war kürzlich im Ausverkauf. Primark meint, es sei seltsam, dass es gerade jetzt auftauche. Dennoch: Gut, dass drüber geredet wird, danke für die Labeleinnäher.

2) Gleichzeitig hat sich eine dritte Shopperin gemeldet, in deren Hose von Primark eine Notiz steckte, die um einen Ausweis eines Gefangenen gewickelt war. Sie war chinesisch geschrieben und besagte, dass die Person auf dem Ausweis, zu menschenrechtswidrigen 15stündigen Arbeitszeiten gezwungen wurde. Setzt sich ein bissl ab von den anderen „Zwischenfällen“ und schockiert mich fast am meisten. Wörtlich stand auf der chinesischen und von Amnesty International übersetzten Notiz:

“SOS! SOS! SOS!

“We are prisoners in the Xiang Nan Prison of the Hubei Province in China. Our job inside the prison is to produce fashion clothes for export. We work 15 hours per day and the food we eat wouldn’t even be given to dogs or pigs. We work as hard as oxen in the field.

“We call on the international community to condemn the Chinese government for the violation of our human rights!”

Übersetzen tu ich das ein anderes Mal, mir geht grad die Zeit aus.

Ich finde es sehr spannend, was da gerade passiert und werde weiter die Situation beobachten. Bin gespannt wie ein Gummiringerl, was da wohl so rauskommen wird.

Und was die Zeichen unserer Zeit angeht: Dieser Kommentar wurde soeben auf meiner Facebookseite abgegeben: „Und ist mir doch Scheins egal ob die sklavenarbeit machen deswegen werde ich trotzdem nach wie vor meine Klamotten nur dort einkaufen.“

Leute, es gibt noch viel zu tun 😉

 

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Das Primark-Kleid: Der Tag danach

Was war denn da bitte los gestern?! Ich poste einen Beitrag, den es in englischer Form seit vier Tagen gibt, und er geht komplett viral – fast 100 mal auf Facebook geteilt. Ich hatte gestern doppelt so viele Klicks wie zu besten ORF.at- oder Spiegel.de-Verlinkungs-Zeiten. Und was mich unfassbar freut: Nicht, weil mein Projekt in einer „Oh wie kann man das nur schaffen“-Tonalität in einem bekannten Medium vorgestellt wurde (nicht falsch verstehen, ich hab mich über jeden dieser Beiträge gefreut und mich unglaublich gebauchpinselt gefühlt!), sondern, weil ich über eine Geschichte berichtete, die einer Britin passiert ist – sie fand in einem Kleid von Primark ein zusätzliches eingenähtes Label, auf dem „Forced to work exhausting hours“ stand. Eine Geschichte, die in einem einzigen Bild zeigt, welch unmenschliche Zustände bei den Billigstproduzenten für Fast Fashion herrschen. So gut, dass sie fast schon perfekt inszeniert wirkt.

Und dazu möchte ich echt nochmal dringend was feststellen: Wenn die Geschichte echt ist, dann sollen sich die, die sie anzweifeln, bitte erstmal eine Runde schämen und mal überlegen, warum wir eigentlich so zynisch geworden sind hier in Westeuropa. Wenn die Geschichte nicht stimmt, dann ist das aber bitte auch scheißegal. Warum? Weil sie gewirkt hat. Sie hat Tausende Menschen in ganz Europa zum Nachdenken gebracht. Wenn es also ein echtes Werk einer asiatischen Näherin ist, dann danke ich ihr aus vollstem Herzen. Sie hat mit einer kleinen Tat genau das Richtige gemacht. Wenn es das Werk einiger Aktivisten ist, dann danke ich ihnen ebenfalls. Weil sie einen Volltreffer gelandet haben.

