So, eigentlich wollt ich heut den zweiten „es kotzt mich an“-Skandal posten, aber mir ist was dazwischengerutscht: Gestern war ich im Fernsehen! Am Schauplatz nämlich. Die haben sich nämlich angeschaut, wie man „richtig“ Kleidung kauft – und ich hab über den Greenpeace-Report geredet. Ich habs mir gestern live aus lauter Nervosität nicht anschauen können. Aber schön, wenn man merkt, was für Sendungen der Freundeskreis so schaut. Wurde zeitgleich angetwittert von Daniela, angefacebookt von Eva, Doris und Sabine, angsmst vom Gregor, angerufen von Mama (vorher. „Du, der Schauplatz is. Geht um deine Fetzen.“ – „Ich weiß. Ich komm vor.“ Höhöhö…). Ich hab einmal eine Chemikalie falsch gsagt (NP statt NPE), aber ansonsten: Uff. Erleichterung. Und: Wie wunderbar ist diese Sendung? Sie haben sich echt viele Aspekte angeschaut.
Irgendwie bin ich grad sauer auf die ganze Welt. Es passieren grad so viele Dinge, bei denen ich mir einfach nur an den Schädel klatsch. Fall Nummer 1: DM.
DM war ja bisher Auftraggeber von manomama, sie produzierten Taschen, bei denen ich wirklich eifersüchtig war, dass es die in Österreich nicht gab. Es war der erste Auftrag von manomama, und ich finds einfach nur toll. Made in Augsburg von Langzeitarbeitslosen, aus Biobaumwolle, jederzeit retournierbar gegen neue Tasche oder Geld zurück, in vielen bunten Farben. In Deutschland entwickelten sie sich regelrecht zum Sammlerobjekt und wurden so zu einer richtig genialen Abhilfe gegen die Plastiksackerlflut, zumindest bei dm.
Und jetzt deckte eine Bloggerin auf: Die neuen Farben der Taschen sehen zwar fast genauso aus wie die alten, wurden aber in Indien gemacht. Und der Oberhammer: Miss manomama herself Sina Trinkwalder wusste nix davon!! Was ist denn das für eine Frechheit bitte? Schade, dm, ich mochte euch bisher. Aber das ist echt unterste Schublade. Nicht nur manomama hatte einen Image-Boost durch das Taschenprojekt, auch ihr. Voll im Fahrwasser eines Social Business, das es von Anfang an anders (und richtig!) gemacht hat.
Meine Nummer 2 an „Himmelnochmaldaskannjetztechtnichtwahrsein“-Geschichten kommt morgen. Aber bis dahin: dm, ihr habt das echt verkackt. Ordentlich, mit Anlauf. Natürlich dürft ihr aus betriebswirtschaftlicher Sicht sagen: OK, manomama wird uns zu teuer, wir verlagern doch wieder. Aber dann solltet ihr das auch rechtzeitig allen Beteiligten sagen. Und den KonsumentInnen obendrein, die glauben, sie sammeln da brav weiter manomama-Taschen.
Update: Sina Trinkwalder hat reagiert, und sie hat natürlich recht: Erst das Gespräch zu dm suchen. Aber: Sorry, als Konsumentin hab ich das Recht, mich aufzuregen. Wenn sie wenigstens wirklich anders aussehen würden, die Taschen. Aber das ist echt ein bissl sehr in Richtung KonsumentInnentäuschung, und darauf bin ich sehr allergisch.
Upcycling? Alte Sachen umnähen? Neues aus Altem entstehen lassen? Nein, das ist nicht der neueste heiße Scheiß und jetzt erst modern geworden, seit wir so ein Überangebot an Kleidung haben. Das gabs schon vor genau 100 Jahren. Zu sehen im Wien Museum, wo der Alltag im ersten Weltkrieg gezeigt wird.
Wie fängt ein guter Sonntag an? Man liegt im Bett, schaut gemütlich Serien, und es geht Di-Ding! Die Eva hat mir was auf die Pinnwand gepostet. Was? Das hier:
Sehr herzig die Reaktion von Eva: „ich war mal so aha aha und dann boaaaaaaaaaaaaaaaaaaaah“ 😀 Werte Susanne, ich verneige mich vor dir. Das war eine Wahnsinnsidee!
Jede/r BloggerIn, der oder die was auf sich hält, postete gestern oder heute einen Beitrag über dieses Video – gemacht von Dandy Diary, einem Männermodeblog, den ich eigentlich nicht wirklich mag. Für dieses Video find ich sie jedoch in Ansätzen cool (warum nur in Ansätzen? Da komm ich gleich dazu.). Spannende Beobachtung: Noch bevor die neue Designerkollaboration vom Textilschweden mit Alexander Wang in den Läden hängt, wird sie medial komplett zerschossen. Das ist ein wirklich gutes Zeichen, dass auch „konventionelle“ Blogger zu solch drastischen Mitteln greifen (und die Kohle dafür haben). Dieses Video tut dem Textilschweden sicher sehr weh.
