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14 Tipps für die Revolution im Kleiderschrank

Heute schreib ich mal schamlos von Greenpeace.de ab und liefer euch mal eine Auflistung, die quasi eine Zusammenfassung dessen ist, was ich hier am Blog täglich so von mir gebe. Was ich ja super finde: Greenpeace arbeitet intensiv daran, weitere Unternehmen zum Umdenken und Entgiften ihrer Lieferkette zu bewegen. Aber gleichzeitig: Hey, alleine schaffen die das nicht, da ist auch Reaktion und Feedback der KonsumentInnen gefragt. Und die Tipps, die sie geben, sind auch die, die ich selbst gebe (und befolge). Textlich danke ich meinen deutschen KollegInnen von Greenpeace, ich habs an der einen oder anderen Stelle aber noch verösterreichischt.

1. Kaufen Sie Secondhand
Warum immer neu kaufen? Auf Flohmärkten, in Second-Läden, auf Onlineplattformen wie Kleiderkreisel oder bei Freunden bekommen Sie einzigartige Mode – häufig viel günstiger oder umsonst. Gehen Sie kreativ mit Ihrem Wunsch nach Veränderung um und kombinieren Sie neue mit alten Teilen.

2. Werden Sie Modeschöpfer/in
Was beeindruckt mehr als Selbstgemachtes? Lernen Sie häkeln, stricken, nähen oder siebdrucken! In vielen Städten bieten Modeläden, Volkshochschulen oder sogar Designer Workshops an. Do-It-Yourself-Anleitungen (DIY) finden Sie online, etwa bei YouTube. Ökofaire Stoffe oder Garne finden Sie auf einer der grünen Listen vom Grüne-Mode-Blog sowie hier.

3. Kaufen Sie grüne Mode
In Deutschland (Anm. und Österreich) sind in den letzten Jahren viele Eco Fashion Stores aus dem Boden geschossen, die sich gänzlich der grünen Philosophie verschrieben haben. Viele Designer und Modelabel arbeiten daran, Mode grüner zu machen und erzeugen so Druck auf globale Produktionsbedingungen. Häufig wird die Mode unter deutlich besseren Sozialstandards produziert, nicht selten zu vergleichbaren Preisen wie Markenkleidung. Gerade die kleinen Label sind oft doppelt gut und bieten Bio&Fair, Ökologie und Ethik im Doppelpack. (…)

4. Organisieren Sie eine Kleidertauschparty
Eine Kleidertauschparty macht großen Spaß und ist der kreativste und umweltfreundlichste Weg, Ihrem Kleiderschrank einen Frischekick zu verpassen, ohne einen Euro auszugeben! Eine Kleidertauschparty zu organisieren, ist ganz einfach. (…) Anm: Anleitungen für Tauschparties gibts hier (privat) und hier (öffentlich).

5. Kaufen Sie Klassiker und achten Sie auf Qualität
Investieren Sie in gute Qualität und Stücke, die Sie lieben. Manchmal hilft auch einmotten und abwarten. Bis jetzt ist noch jeder Trend wieder gekommen.
Drehen Sie die Kleidung von innen nach außen – sehen und fühlen Sie den Unterschied zwischen guter und schlechter Qualität. Hier darf man mal echt „materialistisch“ sein. Lieber liegen lassen, was so aussieht, als sei es mit der heißen Nadel genäht.

6. Reparieren
Wenn Sie Kleidungsstücke besitzen, die Sie nicht mehr tragen, weil sie einen neuen Reißverschluss brauchen oder der Hosenboden geflickt werden muss, versuchen Sie sie selbst zu reparieren. Wenn’s nicht klappt, können Sie sie immer noch zu einer Schneiderei um die Ecke bringen. Sie werden überrascht sein, wie viele es gibt und wie günstig die Reparatur häufig ist. Und wenn Sie schon dabei sind, können Sie die Kleidung auch gleich nach Ihrem Ideal umgestalten: neue Knöpfe, machen Sie aus einem Dress einen Rock, aus einer Jeans eine Shorts, usw. (…)

7. Misten Sie den Kleiderschrank aus
Misten Sie Ihren Kleiderschrank einmal gründlich aus. Was Sie nicht mehr tragen wollen, geben Sie einfach weiter. Dass die aussortierten Teile in die richtigen Hände geraten, garantiert das Zeichen von FairWertung. Eine gute Idee sind auch die Shops der Entwicklungsorganisation Oxfam (in Deutschland, in Österreich würde ich am ehesten die Caritas empfehlen), die alte Kleidung annehmen. Natürlich können Sie Ihre Sachen auch bei Ebay oder über den Kleiderkreisel verkaufen.

