Schlagwort-Archive: Konsumwahnsinn

Ichkaufnichtnix

Ich bin im Moment im Freundeskreis leider immer wieder mit Geldproblemen konfrontiert – da gibt es einerseits die, die alles ganz genau budgetieren, aber nichts sparen, und keine Altersvorsorge haben, und andererseits die, die alles ganz genau durchrechnen und sich sich einfach so mal schnell das neue MacBook leisten können, gleichzeitig aber brav Pensionsversicherung zahlen. Und dann gibt es die, die komplett drauf pfeifen und ohne nachdenken kaufen, manchmal sogar bis weit ins Minus. Ich bin irgendwo zwischen den ersten beiden… Keine Pensionsversicherung, aber auch kein MacBook. Schuldenfrei, aber keinen großen Polster (mehrere Pölsterchen eher, vorzugsweise an Popsch und Beinen, aber das ist wieder eine andere Geschichte..).

Ich habe keine teuren Stücke, bewundere die eine liebe Freundin, deren Schrank voller wirklich WIRKLICH cooler Designerstücke ist. Aber dennoch: Ich habe ein Vermögen in meine Bekleidung gesteckt! Unfassbar viel! Allein schon, wenn ich alle Jacken zusammenzähle, komme ich auf locker dreitausend Euro. Die ich anderweitig viel besser hätte investieren können. Bei Schuhen darf ich gar nicht anfangen nachzurechnen…

Ich bewundere meinen Bruder, der zwar gut verdient, aber aus diversen Gründen recht hohe Fixkosten hat. Als ich ihn kürzlich fragte, wie er das macht, dass ihm immer was übrig bleibt, meinte er lachend: „Ich kauf nix!“. Wirklich nix, Fernsehen statt DVDs, Bücher von mir, Spielzeug für die Kinder second hand, Urlaube bei Freunden in ganz Österreich.

Ich sollte das auch versuchen. Ich geb trotz Shoppingboykott immer noch zuviel aus. Habe immer noch das Problem, dass ich mich mit Einkäufen belohne oder ablenke, aber eben nicht mehr per Kleidung. Ich kauf keine Fetzen, keine Schuhe, keine Taschen, keinen Schmuck. Aber: Ich kauf nicht nix.

 

 

Blöd. Irgendwie.

 

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Kaufsucht und Konsumismus und das neue Bügeleisen

Kaufsucht – laut Wiki:

Die Kaufsucht (…) ist eine psychische Störung bei Konsumenten, die sich als zwanghaftes, episodisches Kaufen von Waren äußert. Sie wird (…) zu den Zwangsstörungen gerechnet (…). Sie war bereits 1909 in der ersten Auflage des Lehrbuches von Emil Kraepelin enthalten. Für die psychiatrische Diagnose ist wesentlich, dass nicht mehr der Besitz der Güter Handlungsziel ist, sondern die Befreiung von einem imperativen Drang durch die Kaufhandlung selbst. Die Sinnlosigkeit des Handelns ist den Kaufsüchtigen klar, insofern unterscheidet sich die Kaufsucht vom Konsumismus. Willensanstrengungen („Zusammenreißen“) helfen gleichwohl nicht. Wird der/die Betroffene an der Kaufhandlung gehindert, kommt es zu Entzugserscheinungen, etwa in Form vegetativer Erregung. Meist wird eine bestimmte Warengruppe (z. B. Schuhe) bevorzugt. Die weit über den Bedarf hinaus gekauften Gegenstände werden oft unausgepackt in der Wohnung gelagert oder gar weggeworfen.

Ok. Kaufsüchtig war und bin ich definitiv nicht. Solche Geschichten von wegen „nach 11 Monaten im Schrank eine Jacke gefunden, an der noch der Hangtag dran hing“ passierten mir nicht. Hin und wieder Fehlkäufe, ok, aber dass ich was kaufte und es umgehend vergaß, passierte mir nicht. Allerdings frage ich mich, wo mein derzeitiger Drang herkommt, IRGENDWAS zu kaufen. Ich fahre gemütlich am Fahrrad nachhause und überlege, ob ich mir ein neues Bügeleisen kaufen soll oder doch ein gebrauchtes, ob ich …. ich hätt doch so Lust drauf … mir eine neue Nähmaschine kaufen soll, so mit elektronischem Display. Ich hab einfach richtig Lust auf Geldausgeben, und darauf, was Neues aus einem Geschäft rauszutragen. So eine neue Nähmaschine wär ein reiner Lustkauf.

