Schlagwort-Archive: Fast Fashion

Was Baumwolle mit entstellten Frauen zu tun hat

Vor wenigen Tagen lief im TV eine erschreckende Doku über pakistanische Säureopfer – Frauen, die meistens von ihrem Ehemann übergossen werden. Erschreckend, traurig, unfassbar, wie machtlos die Frauen dort sind – beziehungsweise wie langsam sie derzeit an Macht gewinnen (was wiederum doch Hoffnung gibt). Die ganze Sendung lang ging es um entstellte Frauen, den Versuch eines Schönheitschirurgen mit pakistanischen Wurzeln, diese optisch wieder her zu stellen, und das sehr mutige juristische Vorgehen eines Opfers gegen ihren eigenen Ehemann.

In einer sehr kurzen Sequenz wurde dann die Frage beantwortet, woher die Männer so leicht an Säure kommen. Sie kommt bei der Verarbeitung von Rohbaumwolle zum Einsatz.

Es ist so frustrierend, wie unschätzbar viele negative Auswirkungen es im Zuge der textilen Lieferkette gibt. Gut, die Säureeinsätze sind ein Nebeneffekt, der in keine direkten Zusammenhang mit Fast Fashion steht. Dennoch: Strengere und klarere Regelungen in der Baumwollproduktion könnten vielleicht sogar absurderweise Frauen davor schützen, durch Säure entstellt zu werden. Kranke Welt.

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Kleine Chemie-Monster im Kleiderschrank

gp kleine monster

Screenshot GP-Bericht, Klick aufs Bild –> Ab zum Bericht!

Ladies and Gentlemen: Gestern bei Greenpeace gestartet (beim Nachhausefahren kaum noch aus den Augen schauen können, so fertig war ich vor lauter Infoinfoinfoinfoinfo :D), und gleich heute die erste Presseaussendung, weil neuer Report rauskommt. So schnell kanns gehen – und ja, es ist SEHR skurril, nicht diejenige zu sein, die die Presseaussendung schreibt und  vom Campaigner korrigieren und freigeben lässt, sondern diejenige, die korrigiert und freigibt. Anyway: Greenpeace hat 12 verschiedene Marken, die Kinderkleidung anbieten, auf gefährliche Chemikalien getestet. Aber bevor ich das jetzt selbst zusammenfass, darf ich euch – nicht unstolz – meine (und Christines!!) erste Presseaussendung für Greenpeace präsentieren:

14. Jänner 2014
Presseaussendung
Greenpeace/Umwelt/Wirtschaft/Chemie/Textil

Greenpeace-Report: „Kleine Chemie-Monster“ in Kinderbekleidung
Bedenkliche Chemikalien in Produkten von Primark, Burberry, Adidas und Co.

Wien – Ein heute von Greenpeace im Rahmen der Detox-Kampagne veröffentlichter Report zeigt, dass Kinderkleidung und Kinderschuhe gefährliche Chemikalien enthalten. Bei jeder der zwölf getesteten Modemarken wurden bedenkliche Stoffe wie Weichmacher, Nonylphenolethoxylate (NPE) oder per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) gefunden. Einige dieser Stoffe sind hormonell wirksam oder krebserregend. Sie kontaminieren Flüsse und Trinkwasser in den Produktionsländern. „Das ist ein Albtraum für alle Eltern. Diese ‚kleinen chemischen Monster‘ finden sich überall – in exklusiven, luxuriösen Designerstücken wie etwa von Burberry ebenso wie bei Kleidung von Textildiskontern á la Primark“, so Nunu Kaller, Konsumentensprecherin bei Greenpeace.

Für den aktuellen Greenpeace-Report „Kleine Monster im Kleiderschrank“ wurden 82 Kinderbekleidungsstücke zwölf internationaler Modefirmen auf bedenkliche Chemikalien untersucht. Ein T-Shirt der Modekette Primark enthielt 11 Prozent Weichmacher (Phthalate), in einem Baby-Body der Firma American Apparel waren 0,6 Prozent Weichmacher enthalten. Beide Werte wären unter EU-Recht für Kinderspielzeug verboten, diese Regelungen greifen jedoch nicht für Kinderkleidung. Weichmacher fanden sich insgesamt in 33 von 35 getesteten Kleidungsstücken mit Plastisol-Aufdrucken.

Die getesteten Produkte von Adidas waren vor allem mit PFC belastet, unter anderem mit der als krebserregend geltenden Perfluoroctansäure (PFOA) oder Substanzen, die zu PFOA abgebaut werden können. Ein Badeanzug enthielt 15 Mikrogramm PFOA pro Quadratmeter. Dieser Badeanzug überschreitet damit die von Adidas selbst gesetzte Höchstmarke für PFOA um das Fünfzehnfache. Einige PFC können das Immunsystem und die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und zu Schilddrüsenerkrankungen führen. PFC sind extrem langlebig und reichern sich in der Umwelt und im Körper an. Ein Shirt der Luxusmarke Burberry war stark Nonyphenolethoxylaten (NPE) belastet (780 Milligramm pro Kilogramm). Insgesamt kam NPE in 50 von 82 getesteten Artikeln vor. NPE wird in der Umwelt zu Nonylphenol abgebaut, das hormonell wirksam und besonders für Wasserorganismen schädlich ist.

Die Greenpeace Detox-Kampagne fordert von Modekonzernen auf die Verwendung gefährlicher Chemikalien bis 2020 zu verzichten. Darüber hinaus sollen deren Zulieferbetriebe Daten zur Freisetzung giftiger Chemikalien in ihren Produktionsstätten veröffentlichen. Dank des öffentlichen Drucks haben sich bereits 18 große Marken zum „Entgiften“ verpflichtet. „Kinderkleidung ist genauso belastet wie Mode für Erwachsene – nur können diese Chemikalien Kindern viel mehr schaden. Diese ‚kleinen Chemie-Monster‘ müssen unbedingt aus der Kleidung für unsere Kinder verbannt werden“, fordert Kaller abschließend.

Den gesamten Report finden Sie unter folgendem Link www.greenpeace.org/austria/Global/austria/dokumente/Reports/umweltgifte_detox2014_little_monsters_jan14.pdf

Gleich mal mit Detox starten. Könnt schlimmer sein! 😉

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Presse-Kommentar: Der Mann hat sooo recht!

Ich bin gestern Abend schon drübergestolpert online, heute stehts in der Printausgabe der Presse: Der Mann hat einfach nur so recht, und fasst es wunderbar zusammen. So schön, dass ich es unbedingt auch hier am Blog posten möchte, nicht nur auf Facebook:

„T-Shirt, made in Bangladesch“: Moral ist nicht eingepreist

Kritisieren, und trotzdem kaufen. Erklärungsversuch einer Doppelmoral.

Von Adrian Lobe  (Die Presse)

Erinnert sich noch jemand? Im Mai 2013 stürzte in Bangladesch eine Textilfabrik ein. Über 1000 Menschen starben. Die Bilder lösten Entsetzen aus, die Empörung war groß. Medien, Wirtschaft und Politik geißelten die katastrophalen Arbeitsbedingungen: Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen und die Arbeitsplatzverhältnisse verbessert werden, war der einhellige Tenor. Große Modeketten wie H&M, Benetton und Zara, die in Bangladesch und anderen Billiglohnländern in großem Stil produzieren, wurden an den Pranger gestellt.

Ein Jahr später ist man wieder am Ausgangspunkt angelangt. Vom moralischen Furor ist wenig geblieben, das Geschäft geht munter weiter. Die Leute kaufen eifrig bei den gebrandmarkten Kaufhausketten ein, das Etikett mit der Aufschrift „Made in Bangladesch“ wird ignoriert. Was zählt, ist der Preis.

Das T-Shirt ist kein Gebrauchsgegenstand mehr, den man über einen längeren Zeitraum trägt, sondern ein Einwegprodukt, das man einmal anzieht und dann in den Müll wirft. Wir gehen verschwenderisch mit Ressourcen um.

Die modernen Sklaven in der Dritten Welt, die oft nicht mehr als einen US-Dollar am Tag verdienen und in erbärmlichen Behausungen leben, müssen für den Überflusskonsum in den Industrienationen schuften. Die Frage ist: Wie lange können wir uns diesen Lebensstil noch leisten? Wie viele Fabriken müssen noch einstürzen, ehe ein Umdenken einsetzt?

Komplizen der Textilindustrie

Die Gutmenschen im Westen, die gern Menschenrechte einfordern und sich in Krisengebieten zum moralischen Scharfrichter aufschwingen, werden zu Komplizen der Textilindustrie. Eine Doppelmoral und üble Heuchelei: Wir zeigen mit dem Finger auf böse Modeketten und Ausbeuter, kaufen aber ihre Produkte – und unterstützen damit dieses Treiben. Wir finden es irgendwie „cool“, ein iPhone in den Händen zu halten, das eine glatte Oberfläche hat, sich perfekt an den Nutzer anschmiegt, wollen aber nicht einsehen, dass an den seltenen Erden oftmals Blut klebt. Wir sehen das Produkt, aber nicht die Leute, die es produzieren.

Fair Trade ist nur eine Nische

Auf modisch gefärbten Jeans erkennt man keine Schweißperlen. Und man sieht auch nicht die verklebten Lungen chinesischer Arbeiter, die Jeanshosen mit einem Giftcocktail aus Chemikalien bearbeiten, damit diese den gewünschten Vintage-Look bekommen.

Natürlich empfinden wir es als himmelschreiende Ungerechtigkeit, wenn wir in den Abendnachrichten die Arbeitsbedingungen in den Fabriken sehen. Trotzdem gehen wir am nächsten Tag ins Modegeschäft, eben weil es billig ist. Der Homo oeconomicus wägt zwischen Preis und Konsumwert ab. Die Moral ist nicht eingepreist.

Es gibt die Kritiker von Attac und Greenpeace an diesem Geschäftsgebaren. Doch Nichtregierungsorganisationen können dem System nur schwerlich etwas entgegensetzen. Fair Trade ist nur eine Nische. Die Macht der Verbraucher ist die Ohnmacht der Arbeiter.

Ist der mediale Scheinwerfer weg, gerät die Misere in Vergessenheit. Die moderne Konsumgesellschaft ist nicht nur eine Wegwerfgesellschaft, sondern auch eine Wegschaugesellschaft. Wir sehen verschämt weg oder setzen Betroffenheitsminen auf, wenn wir mit der Armut konfrontiert werden.

Wir ergehen uns in Empörungsexerzitien, fordern vehement ein Ende der Ausbeutung, mehr Gerechtigkeit und Fairness. Doch mit unserem Kaufverhalten konterkarieren wir eben unsere wohlfeilen Intentionen. Wir werden die Welt nicht retten. Aber wir sollten unsere hehren Motive nicht an der Kaufhauskasse vergessen.

Adrian Lobe (geb. 1988) studierte Politik- und Rechtswissenschaft in Tübingen und arbeitet als freier Journalist für diverse Medien.

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Kambodscha, KiK und kotzen wollen

Es ist zwar schon spät, aber ich muss mir das jetzt von der Seele schreiben. Ich find es so unendlich traurig, dass diese Nachrichtenmeldungen derzeit kein Ende nehmen (und gleichzeitig freu ich mich, dass es Nachrichtenmeldungen sind, dass es inzwischen so einen Nachrichten wert hat, dass wir hier in Österreich und Deutschland davon erfahren).

Es gibt wieder Streiks und Demonstrationen von TextilarbeiterInnen. Diesmal in Kambodscha. Auch dort wird um eine signifikante Erhöhung der Mindestlöhne gekämpft, da die aktuellen Löhne im Textilbereich zum Leben einfach hinten und vorne nicht mehr reichen. Und das Militär ist gleich mal auf sie los gegangen – mit dem Argument, die Streikenden wollten „zur Zerstörung von Fabriksbesitz anstiften“. Stattdessen wurden die Streikenden zerstört – mit Messern, Kalaschnikows, Steinschleudern und Schlagstöcken. Echt, da fehlt nur noch Tränengas in der Liste. Zum Kotzen. Da kämpfen welche FRIEDLICH um ihr MENSCHENRECHT (das Recht auf einen Existenzlohn steht in der Menschenrechtscharta) – und werden dafür verprügelt und verhaftet.

Wenn nicht das schon arg genug wäre: Die Menschen kämpfen um 160 Euro im Monat. Gut, momentan ist hier alles voll mit Ausverkaufsangeboten, aber die „Vorher“-Preise bei Turnschuhen zB. kommen doch manchmal dort hin, preistechnisch gesehen. Die hier, zum Beispiel, oder die hier. Und: Diese Schuhe werden im Kambodscha genäht. Also. Ein Paar Schuhe von zig, die ein Arbeiter pro Tag zumindest in Teilen zusammennäht. Und er kriegt nichtmal 160 Euro im Monat dafür.

Ja, der Lebensstandard in Kambodscha ist ein anderer. Im Gegensatz zu hier kann man dort wahrscheinlich von 160 Euro im Monat halbwegs leben (bevor ich das jetzt hier um die Ohren gehaut krieg: Nein, ich glaube nicht, dass man hier mit 160 Euro leben kann. Nicht, wenn man Miete zahlen muss.). Aber allein schon darum kämpfen zu müssen, mit der Gefahr, entweder verprügelt, verhaftet oder gleich versehentlich umgebracht zu werden, kann sich das hier bitte mal jemand vorstellen? Wir ÖsterreicherInnen haben ja nichtmal die Donnerstagsdemos konsequent durchgehalten, und wenn der VGT auf der Mariahilferstraße demonstriert, sind da mehr Einsatzwagen als Demonstranten anwesend – und gemeinsam spazieren diese gemütlich die Mahü runter…. 

Gleichzeitig mit den Unruhen hat der Chef der Tengelmanngruppe (wo KiK dazugehört) ein Interview gegeben. Ganz ehrlich, das liest sich so derartig scheinheilig und verlogen, dass mir schlecht wurde beim Lesen. Ich zitiere ORF.at:

Die Bekenntnisse westlicher Billigmodeketten zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen sind jedenfalls kaum mehr als schöne Worte. Erst am Donnerstag verteidigte der Handelskonzern Tengelmann, zu dem der Textildiskonter Kik gehört, die Produktion von Kleidung in Bangladesch. „Ich wehre mich dagegen, dass es aufgrund niedriger Preise automatisch zu schlechten Produktionsbedingungen kommen muss“, sagte Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub gegenüber der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ („WAZ“).

In den Fabriken werde nicht nur für Kik, sondern auch für Markenfirmen genäht, argumentierte Haub. Er erklärte, der Tengelmann-Konzern habe „in den letzten Jahren begonnen, allein und aus eigener Kraft einige Verbesserungen in den Produktionsländern auf die Beine zu stellen. Das ist uns aber nicht mit großem durchschlagendem Erfolg gelungen“. Mit Blick auf die jüngsten Fabrikskatastrophen fügte er hinzu, es sei sehr traurig, dass sich die produzierenden Unternehmen erst dadurch zusammengetan hätten.

Hallo? Es ist in SEINER (Mit-)Verantwortung, solche Katastrophen zu verhindern! Danach sagen: Hui, wie traurig, dass erst danach was passiert, aber leider, vorher hatten wir nicht den „durchschlagenden Erfolg“, weil wir halt doch nicht zu viel Gewinn einbüßen wollten….. ich mag solche Menschen nicht. Punkt.

Im Standard kommentiert Julia Herrnböck die aktuellen Entwicklungen in Kambodscha, und für diesen Absatz könnte ich sie abbusseln, sie hat einfach durch und durch recht:

Mit dem gleichen Druck sollten wir Konsumenten auch auf Gewalt und Repression reagieren, mit der Löhne unter dem Existenzminium erzwungen werden. Und wenn sich die Konsumenten ihrer Rolle bewusst werden und ein paar alte Einkaufsgewohnheiten überdenken, könnte sich noch mehr zum Besseren wenden.

Wenn die Unternehmenschefs schon keine große Intention zeigen, etwas zu ändern, dann sollten wir KonsumentInnen es endlich tun. Ich sags in jedem Interview im Moment, und ich werds auch in jedem noch folgenden sagen: Mit jedem Einkauf, mit jeder Konsumtätigkeit setzen wir eine politische Handlung.

Echt jetzt, buddhistische Mönche verprügeln. Das ist ja wohl das Letzte. So ganz nebenbei.

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Spaß beim bunten Spanier??!

Ich liebe da Bild.de. Mein tägliches Nachrichtenprogramm am Morgen beginnt mit derstandard.at und orf.at, geht dann manchmal noch kurz zu Spiegel.de, und auf alle Fälle aber noch zu Bild.de. Einfach, weil ich mir immer wieder denk: Das gibts doch einfach nicht. Das ist doch wirklich noch ärger als die Kronenzeitung. Heute durfte ich folgenden Artikel lesen: Ausziehen für Desigual. Die Aktion kennt man seit Jahren vom bunten Spanier: Nackert, optimalerweise im tiefsten Winter, vor der Filiale warten, drinnen darf man sich dann ein Oberteil- und ein Unterteil behalten. Mei. PR-Aktion halt.

Nur heute muss ich mal wirklich den Zeigefinger erheben, die Moralkeule auspacken und wasweißichnoch alles. Der Satz der PR-Beraterin nach der Feststellung, dass so eine Aktion den bunten Spanier 25.000 Euro kostet, blieb mir nämlich im Hals stecken: „Spaß lassen wir uns gern was kosten.“

Also erstens: Weiterlesen

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Die Weihnachtsgeschichte aus Dhaka

Na, auch schon alle ganz harmoniebesoffen und vollgefressen mit Keksen? Mir gings gestern so, Weihnachten mit der ganzen Familie, alle Nichten (unterm Badezimmerwaschbecken versteckt leise über einem Weihnachtsgeschenk vertieft) und Neffen (ohrenbetäubend laut die großelterliche Wohnungseinrichtung demolierend). Und die Kekse standen uns bei den Ohren raus.

Heute hab ich mich durch Nachrichten lesen wieder in die Realität geholt. Dankenswerterweise – und da freu ich mich wirklich drüber! – berichtet ORF.at heute riesengroß über Bangladesch. Es ist nämlich so: Von den über 1300 Toten sind bei weitem nicht alle identifiziert worden (und die, die es wurden, oft falsch, also der falschen Familie übergeben). Hunderte sind anonym begraben, einige liegen immer noch unter den Trümmern von Rana Plaza. Und während andernorts über Entschädigungszahlungen diskutiert wird und einige Firmen sagen: „Wir zahlen ja eh!“, stellt sich die Frage: „Aber an wen?“. Es bekommen nur die Familien Entschädigungen, die einen Totenschein vorweisen können. Was soviel heißt wie: Ziemlich viele schaun durch die Finger. Und posthum DNA-Proben ziehen usw…. vergiss es. In diesem Millionen-Moloch namens Dhaka gibts genau ein kleines Labor, das das kann.

Hier gehts zur ganzen Geschichte, die nicht viel Hoffnung macht.

Frohe Weihnachten.

Tschulligung fürs Laune versauen. Nachher gibts eh wieder Oh Tannenbaum-die Oma sitzt im Kofferraum-Stimmung…

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Hypnose und Video

Sooodale, der erste Weihnachtswahnsinn ist vorbei (und ich bin eine Kuh, aber dazu ein anderes Mal… war keiner meiner großen Momente), und ich komm grad beim gemütlichen Surfen im Netz drauf, dass ich was vergessen hab! Ich hab dem Herren Markus von Greenality nämlich mal versprochen, das da zu posten:

Und jeeetzt grad passts noch, ich gratulier ihnen zum gelungenen Video! Greenality, das sind übrigens die, die folgendermaßen auf der WearFair für ihren Stand geworben haben:

2013-09-28 11.57.04

Nein, jetzt ernsthaft, Greenality sind ziemlich lässig. Haben durch und durch faire Streetwear (und bio!), und vor allem hab ich das Gefühl, die haben immer gute Laune. Eine Marke, bei der ich immer grinsen muss – und denen ich ganz viel Erfolg 2014 wünsch, noch viel mehr als bisher!

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Bangladesch – mal wieder ein Trauerspiel

Gestern war mal wieder Bangladesch überall in den Medien. Ich zitiere hier mal die TAZ – und leider, mit jeder Zeile, die ich las, hatte ich noch mehr das Gefühl, dass das leider nix bringen wird. Die Hauptverdächtigen untergetaucht, einfach futsch. Toll. Oh du Fröhliche.

Tödlicher Fabrikbrand in Bangladesch

Anklage in Abwesenheit

In Bangladesch ist ein Jahr nach einem Fabrikbrand mit 112 Toten Anklage gegen die Besitzer erhoben worden. Doch die sind längst verschwunden.

Ausgebranntes Treppenhaus: Feuerwehrleute bergen eine Leiche aus dem Tazreen Fabrikgebäude (November 2012).  Bild: dpa

BERLIN taz/afp | Mehr als ein Jahr nach einem verheerenden Brand in einer Textilfabrik in Bangladesch ist Anklage gegen die Besitzer erhoben worden. Unter den Angeklagten sind das Besitzer-Ehepaar, Delwar Hossain und Mahmuda Akhter, die allerdings seit dem Brand verschwunden sind. Außerdem werden elf Wachleute und Manager sich ebenfalls wegen fahrlässiger Tötung verantworten müssen. Von ihnen wurden sieben festgenommen, von den anderen fehlt ebenfalls jede Spur.

Bei dem Brand in der Textilfabrik Tazreen Fashions in einem Vorort der Hauptstadt Dhaka waren im November vergangenen Jahres 112 Menschen gestorben, die meisten von ihnen Frauen. Die Fabrik hatte unter anderem für die Bekleidungskette C&A, die US-Supermarktkette Walmart und den deutschen Discounter Kik produziert.

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Die Überlebenden berichteten, dass Aufseher den Feueralarm zunächst als Übung abgetan hatten und Fluchtwege verschlossen gewesen waren. Viele sprangen aus dem Fenster, um sich zu retten. Die Ermittlungen zeigten später, dass es für das neunstöckige Gebäude nur eine Genehmigung für drei Etagen gegeben hatte.

Arbeitsbedingungen in Textilfabriken Bangladeschs sind berüchtigt, regelmäßig gibt es Brände. Fünf Monate nach dem Brand bei Tazreen Fashions stürzte zudem das Fabrikgebäude Rana Plaza ein. Dabei starben mehr als 1100 Menschen, mehr als doppelt so viele wurden verletzt. Viele konnten nur mit Notamputationen aus den Trümmern geborgen werden. Unter dem öffentlichen Druck unterzeichneten zahlreiche Bekleidungsfirmen ein Abkommen für Gebäudesicherheit und Brandschutz in den Fabriken. Gewerkschafter hatten ein solches Abkommen schon seit mehreren Jahren gefordert.

Bangladesch ist nach China der zweitgrößte Produzent von Textilien weltweit. Die Branche beschäftigt fast vier Millionen Menschen, überwiegend Frauen. Die Fabriken produzieren rund 80 Prozent aller Exporte des Landes. Zu unsicheren Fabriken kommen besonders ausbeuterische Arbeitsbedingungen: Den Arbeitern wird einer der niedrigsten Löhne der Welt gezahlt, sie werden regelmäßig zu 14-stündigen Schichten verpflichtet und haben meist nur zwei Tage im Monat frei.

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Scheinheilig im Niederdörfli

Heute hab ich mir selbst mal wieder meine eigene Scheinheiligkeit in Gesicht gerieben. Vor – ogottogottogott – über zehn Jahren habe ich in Zürich studiert. Zehn Jahre. Heilige Scheiße, fühl ich mich grad alt. Aber egal.

Heute also war ich in Zürich. Hatte nach Ankunft am Bahnhof etwas Zeit und beschloss, zu Fuß zu meiner Verabredung weit hinten im Seefeld zu gehen, durchs Niederdörfli. Für Zürich-nicht-Kenner: Das Niederdörfli (und das Oberdörfli, um ganz korrekt zu sein) ist die Altstadt von Zürich. Kleine, enge, teilweise recht steile Gassen, Kopfsteinpflaster, Fußgängerzone. Und ein Geschäft neben dem anderen. Auch hier haben bekannte Marken wie Vero Moda oder Desigual mit eigenen Stores Einzug gehalten, auch Liebeskind leistet sich eine Filiale. Kleine Boutiquen, die keinen großen Handelsketten angehörten, sind spürbar weniger geworden (wenn auch immer noch da, was viel Charme ausmacht).

Beim Durchspazieren war ich erschrocken. „So viele neue Fetzenläden! Die gabs damals noch nicht, jedenfalls noch nicht soooo viele!“, dachte ich. Früher waren da zwar auch schon viele Modeläden, aber es sind in den letzten Jahren sicher signifikant mehr geworden (mein heißgeliebtes Musik-Second-Hand-Geschäft gibts noch, aber leider wars geschlossen)…

Am „Ende“ des Dörflis musste ich mich dann selbst kurz schimpfen. Noch vor drei Jahren, als ich das letzte Mal da war, war der Gang durchs Niederdörfli noch massiv verführerisch für mich. Und ich hätte mich gefreut über die neuen Filialen. So schauts nämlich aus. Ich brauch da jetzt gar nicht so scheinheilig auf „Ogott, der böse böse Konsum“ tun, ich kenn das ja nur zu gut, dieses Gefühl des Bummelns und sich-einlullen-Lassens von  bunten Auslagen und Angebotsständern.

Ich versuch, mich selbst nicht allzu ernst zu nehmen. Ich hab ein Jahr nix gekauft, das ist jetzt keine Wahnsinnsleistung, aber ich hab viel draus gelernt – und das hat viel Spaß gemacht. Bitte, nehmts mich auch nicht immer zu ernst, wenn ich einen auf Konsummoralapostel mache – ich kanns wirklich gut nachempfinden, wenn man nicht von jetzt auf gleich das Einkaufsverhalten umstellen kann (ich hab ja auch ein Jahr Auszeit dazwischen gebraucht und mich so quasi selbst ins Leo gestellt), die Verführungen lauern schließlich überall. Also Moment, ernstnehmen darf man meine Konsumkritik schon, aber bitte immer im Hinterkopf haben: „Die kennt auch die andere Seite.“

Apropos Verführungen, ich werde jetzt mal geschwätzig (wenn das mal keine schöne Überleitung zur neuesten Buchkritik ist): Für die Heimfahrt Richtung Lieblingsfamilie (etwa eine Stunde) hatte ich aufs Lesematerial vergessen. Und mir im Buchladen am Bahnhof ein Buch gekauft, den letzten Glattauer nämlich. Gut, ist mir schon klar, der ist Österreicher, das Buch wird wohl in Österreich spielen. Aber dass das Geschäft der Hauptperson anscheinend bei mir um die Ecke angesiedelt ist und ich haargenau weiß, welches er mit dem (namentlich entfremdeten) Cafe in der Märzsstraße meint, das war dann doch wieder sehr lustig, so mitten im Zug in der Schweiz…

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12.000

Ich verbringe gerade wunderbare, shoppingfreie 😉 Tage in der Schweiz sowie in Frankreich. Es ist herrlich, einfach mal nicht nachzudenken, und es stattdessen zu genießen, dass da, wo ich bin, so ziemlich jede Katze, die mir auf der Straße entgegenkommt, ein Extremschmusi ist. Dass es eigentlich nicht mehr zum Zufriedensein braucht als einen Kamin, ausreichend Holz und ein gemütliches Sofa davor. Dass die Familie, die ich seit 11 Jahren regelmäßig besuche, mit all ihren Ups und Downs für mich immer noch ein Heile-Welt-Vorbild ist. Hach, es ist fein. Trotz deftiger Verkühlung und beleidigtem Ellenbogen (Mitleid bitte, ich hasse meine Schleimbeutel…und damit sind wirklich körpereigene Teile gemeint, nicht irgendwelche Leute…)

Einfach nicht nachdenken? Nein, geht nicht, ich schaffs einfach nicht. Könnte daran liegen, dass ich immer noch To Die For von Lucy Siegle lese….

Ich bin zwar schon ein ganzes Stück weiter, im Kopf hängengeblieben ist mir jedoch eine Zahl aus den ersten Seiten des Buchs: 12.000.

„(…) In fact, even if the tentative shoppers were to come back next week the pieces wouldn’t be there. That was not the Zara way. The Zara way – the one that broke all previous rules – had several defining characteristics, but number one (and sacrosanct) was that the Spanish retailer manufactured only relatively tiny quantities of each style. This sounds a small deal, but effectively it turned fashion retail on its head. Instead of focusing on quantity, Zara’s cadre of around two hundred designers in Spain come up with around 40.000 new designs each year, of which 12.000 are actually produced (that’s 5.000 more than TopShop).“

Zwölftausend Designs, von der Haarklammer bis zum High Heel. Unglaublich. 12.000!!!

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