8. Waschen Sie umweltfreundlich
Eine große Auswirkung auf die Umwelt hat das Waschen von Kleidungsstücken. Darum sollte die Maschine ganz voll sein, wenn Sie sie anstellen. Nutzen Sie zudem die Sparfunktionen, hängen Ihre Wäsche auf statt einen Trockner zu verwenden. Bei den meisten Kleidungsstücken reicht die 30-Grad-Einstellung zur Reinigung.

9. Sagen Sie ja zu fairer Bezahlung
Greenpeace ist kein Spezialist für Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie, sondern für die Umweltschutz-Anstrengungen der Branche. Die „Kampagne für saubere Kleidung“ – Experten für solche ethischen Fragen – hat jüngst ein Firmenranking veröffentlicht, in dem sie die Firmen in puncto Zahlung existenzsichernder Löhne bewerten. Interessierte können sich dort ein Bild machen, wie 50 große Firmen im Vergleich abschneiden.

Greenpeace fordert, dass auch die sozialen Bedingungen der Textilarbeiter verbessert werden müssen. Umweltschutz und menschenwürdige Arbeitsbedingungen müssen Hand in Hand gehen. Die Textilfirmen sind dafür verantwortlich, beides zu garantieren.

10. Entscheiden Sie sich für Biobaumwolle
Baumwolle ist eine empfindliche Pflanze, für deren Anbau viel Dünger und Pestizide verwendet werden. Oft kommt sie als gentechnisch veränderte Sorte auf den Acker. Bio-Baumwolle ist eine gute Alternative. Wenn „Organic Cotton“ oder „Bio Cotton“ auf dem Etikett steht, sollte dort auch die Angabe 100 Prozent stehen.

11. Sprechen Sie Ihre Lieblingsmarke an
Sie haben eine Lieblingsmarke? Informieren Sie sich auf deren Webseite über ihre Umweltpolitik, insbesondere ihr Chemikalienmanagement. Sagen sie ihnen, dass Sie ihre Kleidung mögen, aber wünschen, dass sie mehr tun. Eines haben wir aus der Detox-Kampagne gelernt: Marken hören auf ihre Kunden!

12. Achten Sie auf Gütesiegel
Es ist nicht leicht, sich in dem Dschungel der Standards zu orientieren. Der Fashion Guide schafft Abhilfe.

13. Machen Sie bei Kampagnen mit
Reden Sie mit Ihren Freunden über die dunkle Wahrheit hinter dem schönen Fummel. Begeistern Sie sie für Kleidertausch, peppen Sie Ihre Kleidung auf oder gehen Sie zusammen in Second Hand-Läden. Gemeinsam macht alles mehr Spaß! Damit helfen Sie Greenpeace, die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren. Teilen Sie diesen Text auf Facebook und Twitter. Alles weitere zur Detox-Kampagne finden Sie hier

14. Kaufen Sie weniger, aber bewusster
Es geht nicht nur darum, was wir kaufen, sondern auch wie viel. Der Überdruss am Überfluss hat inzwischen auch das Thema Mode erreicht, obwohl hier das Lebensgefühl des schnellen Wandels verkauft wird. Bis zu 40 Prozent dessen, was im Schrank hängt, tragen wir selten oder nie. Konsumieren wir weiter in diesem Tempo, wird es schwer, den Planeten zu entlasten.

 

 

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Textile Logik ist nicht gleich textile Logik

Eine Leserin hat mir kürzlich diese Dokumentation von 3sat mit den Worten „Ich weiß primark steht für billig, aber es wird ja alles gleich hergestellt egal ob billig oder teuer. Ist das dann nicht ehrlicher bei den günstigen einzukaufen? Denn meiner Meinung nach ist das einzige was mit dem Preis steigt der Gewinn der Firmen“ auf meine Facebookseit gepostet. Zunächst mal: Ja, ich kann diesen Frust und diesen Gedankengang nachvollziehen. Dieses „Wenns doch eh genau gleich produziert ist, wieso sollt ich dann so deppert sein und das Teure kaufen, da fall ich doch nur aufs Marketing der Firmen rein“. Ich denk mir das manchmal bei verpackten Lebensmitteln oder Elektronika. Ich will telefonieren, brauch ein bissl Internet und will fotografieren. Ob mein Handy per Fingerabdruck entsperrt und ich es auch auf der Rückseite entsperren kann, dass ist mir doch bitte herzlich dulli. Da will ich nicht mehr bezahlen. Ist doch eh die gleiche Produktion.

