Archiv des Autors: nunette

Lagerkoller

Ich bin krank. Ein böserböser Darmvirus kettet mich grad ans Schlafzimmer (bzw. ans direkt danebengelegene Bad). Ich sumpfe in Schlabberklamotten herum, kann nix machen, weil nach fünf Minuten „Action“ ist mir erstens schwindlig und zweites düse ich eh schon wieder in Richtung Klo. Sämtliche TV-Theken bin ich langsam durch. Mir ist unglaublich langweilig und ich fühl mich allein und ungeliebt (obwohl Freunde anrufen, wie es mir geht, die Mama mir Cola und Soletti vorbeibringt, und überhaupt).

Ein leidiges Thema kommt mal wieder auf: Onlineshopping. Ich weiß, ich bin inzwischen komplett schizophren – einerseits schimpfe ich über die Produktionsverhältnisse großer Textilanbieter, andererseits: Das Kleid hier mit meinem schwarzen Blazer und noch nicht gekauften nudefarbenen Schuhen wäre doch ideal für die Hochzeit, auf die ich in zwei Wochen eingeladen bin, oder?

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Season – Nachhaltig ohne Hintergrund

Ich gestehe – ich bin Nachrichtenjunkie und Zeitschriftenliebhaberin. Gestern in der Trafik fiel mir sofort ein neues Frauenmagazin auf: SEASON.

Zum einen muss ich sagen: Endlich mal ein paar spannendere Artikel als etwa solche über die meist-nachoperierten Gesichtspartien von Stars oder über die Frage, ob ein „Single-Gen“ Liebesglück verhindert. Einige Artikel gehen in die grüne, nachhaltige Richtung, ohne belehrend zu sein. Noch dazu ist Susanne Klingner, Autorin von „Das hab ich selbst gemacht“ und „Wir Alphamädchen„, Redakteurin von Season. Auch das Papier, angenehm matt, scheinbar recycled und nicht so auf Hochglanz gedrillt wie der Rest der Magazine.

Nette Hinweise auf Selbermachen, Energiesparen und ähnliche Themen. Der USP reichlich praktisch, aber auch reichlich konsumistisch: Alles, was im Magazin abgedruckt ist, kann man im zugehörigen Onlineshop gleich kaufen.

Was ich aber einfach nicht kapiere: Wieso schießen sie sich selbst ins Knie, indem sie Mode präsentieren, die die Durchschnittsfrau sich ihr Lebtag nicht leisten kann, will und wahrscheinlich auch wird? Hosen um 800 Euro, Seidentops um günstige 500. Um mal auf dieser Liga zu bleiben: Nie und nimmer würd ich 2000+ Euro für ein Kleid ausgeben (nein, nichtmal zu ohnedies in der Lebensplanung nicht vorkommenden Hochzeit)! Ich könnt mich jedesmal deppert ärgern, wenn eine Louis Vuitton Tasche um läppische 1300 Euro als nettes Frühlingsaccessoire präsentiert wird, das so manches Outfit aufmotzt – und zwar nicht aus Neid, sondern aufgrund der unsäglichen Arroganz der HerausgeberInnen.

Luxus in der Mode muss sich endlich neu definieren. Weil wo H&M den Schnitt eines Prada-Kleids schamlos kopiert und sofort massenproduziert, kennt die unterbezahlte Schneiderin den Schnitt wahrscheinlich bereits – das Pradakleid hat sie sehr wahrscheinlich auch genäht. Wo es mir ein Rätsel ist, wieso von den 14,90 für ein Kleid bei H&M (und zugegeben, derer hab ich so einige im Schrank) genau gar nix bei denen landet, die es produziert haben, stellt sich mir die Frage bei dem oft hundertfachen Preis gleich hundertmal stärker.

Fazit an Season: Wenn schon grün und nachhaltig, dann bitte ehrlich. Auch das ist möglich, ohne sofort in die Bio-Öko-Stofftaschen-Schublade gestopft zu werden.

Ja, ich bin grad ein bisschen wütend und ja, ich entdecke an mir eine Gewissensänderung. Bin schon gespannt, wie sich das 2013 auswirkt (a.k.a. wie gut werd ich verdrängen können, wenn ich wieder das Fünfeuroshirt verschämt im Plastiksackerl nachhausetrag 🙂 )

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Rechnerisches

Die Lieblingsnachbarin wird mir langsam unheimlich. Nicht nur, dass sie über einen Kleiderschrank verfügt, der mich aufgrund der wenigen sich darin befindlichen Teile täglich zur Verzweiflung aufgrund der beschränkten Auswahl treiben würde, nein, sie ist diejenige, die auch noch Sachen hergibt! Nicht nur, dass sie mir kürzlich eine Strumpfhose (yess!! Eine Strumpfhose!!!) geschenkt hat – ich raunze ihr vor ein paar Tagen mein Leggingsproblem in die Ohren, was sagt sie?

Du, ich hab eine, die mir zu groß ist, kannst haben!

Abgesehen von überbordender Dankbarkeit: Wie macht die das bitte?!? Rein rechnerisch geht sich das in meinem Kopf nicht aus.

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Orchids on your Budget – vom stilvollen Sparen

Leute, ich les grad soo ein cooles Buch, ich muss ein paar Auszüge mit euch teilen. Das Buch heißt „Stilvoll sparen“ (im Original viel viel hübscher: „Orchids on Your Budget: Live Smartly on What You Have“), ist von der unglaublich süßen und witzigen Marjorie Hillis …. und wurde im Jahr 1937 geschrieben. Das Beeindruckende: Die Frau hat in vielen Punkten einfach sowas von recht. So sehr, dass es heute noch Gültigkeit hat.

1937!

So schreibt sie zum Thema Kleidung und Shopping (von Kleidungsstücken, die nicht zueinanderpassen oder die man nicht braucht) beispielsweise:

Entgegen der landläufigen Meinung verfügen wirklich gut angezogene Frauen entweder über sehr viel Geld, oder über felsenfeste Prinzipien und unerschütterliche Willenskraft.

Sehr streng ist sie in Sachen Pflege unserer Kleidung – dieser Teil des Kapitels wirkt heutzutage dann doch wieder fremd. Und dass er fremd wirkt, ist doch eigentlich befremdlich…. wann haben die Leute  (mich inklusive) eigentlich verlernt, Schuhstrecker in ihre Schuhe zu tun und ihre Kleidung pfleglich zu behandeln? Ich zum Beispiel besitze nicht einmal Bügeleisen und Bügelbrett und muss schon sagen: Es ist mir in den vergangenen zehn Jahren auch genau gar nicht abgegangen (ok, ich trage kaum Blusen…). Hillis schreibt:

Am allermeisten aber sparen Leute, die es schaffen, Kleidungsstücke so pfleglich zu behandeln, dass sie auch nach Jahren noch wie neu aussehen. Französinnen beherrschen dies vorbildlich. Zum Beispiel legen sie quasi in dem Moment, wo sie ihre Wohnung betreten, ihre Straßenkleidung ab. Ebensowenig wie sie in einem feinen Wollkostüm Wäsche waschen würden, lümmeln sie sich darin aufs Sofa. Sie schlüpfen in diese netten kleinen Hauskleider (…). Aber noch geben sie sich nicht der Entspannung hin – erst wird das Straßenkostüm picobello sauber gebürstet und über einen Bügel gehängt, der es wirklich in Form hält. Und wir meinen nicht irgendeinen Drahtbügel!

Wie machen wir es heutzutage? Wir schauen, dass wir uns beim Textilriesen die Plastikkleiderbügel möglichst mitschnorren, und haben fast nur Produkte aus „pflegeleichtem“ Material, bei dem sich intensivere Pflege eigentlich nicht lohnt, weil sie eh so billig sind. Je länger ich mich mit dem Thema Mode und Nachhaltigkeit beschäftige, desto mehr möchte ich einen Mittelweg zwischen den beiden Methoden gehen. Nur bitte nicht bügeln müssen 🙂

Die bezaubernde Frau Hillis hat auch noch den ultimativen Ratschlag für Mode auf Lager:

Irgendetwas müssen Sie bei der Zusammenstellung ihrer eleganten Garderobe investieren – Geld, Zeit oder Geschmack.

Ich werd heut nachmittag das Buch in der Sonne fertiglesen. Bin schon gespannt auf das Kapitel „Können Sie sich einen Ehemann leisten?“ 🙂

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Saufen und Shoppen

Ich amüsiere mich grad und kann meine Forderung nach Öffnungszeiten für Onlineshops nur wiederholen: Eine Studie der Universität Oxford (erschienen Ende 2011) hat ergeben, dass online am meisten in der Zeit zwischen 18 und 24h eingekauft wird – und dass viele Käufer betrunken sind. Der Standard erklärts schön:

In einem Geschäft werden offensichtlich betrunkene Personen gebeten zu gehen – schließlich wünscht kein Inhaber eventuelle Schäden durch eine torkelnde Kundschaft. Im Online-Shop hingegen können Schnapsnasen nichts ruinieren, abgesehen von ihrer finanziellen Situation.

Hier gehts zum NY-Times-Artikel. Jetzt kapier ich auch, wieso in dem einen feinen kleinen Modeschmuckgeschäft auf der Mariahilferstraße echt oft ein Glas Sekt angeboten wird…

Und wie es mir geht? Danke der Nachfrage! Ich hab mein zwischenzeitliches Gnaaa wieder abgelegt und wohne inzwischen in meiner zerlöcherten Lieblingsjeans (Boyfriend-Cut, musste ich letztes Jahr uuunbedingt haben. Ist allerdings sogar mir so weit, dass mein Boyfriend locker zweimal reinpassen würde…), die aufgrund der Löcher im Winter nicht tragbar ist…

Sollte die Löcher mal unternähen...(c) nunette colour

Sollte die Löcher mal unternähen...(c) nunette colour

Ach ja, und willkommen auf meinem Sofa – dies ist der Platz, an dem die meisten meiner Blogeinträge entstehen.

 

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Überforderung

Und wiedermal schlägt die Wahrheit der Verdrängung einen rechten Haken ins Gesicht. Bin gestern über diesen Bericht gestolpert. Ja, es ist keine Überraschung, dass es auf Lederfarmen so zugeht. Wir alle haben Lederschuhe (ok, Hella, fast alle…) – es sind Bekleidungsgegenstände, die aus den Kleiderkästen der Menschen kaum wegzudenken sind. Ich kann mich natürlich für den Gedanken erwärmen, darauf zu verzichten – ich mag Lederschuhe und -jacken, zugegeben. Wenn ich nicht darüber nachdenke, aus was sie gemacht sind.

Ich trage oft auch Alternativen zu Lederschuhen. Dazu gehören bei mir sechs Paar Chucks, von superverlatscht über bissl zu klein bis hin zu selbstdesignt. Doch auch von den Produktionsstätten von Converse liest man nichts gutes. Außerdem glaube ich, dass bei dieser massiven Plastik/Gummi-Produktion sich die die Fabriken umgebende Umwelt auch nicht wirklich freut. Oder die optische Seuche namens Crocs – die meisten der Billigkopien haben sehr hohe Schadstoffrückstände im Material..und Crocs-artige Schuhe trägt man bekanntlicherweise ja meist barfuß….

Es gibt Alternativen. Es gibt vegane Schuhe, die gar nicht mal so sehr nach Öko ausschauen wie gedacht. Es gibt Waldviertler – die mir persönlich aber dann doch wieder zu Öko ausschauen. Außerdem bin ich schlicht überfordert. Genauso, wie im Biogemüse der EHEC-Keim nachgewiesen wurde, im Biohendl die antibiotikaresistenten Keime, oder man auf dem Gemüse und Obst Spritzmittelrückstände hat, dass es einer Sau graust, oder Hühner in der Freilandhaltung kaum mehr Platz haben als solche in normaler Bodenhaltung, kann ich nicht wissen, was eigentlich bei der Produktion meiner Schuhe oder Kleider abgeht. Ich bin dem Produzenten im Grunde ausgeliefert.

Leute, ich bin überfordert. Was kann ich eigentlich noch anziehen, essen, trinken und ganz schlicht kaufen? Selbst wenn ich mich noch so bemühe, es wird immer etwas geben, das ich in sozialer oder ökologischer Hinsicht falsch mache. Ist es dann eine Lösung, auf gar keinen dieser Aspekte mehr zu achten, drauf zu pfeifen und einfach zu kaufen, was ich will? Schade ich damit nicht mir selbst am meisten (siehe „Schmutzige Wäsche“ von Greenpeace)? Oder soll ich aufs Land ziehen, in einem Hochbeet meine eigenen Karotten und Zucchini anbauen, fünf Hendln herumlaufen haben, meine Schuhe selbst herstellen, meine Kleidung aus selbst gewobenem Stoff selbst nähen, unbedingt noch ein paar Schafe haben – wegen des Käses und wegen der Wolle? Wo ist der Mittelweg, den ich gehen kann, ohne – vorsicht, ums Eck gedacht – mir dabei bewusst sein zu müssen, dass ich gerade verdränge?

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gnaaaa….

Heute war der erste Morgen seit Beginn des Shoppingboykotts, wo ich vor einem Kleiderkasten voller nichts anzuziehen gestanden bin. Irgendwie gehts heut nicht. Ich bin müde, ich hab Magenschmerzen, und nix gefällt, nix entspricht der Laune. Ohne Boykott würd ich heut nachmittag auf der Mariahilferstraße flanieren, soviel ist sicher.

Waren heut vormittag auch bei einem Siebzigerjahreflohmarkt. Kleidung und Schuhe vom Flohmarkt gehen gaaar nicht, deshalb dachte ich, ich sei auf der sicheren Seite und würde nur nach Deko und Möbeln schauen. Weit gefehlt. Diese Tasche. In grün. Cord. Mit fake Horngriffen. Mit langem Träger. Kurz: gnaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa………….

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Jagd auf roter Oktober…ääh…rotes Kleid

Na toll. Ich habe es gestern geschafft, in meinen aufgeräumten (!) Kästen alles nach einem ganz bestimmten Kleid umzudrehen, beide Schmutzwäscheeimer auszuleeren, bei einem gleich mal den Deckel zu ruinieren, und im „Kleiderfach“ des Kastens jedes Kleid rauszuräumen – um das gesuchte rote Teil (übrigens mein erstes Cora Kemperman-Stück) dann ganz brav aufgehängt an der Stange zu finden. Wo ich bereits dreimal nachgeschaut hatte. Ich will mein Chaos wieder zurück, aus den „Mount McWäschebergen“ hab ich die gesuchten Objekte meistens binnen fünf Minuten rausgekramt gehabt…

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The Uniform Project

Nehmt euch die fünf Minuten Zeit, die dieses Video dauert. Sheena Matheiken hat es sich vor ein paar Jahren zum Auftrag gemacht, ein ganzes Jahr lang das gleiche Kleid zu tragen – täglich neu im Styling, und zwar nur mit getauschten und geschenkten Accessoires oder welchen vom Flohmarkt. Zusätzlich zur kreativen Herausforderung sammelte sie damit Geld für Schulkinder in Indien. Ich bin restlos begeistert, und so oft mich Freunde fragen, wie ich denn mein eigenes Nichtkauf-Projekt durchhalten kann – eins weiß ich: Ein Jahr lang das gleiche Kleid, das würde ich nicht schaffen. Was ich etwas skurril finde, ist, dass Sheena Matheiken von der Modezeitschrift ELLE zur „Woman of the Year“ ernannt wurde – gerade in der ELLE gehts ja immer um neueste Trends, tollste Designerkleider. Dass eine solches Hochglanzmagazin eine Frau, die ein Jahr lang dasselbe trägt, so hochstilisiert, finde ich einerseits zwar super, anderseits … sorry …. komplett verlogen.

Eine von mir sehr verehrte Journalistin, Meike Winnemuth, hat selbiges auch mal durchgestanden. Ohne Geld für indische Schulkinder, aber dafür mit ganz viel Humor auf ihrer Website.

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