Archiv des Autors: nunette

Päpstlicher als der Papst?

Je mehr ich recherchiere, desto klarer wird mir: Ab 2013 gilt Fairtrade und Öko, selbstgemacht und Second-Hand in meinem Kleiderschrank. Aber gleich mal aus Selbstschutz (und ich geb hier gewaltig Schwäche zu): Mir gefällt der Gedanke nicht, mich NUR noch auf Öko- und Fairtradelabels zu konzentrieren.

Das ist bei mir so wie mit dem Fleischessen. Ich esse wirklich wenig Fleisch, ich koche niemals Fleisch selbst, und im Grunde könnte man mich als 99%-Vegetarierin bezeichnen. Mir passiert sogar manchmal, dass ich beim Kochen im Nachhinein draufkomme: Hoppla, das war jetzt vegan. Lecker! Aber auf der anderen Seite: Mir schmeckt ein Steak, medium-rare, auch gut. Ich brauchs nicht, aber ich weiß, dass es mir schmeckt. Und würd ich sagen: Ich bin ab heute Vegetarierin, dann lässt mich der Gusto auf das größte Steak überhaupt einfach nicht los. Darum sag ichs einfach nicht, enge mich so nicht ein und bekomm auch keine Lust aufs „Verbotene“.

Langer Rede kurzer Sinn: Beim Shopping gehts mir genauso. Der Plan, die Marschrichtung ist klar – aber ich mag kein Moralapostel werden.

Nicht schlecht, fange bereits nach weniger als einem Drittel der Zeit an, mir das konventionelle Shopping schönzureden…oioioi….sind das etwa doch Entzugsentscheidungen?

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Das Schuh-Dilemma

Draußen wird grad wunderschön warm (meinem kratzenden Hals sollte das auch mal jemand sagen…) und ich freu mich. Sonne, warm, gut! Frühlingsbeginn hat modisch gesehen jedoch auch immer ein bisschen ein trauriges Smiley dabei: Ich kann meine geliebten Stiefel nicht mehr tragen. Habt einen schönen Sommer in der Kiste, geliebte dunkelblaue Rauhlederstiefel, und seid lieb zu euren roten Schwestern, und auch ihr, meine innigst verehrten schwarzen Boots mit dem roten Zipp hinten drauf, macht es gut..

Ich habe leider recht breite Füße, brauche Senkfußeinlagen, und eine optische Wohltat sind diese zwei Dinger da unten bei aller Liebe und mit oder ohne Nagellack auch nicht. Es ist nicht so, dass ich nicht sonst auch noch genug Schuhe hätte – aber wenns wirklich heiß wird, dann haben meine Füße auch noch die charmante Angewohnheit, größer zu sein als sonst. Größer, als sie in Schuhgeschäften beim Sommerschuhkauf sind. Sommer und Schuhe ist einfach bäh. Werd wohl auch diesen Sommer wieder in diversen Flipflos und meinen acht Jahre alten, aus genau zwei Lederriemen und einer Schnur bestehenden weißen Sandalen wohnen. Und mir einen Schuster suchen, der mir beibringt, wie ich selbst solche Sandalen herstelle.

 

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I did it – A Nähkurs-Tascherl

Schnitt abpausen, zuschneiden, aufpinnen, Stoff schneiden, bügeln, Vlies schneiden, nochmal bügeln, Randln wegschneiden, Falte einbügeln, Reißverschluss einnähen, zusammennähen, Ecken schräg nähen, Achtung auf die Richtung der Schnittkante, verdammte Stecknadeln, wo ist das Pflaster, herst, jetzt hab ich einen Blutfleck am Vlies, naja ist eh wurscht, ist nur das Vlies, sieht man ja nicht, Kanten ins Innenfutter bügeln, zusammennähen, Kanten schräg nähen, außen aufs erste Tascherl drauf, Reißverschlusskante händisch zammnähen, herst, ver….te Handnäherei, der Stoff ist echt fest, umdrehen, fertig!!

Zweieinhalb Stunden. Bitteschön!

(c) Nunette Colour

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Hoppla, Tag 100!!!

Aaaalter Falter, trotz Zähler am Handy (!) hab ichs fast  verpasst: Ich hab Jubiläum!! Jetzt hab ichs auch geschafft, ich bin dreistellig – mich zipfts ja immer ein bissl an, dass ich hinter Katrin und weit hinter Kerstin bin. Aber schauen wir der Sache ins Auge: Ich werd wohl nicht aufholen. Lustig, als ich den Termin vereinbarte, wusste ich nicht, dass ich genau an Tag 100 meinen Nähkurs machen würde. Was wird wohl an Tag 200 sein… die erste Kollektion….Polsterüberzüge? 🙂

Und nein, Shopping geht mir überhaupt nicht ab. Kleidershopping. Das mitm Büchershopping, das wird dann wohl das Projekt 2013…

Nein, ernsthaft: Ich hab richtig, ernsthaft Spaß an der Sache! Ich spar mir was, es geht mir aufgrund der Größe meines Kleiderschrankinhalts nix ab, ich freu mich jeden Tag in der Früh, mir zu überlegen, was ich denn heute anzieh, ich freu mich wie deppert über jedes einzelne Like auf Facebook (weil ich da dann meine Leser so per Profilfoto richtig SEHE, was mir ganz viel Motivation bringt – ich schreib nicht für die anonyme Masse. Das mach ich beruflich, dankesehr…), ich liebe meinen Drang zum Selbermachen grad, ich fühl mich wahnsinnig geehrt über diverse im positivsten Sinne MERKWÜRDIGE Begebenheiten, danke all meinen lieben Kommentatorinnen, und ich bin selbst ganz gespannt, in welche Richtung ich mich im Laufe des Jahres noch weiterentwickle. Dass ichs durchhalte, daran hab ich nicht die geringsten Zweifel! Tschakka!

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Ich rieche Fisch…

Mein Shoppingboykott hat bekanntermaßen erst am 16. Jänner und nicht schon am ersten begonnen. Warum? Weil ich noch ein Wochenende in Barcelona war. Weil in Barcelona Desigual gaaaaanz groß ist. Und weil ich Desigual liebe. Und weil das so ist, war ich am 14., dem Samstag, nochmal im Desigual-Store – und hab nix gefunden. Komplette Überforderung vor lauter Muster und Farben. Aber dann am Flughafen am Sonntag. Alles noch offen, der Holde grad irgendwo, und ich mitten im kleinen, aber feinen Desigual-Store in der Duty-Free-Zone. Und mit mächtig Bammel im Handgepäck, mein Jahr ohne Kleiderkauf würde am nächsten Tag starten. Das Ergebnis: Ein Panikkauf, den ich inzwischen heiß und innig liebe: ein Mantel.

Nachdem ich auch sonst noch einige Teile von Desigual im Schrank hängen hab, wollte ich mich mal ein bißchen informieren, wie dass denn bei denen so ausschaut mit Nachhaltigkeit, Umweltschutz und ähnlichem. Bis auf ein, zwei Interviews, in denen der Boss zugibt, in China und Indien nähen zu lassen, fand ich wirklich kaum etwas. Sehr verdächtig. Der Google-Begriff „Desigual Kritik“ ist kaum ergiebig. Dann fand ich auf der Desigual-Homepage den Press-Corner.

Zur Erklärung: Auf einem Press Corner der Website eines Unternehmens sollte man mirnixdirnix, SCHNELL die relevanten Infos, die neuesten Presseaussendungen plus hochauflösende Fotos finden, und ganz wichtig: Ansprechpartner, Kontaktadressen. Warum ich das weiß? Das ist mein Job! (Und keiner schaut sich jetzt auf der Homepage meines Arbeitgebers um…ich red mich hiermit auf den geplanten Relaunch raus…)

Nicht so bei Desigual. Für den Press Corner braucht man eine Anmeldung. Ganz brav hab ich alle meine Daten angegeben – und es funktionierte nicht, ich war „not authorised to view this page“ (auch, als ich schummelte und die Zeitung angab, bei der ich früher mal geschrieben habe). Desigual – ich mag euch wirklich, wirklich, wirklich gerne, ich liebe eure Looks. Meistens. Aber ihr habt definitiv was zu verstecken.

Ich bleib dran. Das find ich jetzt spannend. Aber ich vermute, ich brauche spanische Übersetzungshilfe. Uli? Hella? Manu? Freiwillige vor, bittebittebitte 🙂

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Habenwollen nach dem Jahr

Hab mich selbst duch die im letzten Beitrag angegebenen Shops durchgeklickt. OK, beim Waschbärversand ist mir wirklich zuviel „Jute-statt-Plastik-Mief“ bei den Frauenkleidern, aber Slowmo rockt!! Diese Kombi find ich SUPER, allerdings find ich leider das Top nicht im Shop….wenns das in ein bissl dünkler gäbe. HACH!! Das kommt auf die Liste, gleich nach Sockenpulli und Ina-Kent-Tasche

www.slowmo.de

 

 

 

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GrüneMode.de

Es dürfe der geneigten LeserIn (nachdem ich fast nur weibliche Kommentatorinnen habe, gehe ich jetzt mal von einer größtenteils weiblichen Leserschaft aus – tschulligung Hans 🙂 ) nicht entgangen sein, dass in mir das grüne Erwachen stattfindet. Grün war ich immer schon, und politisch auch und fest bei Demos mitgeschrien hab ich auch. In H&M-Kleidung.  Grumpf. Meinen Job hab ich auch definitiv nicht aus Karriere- oder Gehaltsgründen….

Wie ein Schwamm saug ich momentan alles, was mit Öko-Mode und sustainable fashion zu tun hat, in mich rein. Derzeit bin ich an dem Punkt, wo ich bereits Redundanzen feststellen kann. Schreibt ein Ökojornalist über eine der „guten“ Fabriken in Indien, schreibens alle. Immer wieder kommen die gleichen Positivbeispiele – an Hess Natur, dem Waschbärversand (dessen Schuhangebot ich nicht so prickelnd finde…) und Armed Angels werde ich wohl nicht vorbeikommen 2013, ebensowenig an Göttin des Glücks, Slomo oder Kuyichi. Und dem Terra Plana Shop in der Neubaugasse werde ich wohl auch wieder eine Chance geben, auch wenn ich aufgrund der frappanten Relation „Je schöner der Schuh, desto höher der Absatz“ bisher dort nie fündig wurde (Website von Terra Plana derzeit down…).

Derzeit tigere ich mich grad in „Saubere Sachen“ von Kerstin Brodde rein. Die auch bloggt. Les ich mal nicht das Buch, krame ich mich durch ihre gruenemode.de…

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Woman, zartgrün

Der folgende Beitrag ist nur bedingt kleidungsrelevant, aber ich muss mich jetzt mal abreagieren: Im Gegensatz zu einigen anderen Frauen ist – trotz Abo der Zeitschrift, das ich mir in einer schwachen Minute mal andrehen hab lassen – der Woman Day komplett an mir vorüber gegangen (lustig, schreibt mal fünfmal woman hintereinander – das ist so ein typisches Wort, dass bei häufiger Verwendung irgendwie befremdlich klingt…). Ich muss jedoch vorausschicken: In meinen Kreisen gehört es zum guten Ton, über die Woman zu schimpfen. Ich halte sie jetzt nicht für die beste Zeitschrift der Welt, muss jedoch jetzt auch mal öffentlich feststellen: Für den Anspruch, den sie stellt, ist sie eigentlich recht gelungen und für mich die optimale Badewannenlektüre – man ist sie in 20 Minuten durch, hat drei, vier ganz interessante Geschichten drin und es ist nicht so dramatisch, wenn sie nass wird.

Heut früh hab ich mir mal den Beileger der neuen Ausgabe vorgeknöpft, die Green Woman. Und liebe Woman-Redaktion, wie gesagt, ich find euch nicht so schlecht, wie alle tun. Aber diesmal habt ihr ein paar kräftige Griffe ins Klo getätigt:

  • Was ist für schwach halte: Ihr lobt euch, dass das Heft auf Recyclingpapier gedruckt ist. Wieso nicht alle normalen Ausgaben auch? Greift sich nämlich sogar viel angenehmer an.
  • Die Anzeigen, die euch das Blatt finanzieren, sind von Siemens, Mercedes-Benz, Nivea, ÖBB, bellaflora, Hofer und Nespresso. Gut, Siemens und Hofer seh ich ein, die zeigen wirklich Sustainabiltiy-Initiativen. Aber eine Autowerbung, selbst wenns um einen Hybrid geht? Oder noch schlimmer: bellaflora? Die neben ihrer Bio-Linie auch solche hochgiftigen, dezitiert umweltgefährdenden Dinge verkaufen? Oder – noch schlimmer  – Nespresso? Schon mal Informationen über den CO2-Verbrauch bei der Aluminiumproduktion eingeholt? Oder darüber nachgedacht, wie minimal der Prozentsatz der Kapseln ist, die wirklich zurück in den Recyclingkreislauf gelangen (ich bin als Nicht-Kaffeetrinkerin da fein raus)? Ok, diesen Punkt kann ich unter Umständen auch nochmal verzeihen, irgendwo MUSS die Kohle fürs Heft herkommen. Aber bitte das nächste Mal die Anzeigenkunden bissl besser prüfen. „Hey, die haben eine Bio-Linie, die können wir ja anpreisen“, riecht ein bisschen sehr nach Beihilfe zum Greenwashing.
  • Mein „Lieblings“-Artikel: „Die 30 größten Umweltlügen“. Gut, die ersten 11 Punkte find ich ok und nachvollziehbar. Aber bei Punkt 12 hat es mir metaphorisch die Schuhe ausgezogen (metaphorisch, weil im Bett):

Der Klimawandel. Der Mythos: Der Mensch ist schuld am Ozonloch und der Veränderung des Klimas. Fakt ist: Befragt man Experten, gibt es keinen Konsens bei der Ursachenfindung für die langfristige globale Erwärmung des Klimas. Es gibt bis jetzt auch keine wissenschaftlichen Beweise für diese These.

  • Das ist jetzt nicht euer Ernst, oder? Erstens: Klimawandel ist Tatsache. Und auch in Österreich schon angekommen. Klimawandel ist meßbar einhergegangen mit der beginnenden Industrialisierung der Menschheit. Ganz einfache Schlußrechnung: Tausende Jahre lang ist nix, keine historisch nachweisbaren extremen Klimaveränderungen. Dann kam Industrie, Fortschritt, Technik, und in weniger als 100 Jahren veränderte sich das Klima auf erschreckende Art und Weise. Wer solls denn bitte gewesen sein, wenn nicht wir?!? Außerdem widersprecht ihr euch ganz schön selbst, weil ihr in einigen der folgenden „Umweltlügen“ ganz klar auf den Zusammenhang Mensch/Klimawandel hinweist! Dass eine solche Aussage in einem auf Grün und Nachhaltigkeit konzeptionierten Magazin steht, ist meiner Ansicht nach grob fahrlässig!
  • Unter dem Titel „Wir haben eine grüne Weste – gut gekleidet“ stellt ihr Labels mit Ökomode vor. An erster und größter Bildposition: H&M. An zweiter: Levi´s. Nein, nein und nochmal nein. Da gibt es bessere Beispiele. An der Arbeit an eine Levi´s-Jeans verdient ein einzelner Arbeiter nichtmal 5 Cent. H&M zeichnet sich selbst grün, aber kommts, denkts mal nach, in DER Massenproduktion? Nie.
  • Auf Seite 35 steht wörtlich: Von einer Reduktion des Fleischkonsums „profitiert unsere Umwelt enorm. Denn es ist die beste Methode, um CO2 einzusparen.“ Stimmt. Und ok, der Satz steht im Zusammenhang mit einem Artikel über „Teilzeitvegetarismus“ – einer Gruppe, der ich angehöre. Fleisch ja, aber nicht mehr als drei, viermal im Monat. Aber liebste Redaktion: Dann sollte doch aus purer Konsequenz in einer Green Woman ein Fleischrezept doch bitte keinen Platz haben! Wenige Seiten später preist ihr Fleischleibchen und Lammkottelets an.

Ich bin ja wirklich froh, dass es Initativen wie die Green Woman gibt. Nur bitte nächstes Mal besser recherchieren und vor allem nicht auf Greenwashing reinfallen. Zu eurer Ehrenrettung: Grautlation zu dem Artikel über Upcycling und vor allem dem Interview  mit Susanne Klingner, die ich sehr bewundere.  Ich werd euch trotzdem in der Badewanne weiterlesen. Auch die nichtgrüne Woman. Über die reg ich mich ja auch weniger auf, die stellt ja nicht den grünen Anspruch an sich selbst…

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Birner Bags

Die Caro Birner, die ist eine sehr lässige Person. Die ich leider nur recht selten sehe, aber mit der es immer witzig ist. Aber Caro ist nicht nur lässig und witzig, sondern auch hammermäßig kreativ. Darum hat sie kürzlich auch diese Taschen entworfen:

(c) Carolin Birner

(c) Carolin Birner

Die Taschen sind aus alten Ölbildern gemacht – wie genau das aussieht, ohne brüchig zu werden oder abzufärben: Ich bin gespannt drauf. Und ich freu mich, weil: Die Caro hat gesagt, sie wird mir eine solche Tasche schenken, weil kaufen darf ich sie ja nicht 🙂

(Und jetzt keine Diskussionen über Schenken als Regelbrechen bitte. Schenken ist erlaubt. Soll aber das Kaufen nicht ersetzen. ok?)

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Code Blue (Jeans)

Nuuueeeeiiiinnnn!!!! Neinneinneinneinneinneinneinneinnein!!!! Ich krieg keine Luft mehr, ich hyperventiliere, ich hab gleich einen Herzstillstand, ich muss das Projekt abbrechen!!! Meine innigst heißgeliebte Jeans ist kaputt. So, dass sogar die Krisenmanagerin meines Herzens und meiner Alltagstauglichkeit (a.k.a. meine Mama) gesagt hat: „Des wird nix mehr. Die is hin. Wennst die stopfst, reißts dir am Rand gleich wieder auf, so hauchdünn ist der Stoff schon…“

Es ist schrecklich. Ein Alptraum. Diese wunderbare Jeans – eine Entdeckung in London, auf einer meiner letzten Dienstreisen für den vorigen Arbeitgeber. Der Shop hatte eine Abteilung für besonders große Menschen – für mich mit meinen 1,81 hosentechnisches Schlaraffenland. Die Hose saß wie angegossen, war etwas zu lang. Ich liebe zu lange Hosen. Seit meiner Pubertät, die ich gefühlt 80% der Zeit in Hochwasserhosen verbrachte, gibt es für mich hosentechnisch nichts schöneres als ein an der Ferse abgetretener Saum. Sie machte tolle Beine und war unfassbar bequem. Für 20 Pfund echt ein persönlicher Goldschatz.

Was mach ich jetzt? Keine einzige meiner anderen Jeans ist auch nur annähernd so perfekt wie diese eine, gewesene. Es ist doch unfair – da mach ich mir Sorgen, dass ich strumpfhosentechnisch nicht durch den nächsten Herbst und Winter komme, und dann macht sich in Sachen Beinkleidung plötzlich eine ganz andere Front auf? Die blitzeblanke, strahlendweiße Oberfläche der Zuversicht hat grad einige ganz gewaltige Kratzer bekommen.

Ökologisch gesehen war die Jeans ein ebenfalls ein Traum, ein Alptraum nämlich.

  • Dem CO2-Ausstoß durch Produktion in Indien und Verkauf in London setzte ich durch den Transport nach Wien gleich mal noch eins drauf, bevor ich sie auch nur einmal ohne Zetterl dran anhatte.
  • Stretchanteil hoch. Will ich über die ganze Chemie, die bei der Produktion eines solchen Stoffes eingesetzt wird, nachdenken? Hmm…
  • Modische Waschungen (wobei „modisch“ dahingestellt ist, ihr einziger Nachteil war ebendiese Waschung – dunkle Seiten und ein heller Popsch. Es gibt Vorteilhafteres. Wurde mit Röcken drüber aber meist kaschiert.). Sandblasting oleole.
  • Der virtuelle Wasserverbrauch liegt grob geschätzt bei etwa 6000 Litern, und ich habe das dumpfe Gefühl, dass ich mit dieser Schätzung noch ordentlich tiefstaple.
  • 20 Pfund. Danke, liebe Näherinnen, die ihr nichtmal ein 100stel davon an der Hose verdient habt.

Der Fall liegt klar: Ich erfahre immer mehr Gemeinheiten aus der Textilbranche. Kann sie, siehe oben, in nullkommanix aufzählen – anhand eines einzelnen Kleidungsstücks. Der Kopf weiß Bescheid, alles klar, easy und grün.

Und der Bauch? Der will am liebsten sofort nach London fliegen und Himmel und Erde in Bewegung setzen, um genau! diese! Hose nochmal zu bekommen.

Das mit dem Lerneffekt, das muss ich noch üben. Aber ich hab ja noch ein paar Monate…..

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