Aber. Aaaaaaaaaaaaaber. Und ich werd wirklich immer noch nicht müd, das zu schreiben. Der Preis sagt NULL über die Produktionsweise aus. Da stimmt die Logik der Leserin soweit. Aber was ist denn die Konsequenz? Einfach sagen, dass wenns eh nichts bringt, kauf ich halt das für meine Börse leistbarste? Oder kann ich nicht doch überlegen: Moment, es ist doch absurd, dass die Produktionskosten eines Shirts sich im Centbereich bewegen, und dafür Arbeiterinnen leiden, nicht ausreichend bezahlt werden, vergiftet werden, und unsere Umwelt obendrein noch mehr als massivst belastet wird? Das alles in Ländern, die wir nichtmal im Urlaub besuchen würden, selbst wenn wirs gern exotisch und asiatisch mögen? Nein, bitte diese Müllberge wollen wir da nicht sehen, sondern lieber das Infinity-Pool mit Blick aufs Meer, und lieber einen Gin Tonic als einen White Russian, man weiß ja nie bei den Milchprodukten (jaaa, sorry, übertrieben formuliert, aber mir gehen Menschen, die es sich leisten KÖNNEN, und zwar mehr als nur das, aber sagen, sie finden ein Shirt für 15 Euro teuer, einfach massiv auf den Socken. Und damit meine ich NICHT die Leserin, die mich drauf hingewiesen hat, bevor die jetzt stinkesauer den Computer mitten im Lesen abdrehen will).

Also. Zurück zum Text. Wenn man wirklich verhindern will, dass Umwelt und Arbeiterinnen für die Produktion eines Shirts leiden, dann ist nicht der Preis das Kriterium, sondern die Produktionsweise. Gütesiegel wie GOTS oder Fairtrade, oder Produktion im eigenen Land (mit den entsprechenden Arbeitsgesetzen). Darauf muss man schauen. Und da sollte auch die Bepreisung eine ehrliche sein. Da zitiere ich immer wieder gerne die Manomama-Homepage, wo die klare Ansage steht: „Der Preis eines manomama-Textils ist das, was ihr bezahlen müsst, wenn ihr wollt, dass jeder in gleichen Teilen in der Wertschöpfungskette von seiner Arbeit leben kann. “

Ach ja, und Firmen, die so handeln, es aber nicht kommunizieren, wird es kaum geben. Warum? Weil die Sachen natürlich etwas teurer sind als bei Primark und Co., und um diesen Preisunterschied den KonsumentInnen klar zu machen, wird eben auch darauf hingewiesen. Auch das find ich nur fair  – den Traum von einer Welt, in der in der Produktion alles fair zugeht und wir davon ausgehen können, dass nix Böses passiert in der Lieferkette, den hab ich sowieso schon lang aufgegeben…

Optische Entdeckung auf der Meidlinger Hauptstraße. Was für ein Relikt. Eigentlich sollte man in diesem Zentrum ganz viele biofaire Produkte verkaufen :)

Optische Entdeckung auf der Meidlinger Hauptstraße. Was für ein Relikt. Eigentlich sollte man in diesem Zentrum ganz viele biofaire Produkte verkaufen 🙂

PS. Ja, und ich denke grad intensiv drüber nach, ob mein nächstes Handy zumindest mal ein Fairphone ist. Und ob meins noch so lang lebt, dass es bis zur Lieferung eines Fairphones hält 🙂

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86 Bigmacs in 38 Sekunden

Heute ist Samstag. Es ist schön, ich hab viel vor, und ich hab echt nur ausnahmsweise grad den Laptop aufgeklappt (ok, zugegeben, um mir eine Sockenkappenstrickanleitung anzuschauen, weil ich mich bei der im Buch nicht auskenn). Eigentlich wollt ich gar nicht bloggen. Aber ich bin gestern über eine Homepage gestoplert, die ich mit euch teilen muss: Konsum in Deutschland in Echtzeit.

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Vom Weltschmerz zum Kulturschock

Zugegeben, es hat mir gut getan, mir da gestern die Überforderung von der Seele schreiben zu können. Wie viele Leute mir da zugestimmt haben, hat mich fast erschreckt – und mich dazu gebracht, meine Motivation wieder zu finden. Was bringt es uns, uns gegenseitig zu bestätigen, dass alles scheiße ist und die Welt sowieso bald untergehen wird? Mein Bruder hat schon recht: Dieser Blog hat eine gewaltige Reichweite erreicht, genauso wie das Buch in meinen Augen echt eingeschlagen hat, weitaus mehr, als ich mir das jemals gedacht habe. Und ich habe Menschen dazu gebracht, umzudenken und ihr Einkaufsverhalten mal kritisch zu betrachten. Eine Tatsache, die ich immer noch unglaublich finde.

Na gut, dann mach ich halt weiter damit, euch immer wieder zu erzählen, wie wichtig es ist, ökologisch und fair zu konsumieren, zu tauschen, selbst zu produzieren, und euch außerdem zu vermitteln, wie viel Spaß das machen kann. Gern. Das Thema hat sich so sehr zu meinem persönlichen roten Faden entwickelt, dass ich eh nimmer anders kann. Damit trage ich meinen Teil dazu bei, dass sich im Kleinen doch was bewegt. Denn wenn alle Kleinen sagen, sie können ja eh nix tun, dann wird sich auch nix ändern.

Apropos Kleine. Bei dieser Kleinen würd ich mir wohl dennoch die Zähne ausbeißen. 12 Jahre alt, Shopaholic, 300 Pfund (knappe 380 Euro) Taschengeld. Pro WOCHE.

Screenshot (c) Metro.co.uk, Copyrightangabe unter dem Foto: (c) Channel 5

Screenshot (c) Metro.co.uk, Copyrightangabe unter dem Foto: (c) Channel 5

Ich hab grad versucht, in mich reinzuhorchen, um draufzukommen, was mich am wirklich dran stört? Ist es Neid, weil die Kleine in fünf Wochen mehr Geld ausgeben kann, als ich verdiene (jetzt fangts grad zum Rechnen an, oder? 🙂 ). Nein. Wirklich nicht. Ist es dieses nagende Gefühl, das ich seit der zynischen und trockenen Aussage einer Verwandten („Hochkulturen gehen unter. War schon immer so.“) nicht mehr los lässt? Naja, vielleicht. Was es ganz sicher ist: Stinkende, rauchende Wut auf Eltern dieses Kindes. Die Kleine tut mir eigentlich nur leid.

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Verschiedenste Webtipps

Nachdem mich eine Gastroskopie samt Wuggiwuggisein plus Magenschmerzen danach grad recht lahm legt, heut nur mal ein schneller Überblick an aktuell spannenden Links:

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Wir haben das Recht, nachzufragen

Mein erstes im Büro gelesenes Mail heute Früh hat mir schon mal gründlich die Laune versaut:

Ein Video, das uns zeigt: Giftige Chemikalien sind überall drin. Und: Wir haben ein Recht als Konsumenten, danach zu fragen.
Ein Video, das jetzt auf den ersten Blick nicht wirklich „böse“ wirkt. Und nicht wirklich skandalös. Das uns lediglich daran erinnert: Hey, wir haben das Recht, nachzufragen. Wir DÜRFEN das.

Und jetzt kommt der Oberschmäh: Die Interessensvertretung der Chemischen Industrie (a.k.a. „die Lobbyisten“) will das Video unbedingt entfernt haben, es ist in ihren Augen „nicht ausgeglichen, irreführend und alarmierend„. Und ich frag mich: Wo ist etwas unausgeglichen, wenn gesagt wird, dass in jedem Produkt Chemikalien drin sind? Stimmt doch? Und wieso ist es alarmierend, wenn KonsumentInnen auf ihre Rechte hingewiesen werden? Das Recht nachzufragen ist festgeschrieben in der EU-Chemikalienverordnung REACH.

Ich hab das ganze grad zufällig erfahren, und ich werde gerade das bittere Gefühl nicht los, dass das wirklich nur die Spitze des Eisbergs ist. Und damit sich die chemische Industrie da nicht durchsetzt (und ergo eigentlich KonsumentInnen in ihren Rechten beschneidet), bitte teilt das Video, twittert diese Statusmeldung, und noch besser: Fragt nach. Schon klar, die Kassiererin im dm wird jetzt vielleicht nicht zwingend über Parabene oder Mikroplastik Bescheid wissen, aber so die eine oder andere Nachricht an die Zentrale wär doch schon mal was wert!

PS: Also das neue Greenpeace-Video find ich um einiges aufrührender, und außerdem so toll, dass ichs schon wieder teilen muss (nach meinen x-mal auf Facebook). Aber Achtung, üble Ohrwurmgefahr:

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Dumpster Divas?

Ok, ich bin grad ungeduldig und brauch euch. In Sarah Schills Buch, das ich heut vormittag fertiggelesen hab, bin ich über den Ausdruck „Dumpster Divas“ gestolpert. Dumpstern ist euch ein Begriff? Dumpster sind jene, die in den Mülltonnen von Supermärkten nach noch Essbarem suchen – und das ist ziemlich viel. Es gibt sogar eine ganze Koch-Community, die sich dem Verarbeiten von Lebensmitteln, die aus dem Müll stammen, verschrieben, haben: Die Wastecooker. Ich durfte die mal auf der WearFair bewundern (und kosten) und bin echt begeistert – ich finds ja grundsätzlich echt saublöd, dass erstens anscheinend nur noch Obst und Gemüse gekauft wird, das flecken-, beulen- und sonstigemerkmalsfrei ist, die nicht dem Standard entsprechen, und zweitens man am Samstagnachmittag in den Supermärkten meistens noch volle Obst- und Gemüseregale findet. Das ist doch absurd, oder? Beim Brot denk ich mir das auch oft. Irgendwo hab ich mal gehört, dass man mit der Menge an Brot, die in Wien täglich (!) weggeschmissen wird, weil der Anspruch besteht, um fünf vor Ladenschluss noch das volle Sortiment vorzufinden, der Menge an Brot entspricht, mit der man Graz täglich vollversorgen könnte. Pervers!!

(c) steffen thomä - License: Public Domain Dedication (You can copy, modify, distribute and perform the work, even for commercial purposes, all without asking permission.)

(c) steffen thomä – License: Public Domain Dedication (You can copy, modify, distribute and perform the work, even for commercial purposes, all without asking permission.)

Aber zurück zur Mode – Schill schreibt in einem kurzen Nebensatz von den Dumpster Divas, die ihre Kleidung aus dem Müll beziehen. Das finde ich schon wirklich sehr spannend – und schwierig umsetzbar in unseren Breitengraden. Oder bin ich da gerade zu naiv? Ich denke und hoffe, dass noch brauchbare Kleidung zumindest in die bekannten Tonnen, sei es Humana (von denen ich wenig halte) oder die Caritas (von der ich etwas mehr halte), geworfen wird und nur wirklich Hiniges im Müll landet. Für die USA mit diesem Wahnsinnsturbokapitalismus kann ichs mir jedoch schon vorstellen. Aber hier? Glaubt ihr, dass das machbar ist?

Ich habe auch im Netz recherchiert, bin aber nicht wirklich fündig geworden. Gefunden habe ich das Dumpster Diva Collective, denen es aber anscheinend auch oder mehr um Vintage und Second Hand geht. Ansonsten hat alles, was mit Dumpster Diva zu tun hat, mehr mit aufgemotzten Möbeln zu tun. Ich geb aber auch zu: Ich hab heut nicht den Nerv, mich lang in was reinzurecherchieren. Nach diesem Blogbeitrag ist heute computerfrei. Sachdienliche Hinweise sind willkommen! Und falls wer Erfahrung mit Lebensmitteldumpstern hat: Sind euch auch schon mal Kleiderdumpster untergekommen? Sie wären mir interviewtechnisch herzlichst willkommen!

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Mein pinkfarbenes Gegenteil

Ich hab sie gefunden. Mein Gegenteil. Die Frau ist alles, wovor es mich gruselt. Hab mir trotzdem einige Videos von ihr anschauen müssen, und danach hatte ich jedesmal den Wunsch, in den Wald zu gehen und einen Baum zu umarmen. Oh. my. God. Aber seht selbst. Haltet mich für naiv, aber ich bin echt überrascht, dass es solche Menschen gibt – die Shopping so derartig an die Spitze treiben. Die Frau schiebt echt eine Meldung nach der anderen, bei der es mir die Kinnlade runtergehaut hat. Irgendwie steht sie für mich für den Turbokapitalismus dieser Welt: Shoppenshoppenshoppen, und „Schönheit“ künstlich an die Spitze treiben, weil Natürlichkeit inzwischen ja auch nur noch als schön gilt, wenn sie mit „natürlichem Make up“ unterstützt ist. Traurig, eigentlich. Und so erschreckend. Sollte jemand in ihrem Videokanal weiterklicken und weitere Videos anschauen: Sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt. Einiges scheint ins Ironische gehen, aber zu wirklicher Satire halte ich sie nicht fähig. Und übrigens unfassbar, was sie für Zuschauerzahlen hat…

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Liebe Deutsche: Fair bleiben – fair werden!

Was war denn das gestern bitte? Das fünfte Tor habe ich nicht mitbekommen, obwohl ich vor der Glotze saß, unfassbar. Und ja, es war fair, dass die Deutschen gewonnen haben. Ausgestattet werden die Deutschen von dem deutschen Unternehmen Adidas – die kürzlich eingewilligt haben, 99 Prozent ihrer Produkte PFC-frei zu produzieren. Soweit, soviel Ökologie, aber: Fair? Naja. Es gibt zwar Verbesserungen, aber der Weg ist noch sehr weit.

Was mich manchmal beschäftigt: Welches Bild haben jene, die an der Situation in der Textilindustrie interessiert sind, eigentlich von den ArbeiterInnen in den Billiglohnländern? Viele stellen sich ja dabei Frauen vor, die nicht schreiben können, zum Arbeiten in die Stadt geschickt werden und ihr Leben zwischen Arbeit (viel) und Schlafen im Slum (wenig) verbringen. In einigen Fällen liegt das wahrscheinlich nicht gar nicht so weit weg, aber es ist eben nicht das gesamte Bild.

(c) Labour behind the label

(c) Labour behind the label

Die NGO „Labour behind the Label“ hat etwas gemacht, was ich mir seit langer Zeit wünsche: Sie lässt ArbeiterInnen bloggen. Zum Beispiel Sokhan:

Ich heiße Sokhan Chroeng, ich bin 27 Jahre alt und wurde nach meinem Großvater benannt. Der Name bedeutet “Süßer Nachtisch”. Ich bin in einem Dorf in ländlicher Umgebung in der Kandal Provinz aufgewachsen, so wie viele Kambodschaner. (…) Sechs Tage die Woche stehe ich um 5.30h auf, dusche, frühstücke und mache mich auf den Weg zur Arbeit um 7.00h in die Bowker Factory.Ich arbeite bis um 16.00h, wenn wir nicht gerade eine enge Deadline vor uns haben. Aber wenn Überstunden anstehen, bin ich nicht vor 18.00h fertig. Mein Job ist das Schneiden der Stoffe für Tops und Hosen, meine Abteilung ist eine von vielen. Sobald ich mit dem Schneiden der Stoffe fertig bin, werden diese weiter zum Nähen gebracht und landen dann schließlich in der Endbearbeitung, bevor sie an die Geschäfte in Großbritannien, Europa und Amerika gehen. Die Arbeit ist sehr schwer. Ich verdiene nicht genug, um angemessen zu überleben und stehe ständig unter Druck. Auch wenn die Arbeit offiziell um 16.00h endet, machen wir oft Überstunden und obwohl die ja eigentlich optional sind, bekommst du eine ernst gemeinte Warnung, wenn du nicht kannst; und wenn du öfter als ein paar mal ablehnst, verlierst du den Job. Wenn ich krank bin, brauche ich ein Attest vom Arzt, um entschuldigt fehlen zu können und es gibt keine Garantie, dass man ein Attest bekommt. Wenn es nur für zwei Tage ausgestellt ist, dann muss man danach auf jeden Fall wieder zur Arbeit gehen, unabhängig davon, wie krank man eigentlich noch ist.

Sokhans Geschichte kann man hier weiterlesen.

Sehr spannend auch die von Van Piseth:

Bei New Orient machen wir T-Shirts und Jacken für Adidas. Es gibt viele Abteilungen mit unterschiedlichen Arbeitsschritten wie Schneiden, Nähen, Endbearbeitung, Verpackung und Lagerung. Damit mache ich ca. 140 Euro im Monat. Um mein Einkommen aufzubessern, musste ich zusätzlich noch ein kleines Gewerbe aufziehen. Die Gewinne variieren stark, aber die laufenden Kosten sind sehr hoch. So gebe ich zum Beispiel alleine für Kommunikation im Monat ungefähr 45 Euro aus. Die Schule für meine Tochter ist auch teuer und wir müssen die Miete zusammen bekommen und genug zu essen haben. Wir Arbeiter und Arbeiterinnen haben nie genug Geld, um davon gut zu leben. In der Fabrik habe ich viele Freunde. Die Arbeiterinnen und Arbeiter werden in Produktionslinien aufgeteilt und es ist schwierig für uns, mit allen zusammen zu sein, weil es nicht erlaubt ist, die Produktionslinien zu verlassen. Aber innerhalb unserer Reihen sind wir eng beieinander. Wir machen untereinander Witze und ich mag meine Kolleginnen und Kollegen, weil wir sehr ehrlich und direkt zueinander sind.

Die ganze Geschichte von Van Piseth und seiner Familie steht hier.

Und auch Sarin berichtet aus ihrem Leben:

Ich bin bis zur 7. Klasse zur Schule gegangen, das ist hier noch eine Klasse nach der Grundschule. Meine Eltern waren Bauern und ich brach die Schule ab, um bei ihnen mitzuarbeiten. Ich half ihnen in den Reisfeldern, bis ich 19 Jahre alt war. Mit 19 heiratete ich meinen Mann und zog zu ihm und seiner Familie nach Phnom Penh. Als ich 20 war, kam unser Sohn auf die Welt. Unsere Tochter kam ein paar Jahre später. Als sie drei Jahre alt war, begann ich als Hilfsarbeiterin auf Baustellen zu arbeiten. Später fand ich Arbeit als Strickerin, am Schluss landete ich in einer Textilfabrik. Ich bin jetzt seit mehr als 10 Jahren in Phnom Penh. Es hat sich in der Zeit nicht viel verändert, außer dass das Leben irgendwie immer schwieriger wird. Die Mieten sind angestiegen, das Studium meiner beiden Kinder – jetzt 22 und 18 Jahre alt- ist eine finanzielle Belastung.

Sarins Erzählungen aus der Schuhfabrik, in der regelmäßig die Leute wegen der chemischen Dämpfe umkippen: Hier.

Der Grund dieser Initiative: Adidas soll bitte Living Wages bezahlen. Da bin ich dafür, aber sowas von. Ihr auch?

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Warum ich Primark schlimmer finde als den Rest

Primark hin, Primark her, sobald ich was zu Primark schreibe, gehts ab hier am Blog. Und neben American Apparel ist Primark eine der wenigen Marken, die ich wirklich namentlich nenne am Blog. Es ist echt unglaublich, wie stark gerade dieser Anbieter emotionalisiert. Und genau deshalb fand ich die Aktion mit den Labels auch so fantastisch. Mich führt die Primark-Diskussion jedoch immer wieder auf eine Metaebene dessen: Soll man Fast Fashion boykottieren oder nicht? Oft und vor allem von Seiten der Gewerkschafterinnen aus Bangladesch heißt es: Nein, bitte nicht, so haben wir wenigstens einen Job. Die Diskussion ist uralt und ich habe in den letzten zweieinhalb Jahren noch nicht wirklich eine Antwort darauf gefunden. Also eine Antwort in Bezug auf meine Einstellung dazu. Meine Handlungen dazu sprechen schon eine klare Sprache: Ich war seit zweieinhalb Jahren in keinem Textilschweden (mit ein oder zwei erfolgreichen Selbsttestausnahmen), bei keinem bunten Spanier, und auch nicht bei den deutschen zwei Buchstaben. Es interessiert mich einfach nicht mehr. Dennoch verstehe ich beide Seiten, sowohl die „bitte weiterkaufen“ als auch die „boykottieren“ – und konnte bisher keinen allgemeingültigen Rat dazu geben. Nun bin ich so weit. Ich hab mich klar für eine Seite entschieden (und ich weiß, dass einige Aktivistinnen das jetzt nicht gerne lesen werden, aber für mich ist es einfach inzwischen der einzig gangbare Weg):

JA.

BOYKOTT.