And now to something completely different. Diese unfassbar vielen Klicks (das Zehnfache zum Durchschnitt!) haben mich dann auch ganz schön unter Zugzwang gebracht. Worüber schreib ich wohl am Tag danach? Ich kann mich nicht entscheiden. Im Angebot hätte ich eine (fast) neuentdeckte Teilzeitupcyclingdesignerin, mein neuestes Projekt mit Garn ausm Strickwerk, oder der spannende Artikel zu Kaufsucht auf gesund.at. Oder die Feststellung, dass ich inzwischen länger diesen Blog betreibe, als ich seit Unitagen durchgehend einen Job gehabt habe (es könnte sein, dass ich in Jobdingen so eine Art Zweijahres-rhythmus habe…) – und er sich immer noch nicht nach Arbeit anfühlt. Und mir glücklicher- und gleichzeitig erschreckenderweise immer noch nicht die Themen ausgegangen sind.

Aber morgen, da schreib ich nix. Da hab ich Geburtstag. Ja! Den ganzen Tag!

Bitte wie kann das sein, dass ich grad mal 25 Tage wieder da bin und schon wieder Fernweh hab? Oder anders formuliert: Warum liegt Wien eigentlich nicht am Meer? Würde meinen Geburtstag gern schwimmend- und schnorchelnderweise verbringen....

Bitte wie kann das sein, dass ich grad mal 25 Tage wieder da bin und schon wieder Fernweh hab? Oder anders formuliert: Warum liegt Wien eigentlich nicht am Meer? Würde meinen Geburtstag gern schwimmend- und schnorchelnderweise verbringen…. Foto: Kreta 2009. Hach, war das schön.

 

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Hungerlöhne und Existenzgefährdung „Made in Europe“

Es ist nicht neu, aber die Clean Clothes Kampagne ruft es uns mal wieder ins Gedächtnis: „Made in Europe“ sagt gaaaaaar nix aus. Nix. Null. Ich kenns aus meinem Umfeld – die Frau eines Slowaken, den ich gut kenne, arbeitet in einer Näherei in der Ostslowakei. Dort wird Arbeitskleidung für deutsche Küchen hergestellt. Sie bekommt vollzeitangestellt 400 Euro. Das Preisniveau dort: Die kleine Wohnung für vier Personen kostet 250 Euro, und Lebensmittel genausoviel wie bei uns, in den gleichen Läden (am Ortsrand gibts einen großen Spar… oder wars ein Billa? Jedenfalls ein Laden, der exakt genau so am Ortsrand von Liezen oder Großpetersdorf stehen könnte). Kurz: ihr eh schon nicht unbedingt von großen Ausschweifungen geprägtes Leben wäre ohne sein Gehalt dazu unvorstellbar.

Die Clean Clothes Kampagne hat nun aus diesem mir bekannten Fall eine ganze Studie gemacht (gut, ich geh jetzt davon aus, dass nicht zwingend T., so heißt sie nämlich, der Auslöser war, aber ihr wisst, wie ichs mein). Diese Studie ergab (ich zitiere ORF.at):

Länder wie Bulgarien, Rumänien und Kroatien verfügten dank einer langen Tradition in der Bekleidungsproduktion über hoch qualifizierte Arbeitskräfte. „Firmen wie Hugo Boss, adidas, Zara, H&M oder Benetton nutzen diesen Vorteil, aber zahlen den Näherinnen so wenig, dass sich viele von ihnen nur mit Zweitjobs oder mit einer kleinen Landwirtschaft über Wasser halten können“, moniert die CCK. Der offizielle Mindestlohn in Ländern wie Bulgarien, der Ukraine oder Mazedonien betrage nur etwa 14 Prozent einer existenzsichernden Entlohnung. Dass hochpreisige Marken oder die Herkunft „Made in Europe“ würdige Arbeitsbedingungen garantieren würden, sei ein Mythos, gezahlt würden in Wahrheit oft „Hungerlöhne“.

Kurz: „Made in Europe“ sagt nichts über die Arbeitsbedingungen aus. Die Kluft zwischen den ausgezahlten und existenzsichernden Löhnen ist laut Michaela Königshofer von der Clean Clothes Kampagne Österreich „teilweise noch größer als in asiatischen Produktionsländern“.

Hier gehts zum kompletten Report (meiner heutigen GuteNacht-Lektüre. Ob ich danach schlafen kann?)

CCK

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Ein Tiroler bringts auf den Punkt

Mein Tag beginnt derzeit traditionell mit früherem Aufwachen als der Liebste, und durchscrollen aller Nachrichten, Facebookfeeds und Blogs, um gemütlich nachzulesen, was in Österreich tagsüber passiert ist, während hier Nacht war.

Fashion Revolution Austria hat einen Beitrag aus Tirol gepostet, der mich sehr beeindruckt hat. Werner Kräutler kritisiert das System Primark. In Tirol gibts nämlich einen Primark. Und nicht nur TirolerInnen stürmen den Laden, nein, es werden Reisebusse voll mit SüdtirolerInnen und BayerInnen vor dem betreffenden Einkaufszentrum ausgeleert.

Ich habs auch schon mal beleuchtet, dieses Problem auf der Kehrseite der Modeproduktionsmedaille. Das Fazit aus billiger und mehr ist nämlich weniger. Weniger Qualität (no na), aber vor allem: weniger Jobs, und die Jobs, die es dann noch gibt, scheiße bezahlt. Und dann raunzt Bürger und Politik, dass es keine Mittelschicht mehr gibt. Es mag zwar kein hoher Prozentsatz sein, aber einen Teil dieser Suppe haben die BürgerInnen sich durch ihr Einkaufsverhalten selbst eingebrockt.

Einerseits führt die Tiefpreislogik („Geiz ist geil“) zu einer Marktbereinigung – Konkurrenten geben auf und müssen ihre Mitarbeiter_innen entlassen, was wiederum die Arbeitslosenzahlen erhöht. Andererseits drücken verringerte Handelsspannen (der Profit darf ja um Himmels willen nicht angerührt werden) auf die Löhne. Arbeit wird zu teuer. Prekariate – das heißt Jobs mit miesester Bezahlung – sind deshalb heute schon allgegenwärtig. Aber da sorgen Konzerne wie Primark vor: Sie unterbieten sich gegenseitig, damit die Niedrigstlohnbezieher_innen auch im Wochenrhytmus neue Fetzen kaufen können. Dass wir uns mit der ‘Geiz-ist-geil’-Mentalität nur ins eigene Knie schießen, ist vielen Konsument_innen nicht bewusst.

Und wieder ein Grund mehr, mal drüber nachzudenken, ob ein Kaufrausch beim Iren es im wahrsten Sinne des Wortes wert ist. Vielleicht hilft ja dieses Argument einigen dabei, umzudenken, wenn Bangladesch und Kambodscha schon zu weit weg sind.

PS: Apropos Primark Tirol. Da war doch mal was.

 

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Leere Shopping Malls

Ich war ja vor kurzen in einer riiiiiiiesigen Shopping Mall in den USA (in Scottsdale, Arizona, um genau zu sein). Hunderte Shops, insgesamt vielleicht hundert BesucherInnen (exklusive Food Court, der war rammelvoll). Und das dürfte kein Einzelfall gewesen sein, überall schließen derzeit Shopping Malls. Dem Internet sei Dank, das hat nämlich nicht nur so tolle Sachen wie das Bloggen, sondern auch das ab einer gewissen Konzerngröße so zweifelhafte Onlineshopping hervorgebracht. Ich schreib extra das „ab einer gewissen Konzerngröße“, da wohl sehr viele engagierte Designer von ökofairer Mode ohne Onlinestore so ihre Schwierigkeiten hätten, schätze ich. Aber hier gehts um Amazon & Co. – die stellen ernsthafte Konkurrenz für diese Malls dar (der Link zahlt sich wirklich aus, angeklickt zu werden, tolle Geschichte. Tolle Fotos dazu gibts dann hier. Und vor allem hier.)

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Nachdenklich, musikalisch und offtopic.

Länger nix berichtet (für mich sind vier Tage ohne Blog lang, spannende Selbstbeobachtung), weil: Nix zu berichten. Wir sind inzwischen im Norden der USA, in Seattle, angelangt. Der Holde ist musiktechnisch glücklich – die Stadt von Eddie Vedder, Chris Cornell und ganz wichtig: Nirvana (und in my humble opinion – und die Foo Fighters. Die übrigens KEIN Fahrstuhlmusiknirvanaabklatsch sind. Das war mal ein Kommentar im Standard-Forum, über das den ich mich seltsamerweise hochemtional immer noch ärgere. Pfft. Soll mal das 2011er-Album hören, vor allem „I should have known“, mit Krist Novoselic am Bass. Sorry, abgeschweift.).  Kleidungstextilundsoweitertechnisch gibts keine nennenswerten neuen Beobachtungen. In San Diego, wo wir bis heut früh waren,  gabs genauso wie in jeder größeren Stadt unglaublich viel an Second Hand und Läden, die Bestandsware abverkaufen (Ross – Dress for less. Dort hängt alles herum, was in den Ursprungsläden nicht gegangen ist). Hauptsache günstig. Und das ist auch wirklich wichtig hier. Neuware bei Target oder Walmarkt ist doch noch ein paar Prozenterl teurer als in den Goodwill-Stores und sonstigen Second Hand Läden (ja, ich hab sie entdeckt, die Shops, in denen es Kleider um ein bis fünf Dollar gibt). Warum das wichtig ist? Besonders in den Städten fällts auf, und ich hab schon mal drüber geschrieben, aber es beschäftigt mich halt sehr: Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten herrscht Armut. Jetzt nicht komplett und für alle (im Gegenteil, die Richie Richs in ihren fetten neuen Mustangs gibts auch mehr als bei uns die BMW-Fahrer, die die Pferde unter ihrem Hintern nicht beherrschen), aber die Armut und die Menge an obdachlosen, bedürftigen Menschen, die einem hier begegnet, ist in jeder Stadt aufs Neue schockierend und wahnsinnig traurig.

Österreich ist so eine unglaubliche Insel der Seligen, ich hoffe wirklich inständigst, dass dieser Teil der Amerikanisierung es nicht über den Atlantik schafft. Natürlich pissts mich unglaublich an, dass ich, obwohl ich über meinen Job bei Greenpeace voll versichert bin, wahrscheinlich aufgrund der Bucheinnahmen haarscharf über der Zuverdienstgrenze von 4500 Euro sein werde und brav zweitausend (!) Euro – also fast die Hälfte! – für die SVA ablegen werden darf. Ich hab das Buch quasi für eine Krankenversicherung geschrieben, die ich nichtmal brauche. Aber wenn ich mir anschaue, wie es hier so ganz ohne Versicherung zugeht, bin ich zwischenzeitlich wenigstens nur noch halbsauer (und ja, auch und vor allem im Vergleich mit denen, über und für die ich schreibe, ist das ein Luxusproblem höchster Stufe, ist mir sonnenklar. Ich hab das Buch übrigens definitiv nicht aufgrund des Geldes geschrieben…. aber halt auch nicht aufgrund der SVA!).

Nur nur was ich nicht verstehe: Hier in den USA sind 46 Millionen US-Bürger nicht krankenversichert. Dann setzt Obama sein Obamacare endlich durch, was ich für einen tollen Schritt in Sachen sozialer Gerechtigkeit halte – und dann melden sich „nur“ acht Millionen an? Und das ganze Ding ist verrufen wie nur? Ich kapiers einfach nicht…

Sorry, der Beitrag ist etwas offtopic geraten….ich bin halt grad sehr nachdenklich.

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Langeweile auf 180.000 Quadratmetern

Einige werden jetzt sagen: No, des hätt i dir oba scho friara sogn kenna. Trotzdem, ich habs getan. Ich war in einer der 30 größten Fashion-Malls der USA, die größte im Südwesten der Staaten. 180.000 Quadratmeter. Fashion Square Scottsdale. Wir sind hin und einfach mal losspaziert, angefangen im Nordstrom, in dem man direkt von der Garage aus reinfällt. Und wir sind gegangen….und gegangen… und gegangen…. und haben wahrscheinlich grad mal ein Drittel der gesamten Mall gesehen. Und: Es war unglaublich langweilig. Nicht nur uns, sondern augenscheinlich auch den VerkäuferInnen – es war wenig bis nix los, nur unten in der Fressmeile waren Menschen zu sehen – und, wie in jedem Einkaufszentrum auf der ganzen Welt: Den Männern. Die sich in den Sitzgruppen vor den Geschäften kollektiv langweilten.

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Es gibt dort unendlich viele Shops, wirklich unglaublich, und gut 90 Prozent davon Mode. Alles wirkt unecht, die Pflanzen sinds sogar, und auch unglaublich: In jedem einzelnen Shop hängt das Gleiche, ehrlich! Das ist nicht nur eine Feststellung vom Liebsten, dessen Modeempfinden nicht ganz so entwickelt ist wie das diverser Modemädels, nein, es ist wirklich so! in jedem Bademodengeschäft: Die Bikinis mit Vorhang (was ist denn das für ein Trend bitte, sich vor den Vorbau noch einen Fetzen drüberhängen – als Serviettenersatz beim Pommesessen im Freibad?!), überall die gleichen Farben, die gleichen Schnitte, in Preislagen von Forever 21 bis Barneys New York (gut, und viele Vokuhila-Kleider, ich gebs ja zu…aber keines wirklich verführerisch). Fetzen, wohin das Auge reicht, und obwohl ich mich ansonsten wirklich gerne von Auslagen inspirieren lasse – selten so was riesiges Uninspiriertes gesehen wie dort. Nach etwa einer halben Stunde sind wir wieder raus, am Pool ist es halt doch netter.

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Und nachdem W-Lan in dem Land quasi überall vorhanden ist, hab ich am Pool (in dem sturzbilligen, blitzsauberen Motel in Scottsdale, sehr lässig) dann gleich mal Inspirationsausgleich betreiben müssen. Thrift Style Thursday – mein neuer Lieblingsbloggertrend zum lange herumklicken und Bilder anschauen…nachdem ich hier nicht viel an fairer Mode finde (und auch nicht wirklich suche, zugegeben, hier haben Nationalparks, das Meer, das Pool oder spannende Städte Vorrang), und die Second Hand Läden hier einfach nur genial sind, bin ich voll auf der Thrift-Welle… nur meine Nähmaschine vermiss ich. Snüff.

 

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Allem kann ich widerstehen, nur der Versuchung…grad doch noch.

Heute mal wieder ein kleines Beispiel in Sachen „Man ist auch nach zwei Jahren bewusstem Kleiderkauf vor nix gefeit“. Zum ans Hirn klatschen.

Also. Wir waren im Target. Das sind solche Superstores, wo es von Lebensmittel über Spielzeug und Kleidung hin zu Kosmetika und Kochtöpfen und Vorzimmerteppichen einfach ALLES gibt. Unglaublich. Und natürlich bin ich auch durch die Textilabteilung, Trends schauen.

Und dann….. oidaoidaoida. Da war ein Kleid. Lang, grau, vorne kürzer als hinten, quasi ein Vokuhilakleid, wie sie grad so in sind (und auch mir so gut gefallen, nachdem ich auf die Rückseite meiner Beine jedes Jahr weniger stolz bin). Genäht aus einfachem, dünnem Jerseystoff und mit Ringerrücken. Auf den ich jedesmal wieder reinfalle. Ich find sie uuurschön, diese Ringerrücken, aber es schaut jedesmal saudeppert aus, wenn daneben der BH rausschaut, find ich.

Ich hab sogar so ein Vokuhilakleid in Fair, von der Frau Fröhlich nämlich. Ich liebs, aber es ist obenrum – Ringerrücken halt – nicht so ideal geschnitten. An genau dieses Kleid dachte ich auch, als ich am Vormittag desselben Tages (!) in dem riiiiesigen Geschäft voll mit Wolle, Stoffen die riesigen Kästen mit den Schnittmustern entdeckte. Und einen Schnitt für genau so ein Kleid entdeckte, OHNE Ringerrücken. Die Schnitte hier kosten echt fast nix, und waren sogar noch verbilligt. Sechs Dollar also für so einen Schnitt.

Den ich in der Tasche hatte, als ich das 25-DollarKleid im Target anstarrte. Es sah wirklich gleich aus. Und ich hab mir echt überlegt, mir das Kleid zu kaufen, weils ja so fesch ist, nur halt der Ringerrücken, aber wenns eh so billig ist… ich schwöre, es sind diese Gedankengänge von wegen „wenns eh so billig ist“ in mir losgegangen. Ich schäme mich, es ist echt fürchterlich, aber ich glaub, vor solchen Verführungen bin ich nie gefeit. Ich muss nur rechtzeitig, also VOR der Kassa, mein Hirn einschalten.

Ist mir diesmal wieder gelungen, aber peinlich wars mir schon sehr, als ich dann im Hotelzimmer die Tasche auspackte und mir der Schnitt entgegenplumpste. Doppelt gut, dass ich nicht schwach geworden bin – im Juni näh ich mir das Teil einfach selbst. Ohne Ringerrücken.

Himmelnochmal, ich sollt doch wieder zurück in die Nationalparks, wo es außer Steinen und Eidechsen und Eichhörnchen nix gibt.

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15 Dollar in Schnitten. Und im Sommer versuch ich mich dann an dem rosafarbenen Kleid (in einer anderen Farbe), an einem Hemdblusenkleid und an kurzen Hosen 😉

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Von Jeanshemden und geschmacklosen Stoffen: San Francisco

San Francisco. Nach viel viel viel Touristenprogramm beschloss ich: Wir schauen uns jetzt mal so einen typisch amerikanischen Thriftstore an. Den größten in San Francisco rausgesucht, schnell nachgeschaut, wie man hinkommt, und ab in den Bus. Gelandet sind wir dann in einer Gegend, die ich erstens definitiv nicht zu meiner Wunschwohngegend ernennen würden, und zweitens dort aber sooowas von definitiv nicht in der Nacht unterwegs sein will. Eh traurig, dort waren fast nur kaputte Menschen. Im Sinne von drogensüchtig. Und mittendrin ein paar Hipsters, die auch alle in den Thriftstore rein sind.

Der Laden hatte echt eine Größe und Auswahl wie bei uns wahrscheinlich die drei größten Caritaslager zusammen. Unfassbar. Und die Preise echt annehmbar, wenns auch die berühmten Ein-Dollar-Kleider aus meinen liebsten Blogs nicht wirklich gab. Aber ansons

ten: Unmengen. Einen grauen Kaschmirpulli, der sogar meine Größe gehabt hätte, um neun Dollar. Leider fleckig. Leider, weil der Wind in San Francisco echt schweinekalt ist. Was hab ich gefroren die letzten Tage. Meine zwei Longsleeves sind echt zu wenig – aber Rei in der Tube ist zum Glück erfunden.

Zurück zum Thrift Store: Wow. Und ich wurde sogar fündig: Ein Jeanshemd wanderte in meinem Besitz. XXL, so lang, dass es auch mir Hünin über den Popsch geht, und komplett ungetragen, es hingen noch die Original-Tags dran. Was das in einem Second Hand Laden verloren hat….

 

Und dann war praktischerweise neben dem Thriftstore auch noch ein Fabric Outlet. Nunu im Himmel!!! Sooooo viele Stoffe, dabei aber auch sooooo geschmacklose, unpackbar! Und: türkisfarbene Stricknadeln. Die ich nicht gekauft hab. Ich hab Fünfer, ich mag Metallnadeln nicht so sehr, und ich brauch sie nicht. Aber hach. Türkisfarbene Stricknadeln.

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