Allerdings: Dieses Video wirkt auf mich nur halb-echt. Ich maße mir nicht an zu sagen, dass es solche Kinderansammlungen vor Nähmaschinen nicht gibt, die gibt es auf alle Fälle. Aber in dieser Fabrik wurde diese Kollektion nicht produziert. Was rechtlich sehr dunkelgrau ist, mich würds nicht wundern, wenn der Textilschwede jetzt seine Rechtsabteilung auf Dandy Diary hetzt. Aber sogar das wär noch ok, weil das Video in kürzester Zeit irre Reichweite hatte, und das ist gut so. Kinderarbeit existiert immer noch, egal, was uns Nachhaltigkeitsfuzzis oder CSR-Manager da seit Jahren erzählen. Und vor dem nächsten Absatz möchte ich nochmal ganz eindeutig und klar darauf hinweisen: Ich finde den Textilschweden scheiße. Ganz heftig scheiße. Eine Zeitlang hab ich ihn etwas besser gefunden als andere, weil er so viele Projekte in Sachen Nachhaltigkeit präsentiert, aber seit den letzten paar Minuten dieses Videos find ich ihn wieder endlos scheiße (wobei er sich da eh null von anderen Konzernen unterscheidet) und glaub den schwedischen Knallköpfen kein Wort mehr, in dem „Nachhaltigkeits-“ vorkommt. Ergo: Ich finds gut, dass sie an schmerzhafter Stelle (Designerkollaboration! Ah! Oh!) angeschossen werden.
Dennoch hab ich ein mulmiges Gefühl bei dem Video. Weil ich die Produzenten des Video recht kritisch sehe. Auf ihrem Blog stellen sie den heißesten Scheiß im Männermodebereich vor. Ohne Rücksicht auf Produktionsbedingungen oder Ökologie. Auf den ersten Blick wenig große und bekannte Marken, sondern eben High Level Designerzeug. Hat ja seine Berechtigung. Aber auf den Textilschweden schießen und gleichzeitig Produkte präsentieren, für deren Herstellungsweise man nicht garantieren kann, find ich etwas tragisch. Konsequent durchgedacht: Sie finanzieren sich durch Modepräsentation. Das heißt, das Geld für obiges Video ist durch ihre Präsentation konventioneller Mode zu ihnen gelangt. Das wiederum heißt: Ein konventioneller Modehersteller hat indirekt dieses Video produziert. Ist auch ok, nochmal, es ist nur ein mulmiger Beigeschmack. Ich mags die Perspektive einfach nicht, die sich mir aufdrängt, dieses „Wir sind in, wir sind total avantgarde, wir brauchen keine Fast Fashion, wir wollen keine Massenproduktion“, das auf den Textilschweden als den Billigen herabblickt. Bitte auch die Marken anschauen, die man in extrem stylish produzierten Lookbooks präsentiert. Ach, ich weiß auch nicht, irgendwie krieg ichs grad nicht hin, was ich sagen will.
Das Video ist wichtig und sollte, bevor es meiner Einschätzung nach in einiger Zeit vom Textilschweden gesperrt wird, seeehr viel geteilt werden. Weil noch verdammt viel zu tun ist. Unter dem Video war gestern ein Kommentar, wie man denn bitte an bestimmte Teile der Kollektion kommt. Autsch.
Und wieder einen Lesetipp für euch: „Ein guter Tag hat 100 Punkte“ von Thomas Weber. Im Biorama wurde schon vor einiger Zeit das entsprechende Konzept, das Weber in seinem Buch behandelt, vorgestellt: Alltagstätigkeiten und Produkte werden von relativ komplexen CO2-Ausstoßs-Unnachhaltigkeitszahlen runtergerechnet auf Punkte. 100 Punkte ist der Wert, den man nicht überschreiten sollte, wenn man nachhaltig leben will. Zehn Kilometer Radfahren hat null Punkte, zehn Kilometer mitm Polo 16, zehn Kilometer mitm Porsche Cayenne 53. Die Punkteaufzählung zieht sich durchs ganze Buch – und spätestens auf Seite 120 wird klar: Ich hab eigentlich auf Jahrzehnte ausgschissen. Warum? Weil ein Langstreckenflug (derer ich im Laufe der letzten zehn Jahre einige getätigt habe) 34485 Punkte verbraucht. Und dass ich allein schon durch meine Gasheizung (38 Punkte pro Tag aufs Jahr gerechnet) mir verdammt schwer tue, die 100 Punkte zu erreichen. Aber ich finde es trotzdem erstens unglaublich spannend, die Alltagstätigkeiten mal so runter zu rechnen, und zweitens ist genau diese tägliche Zählung das Feine: Man kann es jeden Tag neu versuchen, zu schaffen – und sollte sich eben nicht von den Langstreckenflügen fertigmachen lassen. Was ein bisschen schade ist: Abgesehen von den vielen Illustrationen gibt es keinen Gesamtüberblick der berechneten Tätigkeiten und Produkte. Den kann man dafür hier nachschauen. Wirklich spannend ist jedoch was anderes: Die Tipps, die er zu nachhaltigem Leben gibt, gehen weit über den klassischen bewussten Konsum hinaus. Im Vorfeld gabs schon etwas Aufregung aufgrund seiner doch etwas gewagten, aber nachvollziehbaren Thesen zum Fleischkonsum („esst Pandabären!“ – jetzt nicht erschrecken, sondern nachlesen. Interessanter Ansatz, und kein Pandabär landet dafür im Kochtopf), mich überraschen viel mehr einige andere Tipps, die er gibt.