Kein Neukauf bei Fast Fashion Anbietern. Warum? Weil sich sonst in der Branche überhaupt nix tut. Man kann nicht so weitermachen wie bisher und fordern, dass sich was ändert. Das ist wie mit dem inneren Schweinehund. Den kenn ich momentan gut. Ich weiß, dass ich dringend mehr Sport machen muss, weil mein Rücken schon seit Wochen permanent und leider unüberhörbar S.O.S. schreit, aber das denk ich mir immer, wenn ich grad am Sofa eine schmerzfreie Position eingenommen hab. Dass es davon nicht besser wird, ist mir auch klar. Und auch diesen Vergleich werden mir jetzt einige um die Ohren hauen: Jaaa, ich weiß, dass man den Beruf einer Näherin nicht mit meinem Rücken vergleichen kann. Aber mein Gedankengang dahinter kommt raus, oder?

Sobald Firmen Gewinneinbrüche haben und klar von Konsumentenseite kommuniziert wird, warum das so ist, gibt es Chancen auf sehr schnelle Veränderungen (wie die Detox-Kampagne so schön beweist). Und gerade bei den Iren besteht da wirklich gerade die Möglichkeit, so viele Leute sind derzeit wütend und betroffen aufgrund der eingenähten Labels. Die Aufregung rund um die Labels ist um die ganze Welt gegangen, aus kampagnentechnischer Sicht ein Geniestreich (und die, die sagen, dass das kontraproduktiv sei, weil die Leut jetzt nur sagen, dass das ja nur fake war, die haben es – tschulligung – einfach nicht verstanden). Viele Menschen haben es aber verstanden. Den Näherinnen wurde eine Stimme gegeben. Und viele Menschen wurden nachdenklich. Die Demo am Alexanderplatz war ein Zeichen dafür.

Warum ich persönlich Primark als schlimmer als einige der anderen, sonst von mir kritisierten Firmen einsortiere? Weil die das Konzept von „Fast Fashion“, also schnell mal ein Shirt um zwei Euro kaufen und nach dreimal Tragen wegwerfen, weils hinüber ist aufgrund der anscheinend oft miesen Qualität (ich hab mich persönlich noch nie davon überzeugt), wirklich nochmal an die Spitze getrieben haben. An den blauen Schriftzug denkt man und hat sofort Bilder von „unglaublich viel Aussuchen können, nicht entscheiden müssen zwischen zwei Teilen, sondern einfach beide nehmen, kostet ja nix, Säckeweise einkaufen und am Schluss 80 Euro zahlen für 12 Kleidungsstücke, herrlich, KAAAUFRAAAUUUSCH!!!“ im Kopf. Und das macht Primark in meinen Augen schlimmer als andere. Die anderen dürfen sich jetzt jedoch alles andere als aus der Schusslinie wähnen. Die haben nur den Weg geebnet. Ohne Textilschwede wäre kein Primark hier möglich heutzutage. Aber lasst es mich mal so sagen: Den Textilschweden find ich immer noch bäh, andere find ich streckenweise wirklich scheiße, aber das Konzept von Primark ist für mich, die nicht will, dass Näherinnen leiden und unsere Gewässer vergiftet werden, nur verachtenswert. Dieses Fastest-Fashion-Konzept hinterlässt bei mir ein ähnliches grausliches Gefühl im Bauch wie der „Genuss“ von fettigen Pommes von MacDo.

Und übrigens machen die Sachen hässlich, wie so schön in diesem sehr empfehlenswerten Artikel steht.

hufeisen

 

PS: Ach ja, und bevor ich da jetzt falsch verstanden werde: Liebe Leute, einfach NUR nichtkaufen geht nicht. Laut sein! Protestieren! Kampagnen unterstützen, in welcher Form auch immer! Den ArbeiterInnen aus Bangladesch HIER eine Stimme geben! Einfach nur statt nix tun gar nix tun isses nicht. Aber ich denk, ihr wisst, was ich meine 🙂

PS2: Primark hat sich zu den DETOX-Zielen von Greenpeace bekannt. Das mit den vergifteten Flüssen wollens also in den Griff kriegen. Jetzt bitte noch die Situation der ArbeiterInnen. Jetzt.

PS3: Nein, die von mir so oft ziterte alleinerziehende teilzeitarbeitende sprichwörtliche Supermarktkassierin braucht sich jetzt nicht auf die Zehen getreten fühlen. Manche brauchen einfach Billiganbieter, weil sie sich teure Kleidung nicht leisten können. Für diese Personen wünsch ich mir jedoch eine funktionierende Tausch-Secondhand-Kette a la Buffalo Exchange.

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