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Hungerlöhne und Existenzgefährdung „Made in Europe“

Es ist nicht neu, aber die Clean Clothes Kampagne ruft es uns mal wieder ins Gedächtnis: „Made in Europe“ sagt gaaaaaar nix aus. Nix. Null. Ich kenns aus meinem Umfeld – die Frau eines Slowaken, den ich gut kenne, arbeitet in einer Näherei in der Ostslowakei. Dort wird Arbeitskleidung für deutsche Küchen hergestellt. Sie bekommt vollzeitangestellt 400 Euro. Das Preisniveau dort: Die kleine Wohnung für vier Personen kostet 250 Euro, und Lebensmittel genausoviel wie bei uns, in den gleichen Läden (am Ortsrand gibts einen großen Spar… oder wars ein Billa? Jedenfalls ein Laden, der exakt genau so am Ortsrand von Liezen oder Großpetersdorf stehen könnte). Kurz: ihr eh schon nicht unbedingt von großen Ausschweifungen geprägtes Leben wäre ohne sein Gehalt dazu unvorstellbar.

Die Clean Clothes Kampagne hat nun aus diesem mir bekannten Fall eine ganze Studie gemacht (gut, ich geh jetzt davon aus, dass nicht zwingend T., so heißt sie nämlich, der Auslöser war, aber ihr wisst, wie ichs mein). Diese Studie ergab (ich zitiere ORF.at):

Länder wie Bulgarien, Rumänien und Kroatien verfügten dank einer langen Tradition in der Bekleidungsproduktion über hoch qualifizierte Arbeitskräfte. „Firmen wie Hugo Boss, adidas, Zara, H&M oder Benetton nutzen diesen Vorteil, aber zahlen den Näherinnen so wenig, dass sich viele von ihnen nur mit Zweitjobs oder mit einer kleinen Landwirtschaft über Wasser halten können“, moniert die CCK. Der offizielle Mindestlohn in Ländern wie Bulgarien, der Ukraine oder Mazedonien betrage nur etwa 14 Prozent einer existenzsichernden Entlohnung. Dass hochpreisige Marken oder die Herkunft „Made in Europe“ würdige Arbeitsbedingungen garantieren würden, sei ein Mythos, gezahlt würden in Wahrheit oft „Hungerlöhne“.

Kurz: „Made in Europe“ sagt nichts über die Arbeitsbedingungen aus. Die Kluft zwischen den ausgezahlten und existenzsichernden Löhnen ist laut Michaela Königshofer von der Clean Clothes Kampagne Österreich „teilweise noch größer als in asiatischen Produktionsländern“.

Hier gehts zum kompletten Report (meiner heutigen GuteNacht-Lektüre. Ob ich danach schlafen kann?)

CCK

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Das Ende der Plastikschlapfen

Hach, genial, dieses Wetter, wenn man frei hat, oder? Ich habs bis vor wenigen Stunden in Kärnten verbracht, mit sehr viel Spaß, Freizeit und gutem Wein. Und mit kaputten Schuhen. Zum Glück sind sie erst heut Mittag meier gegangen, sonst hätt ich ein Problem gehabt. Eigentlich eh klar. Plastiklatschen, vor einiger Zeit gekauft (ich hab noch vier oder fünf Paar von denen seit 2011 auf Lager! Himmel!), waren auf der Reise mit, wurden intensivgenutzt und heut Mittag war ihr Tag gekommen. Man siehts am Foto nicht, aber das Loch, wo der Zehenstöpsel durchgehört, ist komplett aufgerissen. Hält nimmer. Hinüber. Putt.

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Und was jetzt? Erster Gedanke: Gut. Weg damit, wegwegweg. Und gleich mal das Schuhregal ausmisten. Zwischen kaputtem Schuh und Schuhregal ausmisten waren dann noch fast vier Stunden Autofahrt. Und die Frage: Wie entsorge ich die Dinger eigentlich, ohne dass sie in ein paar Monaten mitten im Pazifik herumschwimmen?

Eine sehr kurze Recherche (ich hab diesmal wirklich auf die erstbesten Links geklickt): In Deutschland in die Gelbe Tonne, in Österreich in den Restmüll. Na sehr super. Restmüll. Wirklich glücklich macht mich dieses Suchergebnis nicht. Eigentlich heißts, dass im Restmüll nur Abfälle gesammelt werden sollen, die frei von gefährlichen Inhaltsstoffen sind – bei den Schlapfen bin ich mir nicht ganz sicher. Man hört ja übles über hormonell aktive Inhaltsstoffe von Plastik, von Weichmachern und Nonylphenolethoxilaten. Was jedoch sicher ist: Lang gibt es diese Schlapfen nicht mehr. In Österreich sind Deponien verboten, sie werden wohl verbrannt werden. Byebye.

Apropos Schuhe. Ich hab ja bereits immer wieder brav meinen Kleiderschrank ausgemistet, das Schuhregal jedoch immer geflissentlich ausgelassen. Da standen Kisten herum, in die ich scon sehr lange nicht reingeschaut hatte. Und denen ich mich nicht stellen wollte. Heut wars dann in einer knappen Stunde erledigt, das Regal war ausgemistet, geputzt und neu sortiert. Mit dem Ergebnis, dass ich mich von einem Möbelschwedensack voller Schuhe trenne, der schwerer ist als der Koffer, mit dem ich zwei Monate verreist bin. Und ich fühl mich leichter. Nur dieses Überlegen, wo meine Plastikschlapfen eigentlich nach ihrem Ende in meinem Besitz hingehen, das ist dann doch ein bissl beschwerlich. Ich mag jetzt gar nicht einen auf überbetroffen tun, ich geb nur offen zu: Ich hab mir das anhand eines sehr realen Beispiels (anstelle von theoretischer Hirngymnastik) gerade zum ersten Mal wirklich durchüberlegt. Wie doof eigentlich. Ich weiß, welche Chemikalien auf der Kleidung in der Umwelt landen und dort persistent sind, ich weiß, wieviel Textilabfall in Hongkong täglich anfällt, aber ich hab noch nie ein Paar Schlapfen von mir in der Hand gehabt und mir gedacht: Was passiert eigentlich mit dir, nachdem ich dich weggeschmissen hab? Bei Kleidun gibts wenigstens Möglichkeiten wie Tauschen, Verkaufen, Verschenken, Umnähen. Bei hinigen Schlapfen jedoch…. Restmüll. Grmpf.

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Ein Tiroler bringts auf den Punkt

Mein Tag beginnt derzeit traditionell mit früherem Aufwachen als der Liebste, und durchscrollen aller Nachrichten, Facebookfeeds und Blogs, um gemütlich nachzulesen, was in Österreich tagsüber passiert ist, während hier Nacht war.

Fashion Revolution Austria hat einen Beitrag aus Tirol gepostet, der mich sehr beeindruckt hat. Werner Kräutler kritisiert das System Primark. In Tirol gibts nämlich einen Primark. Und nicht nur TirolerInnen stürmen den Laden, nein, es werden Reisebusse voll mit SüdtirolerInnen und BayerInnen vor dem betreffenden Einkaufszentrum ausgeleert.

Ich habs auch schon mal beleuchtet, dieses Problem auf der Kehrseite der Modeproduktionsmedaille. Das Fazit aus billiger und mehr ist nämlich weniger. Weniger Qualität (no na), aber vor allem: weniger Jobs, und die Jobs, die es dann noch gibt, scheiße bezahlt. Und dann raunzt Bürger und Politik, dass es keine Mittelschicht mehr gibt. Es mag zwar kein hoher Prozentsatz sein, aber einen Teil dieser Suppe haben die BürgerInnen sich durch ihr Einkaufsverhalten selbst eingebrockt.

Einerseits führt die Tiefpreislogik („Geiz ist geil“) zu einer Marktbereinigung – Konkurrenten geben auf und müssen ihre Mitarbeiter_innen entlassen, was wiederum die Arbeitslosenzahlen erhöht. Andererseits drücken verringerte Handelsspannen (der Profit darf ja um Himmels willen nicht angerührt werden) auf die Löhne. Arbeit wird zu teuer. Prekariate – das heißt Jobs mit miesester Bezahlung – sind deshalb heute schon allgegenwärtig. Aber da sorgen Konzerne wie Primark vor: Sie unterbieten sich gegenseitig, damit die Niedrigstlohnbezieher_innen auch im Wochenrhytmus neue Fetzen kaufen können. Dass wir uns mit der ‘Geiz-ist-geil’-Mentalität nur ins eigene Knie schießen, ist vielen Konsument_innen nicht bewusst.

Und wieder ein Grund mehr, mal drüber nachzudenken, ob ein Kaufrausch beim Iren es im wahrsten Sinne des Wortes wert ist. Vielleicht hilft ja dieses Argument einigen dabei, umzudenken, wenn Bangladesch und Kambodscha schon zu weit weg sind.

PS: Apropos Primark Tirol. Da war doch mal was.

 

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Leere Shopping Malls

Ich war ja vor kurzen in einer riiiiiiiesigen Shopping Mall in den USA (in Scottsdale, Arizona, um genau zu sein). Hunderte Shops, insgesamt vielleicht hundert BesucherInnen (exklusive Food Court, der war rammelvoll). Und das dürfte kein Einzelfall gewesen sein, überall schließen derzeit Shopping Malls. Dem Internet sei Dank, das hat nämlich nicht nur so tolle Sachen wie das Bloggen, sondern auch das ab einer gewissen Konzerngröße so zweifelhafte Onlineshopping hervorgebracht. Ich schreib extra das „ab einer gewissen Konzerngröße“, da wohl sehr viele engagierte Designer von ökofairer Mode ohne Onlinestore so ihre Schwierigkeiten hätten, schätze ich. Aber hier gehts um Amazon & Co. – die stellen ernsthafte Konkurrenz für diese Malls dar (der Link zahlt sich wirklich aus, angeklickt zu werden, tolle Geschichte. Tolle Fotos dazu gibts dann hier. Und vor allem hier.)

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Langeweile auf 180.000 Quadratmetern

Einige werden jetzt sagen: No, des hätt i dir oba scho friara sogn kenna. Trotzdem, ich habs getan. Ich war in einer der 30 größten Fashion-Malls der USA, die größte im Südwesten der Staaten. 180.000 Quadratmeter. Fashion Square Scottsdale. Wir sind hin und einfach mal losspaziert, angefangen im Nordstrom, in dem man direkt von der Garage aus reinfällt. Und wir sind gegangen….und gegangen… und gegangen…. und haben wahrscheinlich grad mal ein Drittel der gesamten Mall gesehen. Und: Es war unglaublich langweilig. Nicht nur uns, sondern augenscheinlich auch den VerkäuferInnen – es war wenig bis nix los, nur unten in der Fressmeile waren Menschen zu sehen – und, wie in jedem Einkaufszentrum auf der ganzen Welt: Den Männern. Die sich in den Sitzgruppen vor den Geschäften kollektiv langweilten.

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Es gibt dort unendlich viele Shops, wirklich unglaublich, und gut 90 Prozent davon Mode. Alles wirkt unecht, die Pflanzen sinds sogar, und auch unglaublich: In jedem einzelnen Shop hängt das Gleiche, ehrlich! Das ist nicht nur eine Feststellung vom Liebsten, dessen Modeempfinden nicht ganz so entwickelt ist wie das diverser Modemädels, nein, es ist wirklich so! in jedem Bademodengeschäft: Die Bikinis mit Vorhang (was ist denn das für ein Trend bitte, sich vor den Vorbau noch einen Fetzen drüberhängen – als Serviettenersatz beim Pommesessen im Freibad?!), überall die gleichen Farben, die gleichen Schnitte, in Preislagen von Forever 21 bis Barneys New York (gut, und viele Vokuhila-Kleider, ich gebs ja zu…aber keines wirklich verführerisch). Fetzen, wohin das Auge reicht, und obwohl ich mich ansonsten wirklich gerne von Auslagen inspirieren lasse – selten so was riesiges Uninspiriertes gesehen wie dort. Nach etwa einer halben Stunde sind wir wieder raus, am Pool ist es halt doch netter.

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Und nachdem W-Lan in dem Land quasi überall vorhanden ist, hab ich am Pool (in dem sturzbilligen, blitzsauberen Motel in Scottsdale, sehr lässig) dann gleich mal Inspirationsausgleich betreiben müssen. Thrift Style Thursday – mein neuer Lieblingsbloggertrend zum lange herumklicken und Bilder anschauen…nachdem ich hier nicht viel an fairer Mode finde (und auch nicht wirklich suche, zugegeben, hier haben Nationalparks, das Meer, das Pool oder spannende Städte Vorrang), und die Second Hand Läden hier einfach nur genial sind, bin ich voll auf der Thrift-Welle… nur meine Nähmaschine vermiss ich. Snüff.

 

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Allem kann ich widerstehen, nur der Versuchung…grad doch noch.

Heute mal wieder ein kleines Beispiel in Sachen „Man ist auch nach zwei Jahren bewusstem Kleiderkauf vor nix gefeit“. Zum ans Hirn klatschen.

Also. Wir waren im Target. Das sind solche Superstores, wo es von Lebensmittel über Spielzeug und Kleidung hin zu Kosmetika und Kochtöpfen und Vorzimmerteppichen einfach ALLES gibt. Unglaublich. Und natürlich bin ich auch durch die Textilabteilung, Trends schauen.

Und dann….. oidaoidaoida. Da war ein Kleid. Lang, grau, vorne kürzer als hinten, quasi ein Vokuhilakleid, wie sie grad so in sind (und auch mir so gut gefallen, nachdem ich auf die Rückseite meiner Beine jedes Jahr weniger stolz bin). Genäht aus einfachem, dünnem Jerseystoff und mit Ringerrücken. Auf den ich jedesmal wieder reinfalle. Ich find sie uuurschön, diese Ringerrücken, aber es schaut jedesmal saudeppert aus, wenn daneben der BH rausschaut, find ich.

Ich hab sogar so ein Vokuhilakleid in Fair, von der Frau Fröhlich nämlich. Ich liebs, aber es ist obenrum – Ringerrücken halt – nicht so ideal geschnitten. An genau dieses Kleid dachte ich auch, als ich am Vormittag desselben Tages (!) in dem riiiiesigen Geschäft voll mit Wolle, Stoffen die riesigen Kästen mit den Schnittmustern entdeckte. Und einen Schnitt für genau so ein Kleid entdeckte, OHNE Ringerrücken. Die Schnitte hier kosten echt fast nix, und waren sogar noch verbilligt. Sechs Dollar also für so einen Schnitt.

Den ich in der Tasche hatte, als ich das 25-DollarKleid im Target anstarrte. Es sah wirklich gleich aus. Und ich hab mir echt überlegt, mir das Kleid zu kaufen, weils ja so fesch ist, nur halt der Ringerrücken, aber wenns eh so billig ist… ich schwöre, es sind diese Gedankengänge von wegen „wenns eh so billig ist“ in mir losgegangen. Ich schäme mich, es ist echt fürchterlich, aber ich glaub, vor solchen Verführungen bin ich nie gefeit. Ich muss nur rechtzeitig, also VOR der Kassa, mein Hirn einschalten.

Ist mir diesmal wieder gelungen, aber peinlich wars mir schon sehr, als ich dann im Hotelzimmer die Tasche auspackte und mir der Schnitt entgegenplumpste. Doppelt gut, dass ich nicht schwach geworden bin – im Juni näh ich mir das Teil einfach selbst. Ohne Ringerrücken.

Himmelnochmal, ich sollt doch wieder zurück in die Nationalparks, wo es außer Steinen und Eidechsen und Eichhörnchen nix gibt.

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15 Dollar in Schnitten. Und im Sommer versuch ich mich dann an dem rosafarbenen Kleid (in einer anderen Farbe), an einem Hemdblusenkleid und an kurzen Hosen 😉

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Fashion Revolution Day – ein verkehrter Nachtrag

Ich hätt so gern mitgemacht in Wien beim Fashion Revolution Day, bei all den Aktionen! Stattdessen – jetzt auch nicht so übel – hab ich mich in diversen Nationalparks herumgetrieben. Und natürlich hat genau gestern in dem Motel das Internet nicht funktioniert, grade an dem Tag, an dem ich viele #insideouts machen wollte. Naaa toll. Aber mei, hier der Nachtrag – und nie vergessen, mit dem einen Tag ist es nicht getan. Es geht darum, dass weltweit eine Bewegung entsteht, die eine Änderung der aktuellen Produktionsverhältnisse, ökologisch und sozial, fordert. Mode muss langsamer werden. Dringend. Und ja, mit dem #insideout konnte man ein Zeichen setzen, das einem nicht wehtut, sondern sogar Spaß macht. Aber es muss auch weitergehen als die Spaßfotos…. Setzt ein Zeichen, kauft fair und bio, kauft weniger, seid laut!

Hier aber  noch zwei Spaßfoto-„Beweise“:

Erstens: Hier, auch faire Sachen sind im Gepäck! Das Cape von WearPositive zum Beispiel! Da steht zwar Ego ist innen, aber für den Tag wars außen. War wirklich der 24.

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Zweitens: Übereifrig bin ich auch am 23. schon #insideout herumgelaufen. Nur „leider“ weit und breit kein Shop oder kein Händler, die ich zum Umdenken hätte auffordern können. Der Nationalpark (Canyonlands) war übrigens so groß wie halb Vorarlberg.

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Go #insideout am Fashion Revolution Day!

Meine Fresse, juckts mich grad in den Fingern!! Nicht nur in dem Sinne, dass ich immer noch echt gern stricken würd, sondern auch, dass ich mich ein klitzekleines bisschen ärgere, dass ich grad nicht in Wien bin. Jaaaa, ich bin mir dessen bewusst, dass ich eigentlich grad den totalen Luxus lebe – ich reise, habe neue Eindrücke am laufenden Band, und werde nachhausekommen in mein feines Zuhause, zu meinem feinen Job, zu meinen tollen Freunden, zu meiner geliebten Familie. Aber wäre ich jetzt gerade in Wien, ich würd sowas von mitorganisieren beim Fashion Revolution Day in Österreich. So bleibt mir „nur“, die größte Aktion von ihnen zu teilen: #insideout

Es ist wirklich nicht schwer. Man dreht seine getragene Kleidung nach außen, zeigt das Label und die Nähte – und zeigt damit Solidarität im Kampf um faire Kleidungsproduktion. Warum gerade am 24. April? Weil das der erste Jahrestag des Zusammenbruchs des Fabriksgebäudes Rana Plaza ist, ein anscheinend nicht legal aufgestocktes Gebäude, das bei seinem Zusammenbruch über 1100 Menschen unter sich begrub und Tausende verkrüppelt, verstört und arbeitslos zurücklies. Zeigt die Nähte her. Sie wurden sehr wahrscheinlich von Menschen genäht, für die wir kämpfen wollen.

Derzeit sind wir gerade irgendwo mitten in Utah – wo man stundenlang fahren kann, ohne dass man irgendetwas menschenbewohntes und -benutztes sieht (abgesehen von den Straßen selbst natürlich). Wenig Grundlage zur Demonstration also, aber schwer beeindruckend. Stundenlang … nichtmal eine Tankstelle (was mich dann doch etwas gestresst hat, aber alles gut). Also bleiben mir nur die Fotos. So einfach, dass ihr es auch machen könnt. Ein Foto mit Label draußen mit den Hashtags #insideout und #austria (oder #germany) und @fash_rev auf Twitter und Facebook posten. Und damit weltweit ein Zeichen setzen, dass man eine neue Modewelt haben will. Weniger Fast, mehr Fair.

Zum Beispiel so:

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Ein #insideout – Selfie! Ich trage die Jeansjacke, die ich mal auf einer Tauschparty bei Christina, also beim Quautschen, ertauscht habe!

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Ein #insideout, wie es mir besonders gut gefällt – da steh ich gerade mitten in einem Nationalpark, der außer beeindruckend nur irre war. Samt verkehrtem Shirt, auch H&M, uralt (acht Jahre?). Übrigens, wenn man H&M per Twitter fragt, wie ihre Conscous-Collection-Shirts eigentlich produziert werden, verweisen sie dich auf ihre CSR-Seite. Auf der sich zwar sehr viele spannende Statenemts befinden (der Textilschwede ist definitiv weiter als andere Fast Fashion Hersteller), aber auch sehr viele leere Stehsätze. Macht euch selbst ein Bild.

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Der Liebste hat dem #insideout auch gleich mal ein #upsidedown hinzugefügt. Sehr motiviert!

Also, zeigt eure Solidarität! Nehmt teil an der Fashion Revolution! #insideout!

PS: Die Clean Clothes Kampagne hat zu Rana Plaza auch  ein Video gemacht!

PS2: Ja, ich hab auch faire Mode mit, nicht nur Textilschwede 🙂 Aber ich such meine Kleidung derzeit hauptsächlich nach „praktisch“ aus und nicht nach Style. Und nein, ich habe weder zuhause einen komplett fairen Kleiderschrank (wie sinnlos wär das denn gewesen, all meine Sachen einfach wegzugeben und gegen Faires auszutauschen, ökologisch gesehen), noch habe ich nur faire Sachen mit. Vielleicht gibts ja morgen noch ein faires Insideout! So lange fordere ich meinen werten Textilschweden eben zum weiteren Umdenken auf!

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Von Jeanshemden und geschmacklosen Stoffen: San Francisco

San Francisco. Nach viel viel viel Touristenprogramm beschloss ich: Wir schauen uns jetzt mal so einen typisch amerikanischen Thriftstore an. Den größten in San Francisco rausgesucht, schnell nachgeschaut, wie man hinkommt, und ab in den Bus. Gelandet sind wir dann in einer Gegend, die ich erstens definitiv nicht zu meiner Wunschwohngegend ernennen würden, und zweitens dort aber sooowas von definitiv nicht in der Nacht unterwegs sein will. Eh traurig, dort waren fast nur kaputte Menschen. Im Sinne von drogensüchtig. Und mittendrin ein paar Hipsters, die auch alle in den Thriftstore rein sind.

Der Laden hatte echt eine Größe und Auswahl wie bei uns wahrscheinlich die drei größten Caritaslager zusammen. Unfassbar. Und die Preise echt annehmbar, wenns auch die berühmten Ein-Dollar-Kleider aus meinen liebsten Blogs nicht wirklich gab. Aber ansons

ten: Unmengen. Einen grauen Kaschmirpulli, der sogar meine Größe gehabt hätte, um neun Dollar. Leider fleckig. Leider, weil der Wind in San Francisco echt schweinekalt ist. Was hab ich gefroren die letzten Tage. Meine zwei Longsleeves sind echt zu wenig – aber Rei in der Tube ist zum Glück erfunden.

Zurück zum Thrift Store: Wow. Und ich wurde sogar fündig: Ein Jeanshemd wanderte in meinem Besitz. XXL, so lang, dass es auch mir Hünin über den Popsch geht, und komplett ungetragen, es hingen noch die Original-Tags dran. Was das in einem Second Hand Laden verloren hat….

 

Und dann war praktischerweise neben dem Thriftstore auch noch ein Fabric Outlet. Nunu im Himmel!!! Sooooo viele Stoffe, dabei aber auch sooooo geschmacklose, unpackbar! Und: türkisfarbene Stricknadeln. Die ich nicht gekauft hab. Ich hab Fünfer, ich mag Metallnadeln nicht so sehr, und ich brauch sie nicht. Aber hach. Türkisfarbene Stricknadeln.

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Warum ich die neue Textilschwedenkollektion gut und schlecht finde

Ich bin eine schlechte Bloggerin. Ich hab mich nämlich immer noch nicht auf anständige Recherchegrundlage für diesen Post begeben, dabei hab ich ihn schon so lang versprochen. Und dann das – da geh ich kurz mal ins Printa, weil die die neue Kollektion vorstellen, alles Upcycling, alles fair, alles superhübsch, und will um acht zuhause sein, und dann wackel ich um halb elf zuhause an, bring dafür in mir drin zirka achtzehn Glas Rose mit.

Via twitter.com

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Darum mein Feedback auf die neue Textilschwedenkollektion in Kurzaufzählung.

  1. Ich finds gut, dass der Textilschwede  mit seiner internationalen Macht ressourcenschonende Mode thematisiert.
  2. Ich frag mich, wie ressourcenschonend die Mode ist, wenn sie für die Filialen weltweit produziert wird und nicht regional angepasst ist.
  3. …Was eigentlich wurscht ist, weil eh alles in Fernost produziert wird.
  4. Und damit hätten wir den Haken. Faire Produktion? Fehlanzeige. Ich find die ökologischen Ansätze gut, keine Frage, aber wer näht die Sachen?
  5. Ich habe dem CEO von H&M seinen schwachsinnigen Vorschlag, er wolle ein eigenes Fairtrade-Label, das weltweit gültig sein soll, gründen, immer noch nicht verziehen. Warum? Weils das schon gibt, himmelnochmal! Nicht eigene Regeln schreiben, sondern an bestehende Regeln halten!
  6. Die Kritik mehrerer, dass die Sachen nicht alltagstauglich sind, teile ich nur bedingt. Ja, das rosefarbene oder das schwarze Kleid sind nicht alltagstauglich (aber saufesch, das muss man zugeben!), aber sie sind fashion forward. Und das ist der Vorwurf, den faire Mode immer wieder kassiert, dass sie nicht avantgarde, nicht fashion forward ist. Da tut der Textilschwede schon einen großen Schritt, den ich anerkenne.
  7. Ich finds übrigens echt spannend, dass einige Leserinnen in den Kommentaren doch nur auf die Optik der Teile eingegangen ist und nicht auf den Hintergrund. Im Endeffekt ist es dann halt doch das in der Mode, was zählt. Wenns nicht geil ausschaut, kanns zwanzigmal fair und öko sein, oder eben nicht. Kein Vorwurf, ich finds einfach spannend, und es bestätigt mein Bestreben: Weg von der Jutesackmode, aber schnell!
  8. Ich bin also echt halbehalbe. Eine wirklich trendige Kollektion, ressourcenschonend produziert, soweit der Textilschwede das auch kann. Und der Textilschwede hat seeehr viel Marktmacht. Wenn der jetzt ernsthaft so auf Öko tut, dann lassen wir ihn das tun. Und schauen ihm auf die Finger, ob er das auch wirklich öko macht, oder ob er uns verarscht. Aaaaaaber leider gibts da noch ein Argument, dass es für mich ein bissl ins Negative wackeln lässt:
  9. Der Textilschwede ist bekannt dafür, dass man bei ihm Jeans um 10 Euro bekommt, Basics um fünf Euro, und auch ansonsten kosten trendige Teile selten mehr als 25 Euro, machmal 40, aber das muss dann schon seeehr leiwand sein. Diese Kollektion bewegt sich zwischen 60 und 399 Euro. 399 für ein Teil beim Textilschweden, das hätten sich die Kassiererinnen dort wohl auch nie gedacht, oder? Leider bestätigts ein Vorurteil: Ökomode ist ja soooo teuer. Ehrlich: Wenn man Mode sucht, die ihrer Zeit voraus ist, dann sucht man bei kleinen Designern, und da kostet ein Teil mal schon so viel. Aber das erwartet man nicht beim Textilschweden. Und dort ist man über solche Preise schockiert, und schon bestätigt sich das Vorurteil wieder. Und das ärgert mich. Weil die Leute, die sich genau gar nicht mit Ökomode (ich will dauernd faire Mode schreiben, aber das ist es ja nicht) beschäftigen, die denken sich: Pfoah, soooo viel teurer als die „normalen“ Sachen. Und die, die sich auskennen, denken sich: Preislich o.k., aber nur öko, nicht fair. Und jetzt?
  10. Nein, ich hab bei keinem der Teile ein Habenwollengefühl. Das hab ich bei einem der neuen Maronskiteile. Dem Gelben, aber in Graugrün. Ich hatte es schon an. Ich bin verliebt. Sehr. Sehr sehr sehr.

 

Liebe Bannerbagsverlosungsteilnehmerinnenundergebniserwarterinnen: Kommt noch. Heut noch. Versprochen.

 

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