Auf ZDF ist vor kurzem eine halbstündige Doku über den Textilschweden gelaufen. An sich gleichen sich diese Diskussionen ja immer sehr: Wir fahren ins Herstellerland, hui, wir finden grausliche Zustände, wir konfrontieren das Textilunternehmen, die putzen sich ab oder reagieren gleich gar nicht, und wir zeigen hübsch widersprüchliche Bilder zwischen supersauberer Filiale voller Style und Herstellerfabrik im Slum. So auch diese Doku – jedoch mit zwei Unterschieden. Erstens disqualifiziert sich die Nachhaltigkeitssprecherin vom Textilschweden ohne Ende. Und zweitens: Die letzten zwei Minuten. Da geht nämlich eine neue Bombe hoch, die in vergleichbaren Dokus bisher so nie gebracht wurde (aber im Endeffekt sehr logisch ist). So, dass ich, die solche Dokus aufsaugt wie ein Schwamm und sich alles Entsprechende anschaut, gerade ein lautes „Bist du deppert!!“ von mir gegeben habe.
Bisher hab ich oft gesagt, der Textilschwede sei wenigstens ein bissl weiter als andere in Sachen Nachhaltigkeitsmanagement. Und dass es viel Schlimmere als den gebe. Das ziehe ich hiermit zurück. Sie sind doch immer noch eine Baggage, alle zusammen.
Oh Mann, hab ich ein schlechtes Gewissen. Vor MONATEN habe ich ja bereits ein paar tolle Teile zur Verfügung gestellt bekommen, und zwar von odem.eu, einem Onlinestore, die nur Tencel-Produkte im Angebot haben. Mein tolles John-Lennon-Shirt ist von denen. Und weil ichs super find, wenn es alternative Angebote gibt, habe ich damals zugestimmt, dass ich auch ihre Yogamode vorstelle. Nur: Ich bin durch die Wirren der vergangenen Monate einfach nicht dazu gekommen, mich dem mal zu stellen (wobei, nein, faule Ausrede, im Büro wirds bei uns sogar angeboten, aber ich hab immer entweder das Gwand nicht mit oder keine Zeit oder bin nicht da oder wasweißich…).
Aber ganz so ohne Sport tu ichs halt auch nicht, drum hab ich mich letztens widerwillig auf meinen Hometrainer gesetzt. Und dabei die Sachen angehabt. Was soll ich sagen, ich bin wirklich recht angetan: Angenehm leicht und unglaublich weich. Nachdem ich eine bin, die beim Sporteln recht schnell schwitzt, ist mir auch aufgefallen, dass das Zeug sehr schnell trocknet.
Mit sportlicher Funktionskleidung kenn ich mich jetzt nicht so sehr aus, meine sportlichen Betätigungen finden immer entweder in Baumwollstretch-Tops oder gleich mal im Badezeug statt, aber was ich besonders schön finde: Tencel ist eine echte Alternative. Vor allem: eine umweltfreundliche. Nur bittebittebitte, liebe Leute, normale Viskose ist NICHT gleich Tencel. Bei Tencel gibts verringerten Chemikalien-Einsatz, während bei klassischer Viskose ordentlich Chemie reingebuttert wird. Das gleiche mit dem Energie-Einsatz, Tencel braucht VIEL weniger in der Herstellung als andere Fasern. Da haben sie sich schon was einfallen lassen, die Lenzings…
Und weil ich mich ganz, aber auch wirklich GANZ sicher nicht beim Sporteln ablichte, zeig ich euch die Teile einfach per Webshop-Foto- Die Dame ist auch um einiges hübscher als ich… auch wenn ihre Frisur ein bissl windverblasen wirkt 🙂
HIER gehts zum Top (das ich auch schon als normales Sommertop zu Jeansshorts anhatte, sehr hübsch),
Ich bin schon so gespannt…. diesen Film habe ich vor langer Zeit mal crowdgefundet. Jetzt wird er bald fertig. Die Handlung: Eine Doku über indische Baumwollbauern und deren Lebenssituation plus deren Selbstmorde. Von einer sehr humorvollen Person in Kombination mit der absoluten Absurdität westlicher Fashion Shows gebracht. Ja, das kann funktionieren. Schaut selbst: