Archiv des Autors: nunette

Die nächsten 25 Toten in Bangladesch

Es ist mal wieder soweit. In Bangladesch ist in der Nähe der Hauptstadt Dhakar ein Fabriksgebäude eingestürzt. Seit Tagen gab es Panik aufgrund der Risse in den Wänden. Derzeit spricht man von 25 Toten, mindestens 100 Menschen werden noch in den Trümmern vermutet.

Edit: Ich hatte den Beitrag gerade fertig, da hieß es bereits, dass 85 Tote befürchtet werden.

Ist doch zum Kotzen, wie mit der Sicherheit der Menschen umgegangen wird. Wie kommen die dazu? Wir sprechen hier nicht von einem Land, in dem es den Leuten grundsätzlich gut geht und Textilarbeiterin halt ein Job von vielen ist, der einen über Wasser halten kann – nein, wir sprechen von einem Land, in dem sich viele Menschen trotz eines anstrengenden Jobs mit einem Stundenausmaß, bei dem ich zum Raunzen gar nicht mehr aufhören würde, kaum ihr Dach über dem Kopf und ihr Essen leisten können! Und dort wird für hier produziert. Für die Mädels, denen heute mal nach einem nudefarbenen Top zu puderfarbener Hose ist, und bitte um drei Euro noch einen Schal mit Blümchenmuster dazu, draußen scheint ja so schön die Sonne…

Inzwischen liefer ich meine Wutanfälle über die konventionelle Textilindustrie im Wochenrhytmus ab. Seit ich mich bewusst mit dem Thema beschäftige, sind in Pakistan 125 und in Bangladesch 325 (and counting) Menschen, die unsere Kleidung nähen, in den Fabriken gestorben. Ziemlicher Blutzoll, würd ich mal sagen.

In Pakistan hieß es: Aber die Fabrik war SA 8000 zertifiziert, die haben die Sicherheitsstandards eingehalten! Oh, dass sie versperrte Ausgänge und vergitterte Fenster hatten, das haben die Auditoren leider nicht gesehen.

Jetzt heißt es: Aber es gibt doch Bauvorschriften für mehrstöckige Gebäude! Ja, nur dass die in Bangladesch kaum jemand einhält – jeder Dollar, der mehr in den Fabriksbau fließt, macht die Aufträge teurer. Und das kann man sich ja nicht leisten, teurer produzieren, die Ware nimmt einem doch niemand ab, da bekommt man doch keine Aufträge der großen Textilunternehmen! Na da bauen wir lieber im Pfusch, und pfeifen auf die Sicherheit der Leute.

Und jede Wette, jetzt heißts bald von seiten der produzierenden Konzerne: Aber wir hatten doch Sicherheitszertifikate eingefordert, sonst hätten wir die Fabrik ja gar nicht beauftragt! Selbst dort waren wir nicht, nein, wir haben die Fabrik zuerst nicht selbst angeschaut. Wieso denn auch? Wir können doch nicht in jedes Fabriksgebäude weltweit fahren, weißt du denn, wo wir überall produzieren?

Doch, ihr könnt, und ihr müsst. Liebe Konzernchefs, dass ihr auf Seiten der Globalisierungsgewinner steht, ist einfach nur der Gnade eurer Geburt zu verdanken, und keinem einzigen Faktor mehr. Nur wer von euch auch nur Reste von ethischem Verständnis im Hirn hat, der nutzt das nicht aus, indem er die Verlierer der internationalen Entwicklung auch noch schamlos ausnutzt. Wünsche eine geruhsame Nacht für all die europäischen und US-amerikanischen Auftraggeber, die nun eine neue Fabrik zur Produktion ihrer Billighosen suchen müssen.

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Wie war das? Jutesack?

Ach, Ecouterre, du wunderbare Website. Immer, wenn ich auf dir surfe, finde ich neue tolle Inspirationen. Heute: „In the Closet„. Ecouterre machts einfach den klassischen Stylebloggerinnen nach und präsentiert die (ökofairen) Kleiderschränke toller Frauen. Spannend: Es ist recht viel Second Hand dabei (Yey Vintagelook!), und man findet durch die Fotobeschreibungen gleich wieder x neue Ökolabels, herrlich!

Ein Auszug gefällig? Hier mal Greta Eagan, Founder of Fashion McGreen, Kolumnistin, Stylebloggerin:

Oder Amisha Ghadiali, Associate Director of the Ethical Fashion Forum:

 

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Das Suchen hat ein Ende. Fast.

Endlich, die Suche nach fairer Mode im Internet ist seit heute bedeutend einfacher: Die schon öfter zitierten und von mir hochgeschätzten Initiatoren von GET CHANGED haben ein Kundenportal gelauncht:

Ich zitiere aus der Aussendung (weil ich selbst deshalb gerade arbeitstechnisch ziemlich eingesetzt bin):

Mit dem Fair Fashion Finder finden Konsumentinnen und Konsumenten ab sofort eine
attraktive Palette von rund fünfzig jungen und etablierten Modelabels mit fairer Produktion.
Das Portal bietet umfassende Informationen zu aktuellen Kollektionen und sozialen und
ökologischen Produktionsbedingungen. Eine bequeme Suchfunktion ermöglicht, Mode nach bestimmten Kriterien zu suchen. Schnittstellen zu Online-Shops und eine Google Map mit rund achtzig Stores zeigen Einkaufsmöglichkeiten im gesamten deutschen Sprachraum auf.

Nett ist auch der Zusatznutzen für KundInnen:

GET CHANGED! präsentiert auf dem neuen Portal auch ein Netz von über vierzig Partner Stores im deutschsprachigen Raum. Diese führen überwiegend faire Mode im Sortiment und bieten Inhabern der so genannten GET CHANGED! Card Einkaufsvergünstigungen. Konsumentinnen und Konsumenten können gegen einen Jahresbeitrag eine GET CHANGED! Card erwerben und erhalten damit einen ständigen Einkaufsrabatt von 10% in allen Partner Stores in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Und was ich ganz besonders fein findet: Get Changed versteht sich auch als Online-Newsportal für faire Mode. Ich fürchte, da werde ich öfter mal zitieren 🙂 Tolles Projekt, das wirklich sinnvoll ist! Gratulation, meine Unterstützung habt ihr (auch wenn ich mir das mit der Einkaufskarte noch überlegen muss, das verführt mich vielleicht wieder zum eher überflüssigen Shoppen, da bin ich noch nicht gesetzt genug, hihi!)

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Ich bin zwar von der WearFair, aber ich freu mich sehrsehr auf die FairFair

Die fesche Katrin, der Herr Adamahmarketing und Mister Micky.

Die fesche Katrin, der Herr Adamahmarketing und Mister Micky. Und eine Dame ganz links, die sich grad durch die beneidenswerten Locken fährt.

Wo ich da grad bin und miese Fotos schieße? Im Museumsquartier, wo heute das Konzept und ein paar Details zur nächsten FairFair präsentiert wurden. Die FairFair ist quasi die WearFair in Wien, ebenfalls mit den Themen Mode, Mobilität und Ernährung. Sie haben ein paar wirklich schöne Ideen vorgestellt, und ich freu mich schon sehr auf das Angebot dort. Besonders der Ernährungsbereich wird spannend, soviel darf schon mal gesagt sein! 12.-14.Juli 2013, Museumsquartier Wien. Bobostan City, sozusagen. Und ums Eck vom Büro, super!

Letztes Jahr wars ja lustig – ich war dort, und habe die AusstellerInnen der Reihe nach gefragt, ob sie nicht auch acht Wochen später auch noch auf der WearFair ausstellen wollen (ja, die meisten wollten 🙂 ), und hatte permanent den Organisator Micky im Nacken, der alle paar Minuten meinte: „Aber nix kaufen, gell? Hast was gekauft? Du darfst aber nix kaufen! Lass mich mal in deine Tasche schauen!“

Jaja, letztes Jahr, da durfte ich nicht. Dieses Jahr schaut es anders aus. Hui, was freu ich mich drauf, selbst wenn ich vielleicht wieder nix kaufen werde. Ganz egal. Angebot genießen. Die Möglichkeit haben, mir was zu kaufen, aber nicht in Kaufrausch verfallen zu müssen. Nur kaufen, wenn mir etwas wirklich unverzichtbar erscheint. Umgeben sein von vielen Gleichgesinnten und den wunderbaren DesignerInnen. Ick froi mir. Sehr sehr. Und die Fair Fairs, die freuen sich auch sehr sehr. Was ich wiederum sehr sehr charmant finde.

fairfairsehrsehr

Die Fair Fair freut sich sehr sehr

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Warum tun die das?!

Es ist doch echt zum Jungekriegen. Da schränkt man sich selbst immens ein und beschließt, so gut es geht, nur noch Bio und Öko und Fair beim Kleiderkauf. Ja, da muss man suchen. Da gibt es nicht so viel Angebot wie bei den konventionellen. Weder online, wo man von Zalando gerade überrollt wird, noch offline – auf der Mahü reihen sich die Marken aneinander, sei es die wahre Mode, sei es der bunte Spanier, sei es der Textilschwede, seien es die zwei Buchstaben aus Deutschland.

Hessnatur könnte echt eine Alternative sein. Die haben viel, theoretisch kann man eine ganze Familie komplett versorgen. Ein paar Sachen schauen sehr ökoschlapfig aus, einige aber gar nicht.

Aber leider. Hessnatur wird von mir noch mehr boykottiert als der Textilschwede und die anderen Verdächtigen. Warum? Die Geschichte dürfte bekannt sein: Die Besitzer verkauften an einen Investor, der auch noch ganz andere Sachen macht, die ganz und gar nicht Öko oder fair sind. Die Mitarbeiter von Hessnatur fanden das nicht sehr leiwand – weil Hessnatur ursprünglich mehr sein sollte als einfach nur ein Online-Anbieter. Es ging hoch her, und mündete in einer einstweiligen Verfügung gegen die ehemaligen Mitarbeiter von hessnatur. Ich meine, what the what??! Schlechter Stil, würde ich sagen. Ich schreibe jetzt besser öffentlich nicht hier, welche Aktionen ehemalige Vorgesetzte von mir teilweise geliefert haben, aber von den hessnatur-Chefs waren sie wahrscheinlich noch Welten entfernt.

Und jetzt? Jetzt haben hessnatur und die Menschen hinter wir-sind-die-konsumenten.de einen Vergleich unterzeichnet. Hessnatur klagt nicht mehr sofort, und wirsinddieKonsumenten darf drei strittige Vorwürfe nicht mehr formulieren.

Ich zitiere aus dem Newsletter, den mein lieber Kollege mir weitergeleitet hat, der aber auf deren Homepage auch zu lesen ist:

Ganz unleugbar verstoßen wir damit nun gegen unsere eigenen Grundsätze. Auf die Abmahnung vom 2. Oktober 2012 hatten wir nämlich zunächst öffentlich erklärt, die Frage nach der Wahrheit nicht zum Gegenstand eines Handels zu machen, weil die Wahrheit nur das freie Gespräch vertrüge. In diesem Sinn boten wir Hessnatur an, deren Sichtweise auf unserer Webseite ebenfalls zu veröffentlichen, und gemeinsam den objektiven Sachverhalt herauszufinden. Hessnatur ließ sich darauf nicht ein, und erwirkte stattdessen eine Verfügung gegen uns. Das Landgericht Frankfurt hob die Verfügung jedoch wieder auf, nachdem der Richter Zweifel am Wahrheitsgehalt einer eidesstattlichen Versicherung von Marc Sommer geäußert hatte. Dass wir uns nun, trotz des gewonnenen Verfügungsverfahrens, auf einen Vergleich eingelassen haben, könnte also manchem Unterstützer unverständlich erscheinen. Wir möchten Ihnen deshalb unsere Gründe erklären:

Einen Tag, nachdem das Landgericht Frankfurt für uns entschieden hatte, erreichte uns ein Brief von Marc Sommer. Der Hessnatur-Geschäftsführer erklärt darin, weitere Prozesse anstrengen zu wollen, die für beide Seiten eine erhebliche „finanzielle Belastung“ darstellen würden, falls wir nicht die ursprüngliche Unterlassungserklärung unterzeichneten. Wir begriffen natürlich, dass die finanzielle Belastung eher auf unserer Seite, als auf Seiten des Investors ins Gewicht fallen würde. Unser Rechtsanwalt Jakob Janitzki klärte uns darüber auf, dass ein Hauptsacheverfahren mehrere Jahre beanspruchen könnte – Zeit, in der unsere Kräfte an diesen Streit gebunden wären. In dieser Situation mussten wir tatsächlich Kosten gegen Nutzen abwägen. Und wir fanden, dass auf der Nutzen-Seite eigentlich nicht viel stand. Bestenfalls könnten wir nach etlichen Jahren die Möglichkeit gewinnen, die drei Äußerungen zu wiederholen – nachdem Hessnatur längst weiterverkauft wurde, und wir inzwischen wenig Konstruktives hätten beitragen können. Also haben wir zwar nicht die Unterlassungserklärung unterzeichnet, aber doch nach langwierigen Verhandlungen einen Vergleich erreicht, mit dem beide Seiten leben können.

Übersetzt heißt das: Hessnatur hat einfach nur gedroht, die gegnerische Partei in Grund und Boden zu klagen – finanzierbar für den großen Ökoversand, nicht finanzierbar für Wir sind die Konsumenten.

Offen bleibt die Frage, wie die Bedürfnisse der kritischen Kunden befriedigt werden können, die mit ihren Zahlungen weder einen Private-Equity-Fonds wie Capvis, noch den einstigen Arcandor-Vorstand Marc Sommer unterstützen möchten. Viele wollen weiterhin, dass die Genossenschaft hnGeno den einstigen Ökopionier übernimmt und erklären auf wir-sind-die-konsumenten.de, dann auch wieder bei Hessnatur zu bestellen. Außerdem häufen sich Anfragen ehemaliger Kunden, ob die Genossenschaft denn nicht ein Alternativ-Unternehmen gründen könne, um die Versorgungslücke selbst zu schliessen. Tatsächlich prüft die hnGeno gegenwärtig die Möglichkeiten für den Start einer Alternative zu Hessnatur – „um die Wartezeit zu überbrücken“, wie ein Sprecher der Genossenschaft erklärte. Noch in diesem Jahr soll das Startup der Öffentlichkeit präsentiert werden. Nichtsdestotrotz halte sie aber an ihrem Plan fest, Capvis bei Hessnatur abzulösen.

Als Betreiber von wir-sind-die-konsumenten.de haben wir selbst keinerlei „persönliches“ Interesse an der hnGeno. Mit dem Portal wollen wir vielmehr Ihnen als Verbraucher die Möglichkeit geben, Ihren selbständigen „Konsumentenstandpunkt“ sichtbar zu machen. Wir sehen die Gestaltungsmöglichkeit für eine solidarische Wirtschaft nämlich gerade im Dialog zwischen selbständigen Interessensvertretungen, und eben nicht in einer Vermischung der Interessen. So wenig, wie wir einem von Hessnatur gewählten „Kundenrat“ beitreten, genau so wenig werden wir uns andererseits mit Kritik an der hnGeno zurückhalten. Einkaufen werden wir selbst letztendlich bei demjenigen Anbieter, dem wir das Vertrauen entgegenbringen können, dass dieser sich aktiv um eine Vertiefung und Weiterentwicklung des Fair-Trade-Gedankens bemüht. Walter Strasheim-Weitz, ehemaliger Betriebsratsvorsitzender von Hessnatur und Gründungsmitglied der hnGeno, erklärte indes, dass man sich bei der Genossenschaft genau diese Selbständigkeit der Kunden wünsche: „Es ist gut, wenn uns jemand auf die Finger schaut. Wir brauchen uns nicht zu verstecken.“

Ich freu mich auf das Alternativportal. Hessnatur hat ein grandioses Marketing derzeit, das muss man echt sagen. Aber gerade bei ihnen schaut man sehr schnell dahinter. Und das, was dahinter steht, finde ich inzwischen sehr unsympathisch. Warum tun die das nur?!

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Weiterbilden statt Ablenken

Auch eine Möglichkeit, nicht einkaufen zu gehen. Heute ist so ein Tag, wo ich richtig Lust hätte, mir etwas zu gönnen, einfach auf die Tatsache hinaus, dass ich die bisherige Woche überlebt habe. Und dass der Wohnzimmertisch endlich aufgeräumt ist. Und dass ich weder beim Projekt noch bei der FH-Arbeit wirklich was weitergebracht habe, aber das ist eine andere Geschichte. Ich möcht mich auch ablenken von der Waage, auf die ich heute früh gestiegen bin. Also von der Zahl. Wobei, bis zum Sommer schaff ichs wieder auf meine Normalzahl. Nema Problema.

Kommt mir irgendwie bekannt vor: Belohnung, Ablenkung, Tröstung. Die drei Grund-emotionen, wenns um sinnfreies Shoppen geht. Wie praktisch, dass ich heute den ganzen Tag FH habe und dort was von ISOS, OHSAS und SAS erfahre.

Apropos SA 8000 – dazu gibts nächstens einen gepfefferten Blogbeitrag, ich muss nur diese eine Textstelle wieder finden.

Und Apropos Ablenkung: Es ist unfassbar. Ich kann mich besser konzentrieren, wenn ich stricke. Keine Ahnung, wieso. Aber es ist so. Hätt ich gestern mein Strickzeug nicht mitgehabt, ich wär aufgrund der trockenen Materie, die gestern besprochen wurde, binnen weniger Minuten weggedriftet.

(c) Nunu Kaller

Zu meiner Verteidigung: Ich hab vorher gefragt, obs ok ist. War für beide Vortragenden in Ordnung, sie genossen es sogar, mich ein bissl mitm „jaja, die strickenden NGOler, wie früher ist das“ zu foppen.

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Freude, unerwartet

So ein Regentag, so wunderschön wie heute …. hach, ich mag das, wenn ich überrascht werde, so komplett plötzlich (der Liebste wird das nicht so sehen, ich bin nämlich die neugierigste Person zwischen hier und Bregenz). Also. Regentag. Böse Überraschung auf der Green Expo: Was ist denn das bitte für eine Greenwashingveranstaltung? Ganz ehrlich: ganz übel. Von allem ein bißchen was, null nachhaltiger Hintergrund, und für diese Riesenhalle verdammt wenige AusstellerInnen. Da lob ich mir die WearFair 😉

Doch die liebe Dani hat mir dann noch einen wunderbaren Tag draus gemacht: „Du Nunu, brauchst du Wolle? Viel Wolle?“ 🙂 Ich freu mich!!!!!! Und alles, was ich nicht verwenden kann/will, das werde ich den Ladies schenken, die immer so toll für unsere Tschernobylkinder stricken!

Danke, liebe Dani!!

Danke, liebe Dani!!

wolle2

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Glaubensfrage Leder

Leder. Das ist ja so eine Sache. Einerseits befindet man sich permanent in der gedanklichen Einbahnstraße von wegen Pelz verurteilt man, Leder nicht, wo ist der Unterschied. Ist die gleiche Frage wie: Man isst Schweine, man herzt Hunde – beide sind gleich gescheite Tiere. Unterschied?

Am größten ist das Problem bei Schuhen – meine Füße sind ziemliche Quadratlatschen, sehr sehr breit, hoher Rist. Wahrscheinlich steh ich deshalb so auf Stiefel, weil da der ganze Fuß drinsteckt. Sobald irgendwo Kanten und Ränder sind, tuts mir weh und vergiss es. Sommer, Riemchensandalen, jedesmal eine Herausforderung. Aber darum gehts mir jetzt gar nicht. Es ist leider auch so, dass ich bisher die Erfahrung gemacht habe, dass sämtliche Ersatzmaterialien, die ich kenne, nicht die Qualitäten von Leder haben (sich nicht so dehnen und anpassen). Und wer mir jetzt Chucks vorschlägt: Ja, habe ich. Aber ganz ehrlich: Da landen wir dann bei der Gummi/Plastik-Diskussion.

Aus diversen Gründen – und nochmal, ich weiß, dass die Vegan Community mich ab jetzt verachten wird – halte ich es für wichtig, dass es zu einer überwachten, zertifizierten Lederproduktion kommen muss. Weil sorry, solange die Leute derartig viel Fleisch fressen, solange fällt Leder an.

Auf Standard.at bin ich heute über eine sehr spannende Diashow gestolpert: Wie eine Tasche bei Tankai entsteht.  Trotz Adornos „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“ produziert sie so nachhaltig wie möglich sehr fesche Taschen aus Stoff und zertifiziertem Leder in ihrer eigenen Werkstatt. Ich finde das toll: Machs gut, so gut du es machen kannst, und mach was draus.

Und mach weiterhin so schöne Taschen….

Edit, weil auf Facebook grad ein Hinweis zu Green Shoes kam und ich mit weiteren, entsprechenden Hinweisen rechne: Ich mag es leider auch überhaupt nicht, wenn man Schuhen die ethische Überzeugung ihrer Produzenten ansehen kann, a.k.a. Bioschlapfenoptik. Darum tu ich mir auch mit Waldviertlern und Co. schwer. Und da gilt für mich leider – umgemünzt auf Schuhe – auch das Zitat der Gebrüder Stitch, die über die perfekte Ökohose sagen: „“Eine Hose kann 100mal öko sein, wenn sie keinen geilen Arsch macht, kauft sie niemand.”

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Flüssige Wut

Ich hab heut frei. Herrlich. Am Vormittag in die Stadt zu einem Termin gefahren, am Heimweg etwas Windowshopping betrieben – und festgestellt, wie stolz ich auf mich bin: Jede Menge Verführungen, aber ich bin mit meiner Garderobe gerade so zufrieden, dass kein Kaufimpuls eingesetzt hat. Danach heimgeradelt, zuhause gemütlich alle Fenster aufgerissen, und begonnen, ein bißchen im Netz zu surfen, Nachrichtenjunkie, der ich bin.

Und dann: War der Tag versaut. Nicht nur, dass bei offenen Fenstern die Müllabfuhr in meiner Hochparterrewohnung die Bilder zum Wackeln bringt, nein, das wär mir ja noch wurscht. Aber die lieben Kollegen von Greenpeace haben heute wieder einmal einen neuen Report veröffentlicht – und ich könnt schon wieder nur noch speiben.

Diesmal geht es um Wasserverschmutzung in Indonesien. In einem Fluss, in dem früher Leute badeten, ist das Wasser jetzt ätzend. So richtig aua auf der Haut. Sowas passiert nicht einfach so. Das „Praktische“: In Indonesien hast kaum Umweltgesetze. Und die Herren Textilhersteller nutzen das schamlos aus. In dem Wasser fand man auch alte Bekannte: Krebserregende und hormonell wirkende Stoffe wie Nonylphenol und Tributylphosphat (Ja, ich hab auch keinen Tau, was da genau ist, aber es ist hochgiftig und böse, soviel weiß ich).

Ein Auszug aus der Presseaussendung: „An diesem Standort werden Stoffe für den US-Konzern GAP mit den Marken Old Navy und Banana Republic gefärbt, bedruckt und gewaschen. Aber auch Brooks Brothers – eine Marke, die 39 von 44 US-Präsidenten eingekleidet hat (darunter auch Präsident Obama) – räumte gegenüber Greenpeace geschäftliche Verbindungen zu Teilen der PT Gistex Gruppe ein. Geschäftsbeziehungen mit PT Gistex unterhalten auch Adidas und H&M.“

Der Citarum, also der Fluss, in dem Greenpeace die Proben genommen hat, ist der größte Fluss Indonesiens. 25 Millionen Menschen beziehen daraus Trinkwasser und nutzen das Flusswasser zum Waschen und Bewässern der Reisfelder und Farmen. Schöner Gedanke, oder? Wah, mich macht das so wütend. Was können bitte die Leute dort dafür?

Und das Traurige: Es ist einfach so austauschbar – nimm irgendeine Form der Umweltverschmutzung, wie etwa Bodenauslaugung, Austrocknung, Verlust der Biodiversität, Regenwaldrodung, Gifteinsatz oder eben Wasserverschmutzung. Und dann nimm irgendein Land, in dem Fast Fashion produziert wird: Indonesien, Kambodscha, Thailand, Bangladesch, Pakistan, Indien, China,… Und dann setze irgendeinen dieser Verschmutzungsbegriffe mit irgendeinem dieser Länder zusammen – und ich wette, es wird sich ein Beispiel dafür finden. Es ist das Gesamtsystem Fast Fashion, das uns den Planeten, die Gesundheit und (ich gebs ja zu, jetzt bin ich im Modus NGO-Sprech) die Zukunft zusammenhaut. Und alles, damit man dieses Jahr in gespieben rosa und nächstes Jahr in schimmlig mintgrün gekleidet umherrennen kann.

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Ichkaufnix – hörbar gemacht

Hab ich euch ganz unterschlagen: Ich war letzten Samstag im Radio! Und zwar zum zweiten Mal im richtig coolen Radio, das mit den tollen Geburtstagsfesten in der Arena!

Den Radiobeitrag kann ich leider hier nicht teilen (irgendwie sind das CMS von WordPress und ich keine Freunde, außerdem glaub ich, das dürfte ich gar nicht), aber den Webbeitrag dazu, den kann ich hier reinstellen. Bitteschön!

http://fm4.orf.at/stories/1715912/: 

The real fashion victims

Die aktuelle H&M „Conscious Collection“ bewirbt nachhaltigere Mode. In den Textilfabriken kollabieren inzwischen die Arbeiterinnen und Arbeiter. Ist fair produzierte Mode für die Massen überhaupt möglich?

Leggins um 4,95 Euro, ein Kleid oder ein Doppelpack T-Shirts um 7,95. Das sind aktuelle Angebote aus der „Conscious Collection“ von H&M, die suggeriert, auf den Kleiderstangen in den Filialen hänge ökologisch und sozial fair produzierte Mode.

Seit 2010 sind allerdings allein in Textilfabriken in Kambodscha mehr als 2900 Arbeiterinnen und Arbeiter aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen kollabiert. H&M gehört neben Gap, Levis und Zara zu den größten Abnehmern der dort ansässigen Produktionsstätten.

Die NGO Clean Clothes hat aus diesem Anlass eine Gegenkampagne lanciert, die einmal mehr auf Missstände in der Modebranche hinweist.

Es stellt sich daher die Frage, ob nachhaltige und gleichzeitig preiswerte Mode für die Massen überhaupt möglich ist.

Mode-Bloggerin und Konsum-Verweigerin Nunu Kaller unterscheidet hier zunächst den sozialen vom ökologischen Aspekt. Aus sozialer Sicht, meint sie, müsse es sich ausgehen:

„Es muss möglich sein, dass die Näherinnen unserer Kleidung fair bezahlt werden, dass sie in ihren eigenen Landern und vor allem an ihren Arbeitsplätzen ein sicheres Leben führen können.“

Aus ökologischer Sicht sei die Sache schon schwieriger, was vor allem daran liege, dass der Markt für Bio-Baumwolle innerhalb des konventionellen Baumwoll-Marktes nach wie vor relativ klein sei.

Baumwollfeld

Zudem wird es immer schwieriger zu durchschauen, was hinter den grünen Versprechen vieler Mode-Konzerne steckt. H&M, Adidas und Marks & Spencer zum Beispiel setzen nun vermehrt auf sogenannte „Better Cotton“. Gegenüber konventioneller Baumwolle sei diese hinsichtlich Wasser- und Pestizideinsatz beim Anbau sicherlich umweltverträglicher, meint Kaller, die positive Einstellung der Initiative zu gentechnisch verändertem Saatgut sei allerdings problematisch.

  • Der WearFair Shopping-Guide präsentiert eine Reihe von Modelabels, die sozial und/oder ökologisch nachhaltig produzieren. Zusätzlich gibt er eine Übersicht über Geschäfte in Österreich, die öko-faire Kleidung verkaufen und liefert Infos zu Gütesiegeln.

Aufholbedarf hat die Bekleidungsindustrie auch in puncto Arbeitsbedingungen und Menschenrechte.

Berichte von abgebrannten Fabriken mit zahlreichen Toten, von Unfällen durch Chemikalien, Unterernährung und Überarbeitung zeigen immer wieder, dass das Wohlergehen der Arbeiterinnen und Arbeiter dem Profitdenken untergeordnet ist.

Die Mode-Konzerne argumentieren dagegen oft, dass es an den Regierungen der Produktionsländer läge, Sicherheitsstandards einzuhalten und Mindestlöhne zu bezahlen. Ausreden, meint Nunu Kaller, hätten die Unternehmen doch durchaus Macht und Möglichkeiten, hier Druck zu machen.

Fabriksbrand

Brennende Textilfabrik in Bangladesh: Unzureichende Sicherheitsvorkehrungen?

Clean Clothes rechnet vor, dass eine faire Bezahlung selbst bei Mode zu Diskontpreisen möglich wäre. Für ein T-Shirt um 8 Euro erhält der oder die ArbeiterIn in der Fabrik maximal 24 Cent. Um diesen Lohn zu verdoppeln, müsste der Händler lediglich weitere 24 Cent aufschlagen – eine Summe, die KonsumentInnen in westlichen Ländern wahrscheinlich nicht einmal auffallen würde.

Dass vonseiten der Politik in den Billiglohnländern hinsichtlich gerechter Entlohnung von Arbeitskräften nicht viel zu erwarten ist, ist wenig verwunderlich. Aus Angst um ihre Wettbewerbsfähigkeit treffen sie keine Maßnahmen, die große Modeketten dazu veranlassen würden, ihre Produktionen zu verlegen.

Paradoxerweise bleibt so der Konsum von Billigprodukten für die Textilarbeiterinnen und -arbeiter überlebenswichtig. GewerkschafterInnen betonen, dass nur, wenn die Menschen einkaufen gehen, die ArbeiterInnen ihre Jobs auch behalten könnten.

Solange also die Modekonzerne ihre Verantwortung nicht ausreichend wahrnehmen, muss jeder und jede selbst überlegen, welche Kleidung er oder sie guten Gewissens kaufen kann, oder eben nicht.

Getaggt mit