Dieser Wunsch, der kommt aus meinem Bauch. Mein Kopf (und der gewinnt meistens, in diesem Fall glücklicherweise) sagt mir, dass es genau sinnlos ist, mir im Geschäft was Neues zu kaufen, wenn ich locker was leiwandes Gebrauchtes auf willhaben.at finden könnte. Und dass das viel mehr Sinn macht – das sieht sogar mein Bauch ein, der fühlt sich auch wohler, wenn nicht das Gefühl von sinnlosem Verbrauch in ihm rumort. Und überhaupt: Mein Konto macht doch grad so viel Spaß, so ganz ohne diese lästigen Bindestriche.

Aber wie lässt sich dieses Gefühl definieren? Ich suchte weiter.

Konsumismus – laut Wiki:

Konsumismus (…) ist ein sich seit den 1970er Jahren einbürgernder Begriff, der gebraucht wurde, um den Konsum in den westlichen Gesellschaften als übersteigert zu kritisieren. (…) Eine seiner Folgen sei die Zerstörung der Vielfalt sozialer Lebensformen und die Einebnung der Kulturen in einer globalen konsumistischen Massenkultur, welche die Freiheitsvorstellungen mit einer „Pflicht“ zum Konsumieren auflade und die Menschen veranlasse, mit dem „Gefühl von Freiheit“ die Konsumimperative zu erfüllen. Die entsprechenden Dispositionen, die eine innere Leere, Langeweile, Überdruss und chronische Depressivität im Akt des Kaufens oder Konsumierens kompensierbar machen, gehören nach Fromm zum Charakterbild des modernen Menschen. Als „alltäglicher Konsumismus“ wird die (…) Tendenz vieler Menschen in den Konsumgesellschaften beschrieben, sich mit Produkten oder Dienstleistungen zu identifizieren und ihr Selbstwertgefühl davon abhängig zu machen. Dabei werden Produkte mit kommerziellem Markennamen und statushebenden Versprechungen vorgezogen. Insoweit der Konsumismusbegriff als abwertend wahrgenommen wird, lehnen ihn viele Betroffene ab und ziehen es vor, ihren Konsum mit rationalen Argumenten zu rechtfertigen; sie verwerfen die Idee, sie würden „gezwungen“ zu konsumieren. Menschen, welche die Ideologie des Konsumismus bejahen, bewerten die gekauften oder konsumierten Produkte nicht als in sich wertvoll, sondern benutzen sie gezielt als gesellschaftliche Statussymbole und Signale, um sich mit gleichgesinnten Menschen zu umgeben.

Teils durch unterschiedliche Übersetzungen von consumerism gibt es begriffliche Unklarheiten, da neben Konsumismus auch der Begriff „Konsumerismus“ üblich ist. Konsumerismus (aus dem englischen consumerism: Konsumdenken) ist ein ideologiekritischer Ausdruck aus den Sozialwissenschaften, wonach persönliches Glück mit dem Verbrauch von Wirtschaftsgütern erzielt wird. Konsumerismus beschreibt ein konsequentes Konsumdenken, wobei der Konsum zu einer Ersatzreligion wird. In diesem Sinne ist Konsumerismus gleichbedeutend mit Konsumismus.

Ok, das klingt zwar jetzt auch nicht hundertprozentig nach mir (was sind mir Marken piepegal….mit ganzganzg wenigen Ausnahmen, zB. die bunten Spanier), aber inhaltlich finde ich das sehr spannend – darum hab ich auch das ewig lange Zitat dringelassen. (Ich hoff, ihr habt bis hierher gelesen…nicht einschlafen 🙂 ).  Und irgendwie deprimierend, weil so wahr. Nur:  Ein Bügeleisen brauche ich, um meine ersten größeren Nähprojekte durchführen zu können. Es wäre also kein Kauf um des Kaufs willen und ich werd auch nicht dastehen und mich besuchenden Freundinnen erklären: „Schaumal, ein Tefal, der Ferrari unter den Bügeleisen!“. Das ist mir alles wirklich wurscht. Ich brauch ein Teil, ich will es zum Bügeln nutzen und nicht zum Angeben, und ich kämpfe mit meiner eigenen Kauflust, doch zu einem Gebrauchten zu greifen. Absurd, oder?
Vielleicht sollte ich es ganz anders angehen, a la Freecycle oder Share&Care: Hat jemand ein altes Bügeleisen für mich übrig?

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Die letzte Rechnung

Gestern habe ich mal wieder mein Geldbörsel kaum noch zumachen können – immer wieder ein Zeichen dafür, dass es Zeit wird, die angesammelten Rechnungen auszusortieren, eventuell noch was abzurechnen, und dann große Papierhaufen wegzuschmeißen.

Da fiel SIE mir in die Hand. Ich muss gestehen, ich wurde etwas wehmütig. Meine letzte, halt, nein falsch, meine vorletzte Rechnung vom Textilschweden. Schon ziemlich abgewetzt, aber schließlich schon auch weit über 100 Tage alt…

(c) nunette colour

(c) nunette colour

Wobei, es war kein Lustkauf, sondern ein Stresskauf. Am nächsten Tag sollte es in den Urlaub gehen, Teneriffa. Und dort trägt man bekanntlich als Glücksbringer am Silvesterabend rote Unterwäsche (und isst Trauben, an denen man im Optimalfall nicht ersticken sollte….aber das ist eine andere Geschichte). Die ich nicht hatte. Die ich nach dem Horrorjahr 2011 aber unbedingt haben wollte – nur ja nix falsch machen für 2012. Also: Schnell noch rein in den Laden.

Das Ergebnis fast schon klassisch: Aus dem

  • Unterwäscheset – wobei ich den Ausdruck „Netz“ etwas unpassend finde für das bissl Spitzenrand auf der Baumwolle – fand sich dann noch eine
  •  Hose (runtergesetzt auf 15 Euro, nicht anprobiert, sondern einfach gekauft, und richtig: einmal angehabt seither),
  • eine Bluse (nicht runtergesetzt, aber zu meiner Verteidigung: Die mag ich wirklich gerne und hab sie auch viel an),
  • noch ein BH und
  • mein größter Schandfleck, ich schäme mich: Ein von 5 Euro auf 2,50 runtergesetztes Top. Das ganz wie die Schokoriegel vor der Supermarktkasse kurz vor der Kassenschlange hing.

Dieser Einkauf war zwar nicht der Auslöser für meinen Shoppingstopp, und ich wusste damals auch noch nicht, dass es mein zweitletzter Textilschwedenbesuch sein sollte (zwei Tage vor Beginn schob es mich etwas panisch noch in Barcelona bei einem rein…). Aber: Genau diese Rechnung zeigt, dass ich den Stopp dringend nötig hatte.

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Eingebung

Vor lauter Beschäftigung mit dem Thema hat mich letztens ein Gedanke überrollt: Ich war zu Schulzeiten die klassische Außenseiterin. Größer als alle Burschen in der Klasse, Mädls sowieso, mit 15kg weniger als heute bei den anderen die „fette Sau“, habe andere Musik gehört als die meisten (Für Insider: Die anderen waren der U4-Dienstag, ich war der U4-Freitag und -Sonntag), habe einen anderen Schmäh gehabt, und mit einem guten Buch am Bett war mir lange wichtiger als mit einem schlechten Küsser im Bett (ist übrigens heute noch so – nur dass ich inzwischen weiß, was einen guten Kuss ausmacht).

Meistens war das auch in Ordnung, ich hatte immer schon gute Freunde, mit denen ich zusammenhielt, die Nachbarin, der Volksschulfreund und später die Tanzschulpartie. Aber ich könnte nicht behaupten, dass mir mein Außenseitertum immer rotzegal war. Im Gegenteil, es gab Zeiten, da wollte ich unbedingt zur Mädchenclique meiner Klasse dazugehören. Und das definierte ich über Kleidung. Wenn ich nur diese Schuhe/eine Markenjeans/jenen Pulli hätte, dann würde TheresaAndreaValerieLucieIsabel mich gut finden. Was muss ich meiner Mama auf die Nerven gegangen sein damals….

Dann begann die Uni, ich zog in eine WG – und alles wurde anders. Mein Freundes- und Bekanntenkreis explodierte, ich verbrachte meine Wochenenden mit einem Hintern auf fünf Parties, und ich wurde mutiger, optisch gesehen. Zog das an, was mir gefiel. Und fand es toll, dass ich mir dank gegebener Nachhilfestunden immer wieder neue Sachen leisten konnte, ohne durch den Filter „Mama zahlt, Mama urteilt“ gehen zu müssen.

Mein Verdacht: Es besteht ein Kausalzusammenhang zwischen meinem früheren Außenseitertum und meinem Drang, mich über Kleidung zu definieren – und das tue ich. Ich weiß, dass ich viel mehr bin als meine Hülle – ich bin stark, positiv, lache gerne und als deppert würd ich mich jetzt auch nur hin und wieder bezeichnen – aber: Es ist mir wichtig. Kleidung gibt mir Sicherheit.

Im Zuge dieser „Erleuchtung“, wo diese Gefühle herkommen, ist mir noch etwas aufgefallen: In meinem Freundeskreis befindet sich keine, die mich an TheresaAndreaValerieLucieIsabel erinnert.

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Shopping Queen?

Ich bin ja grad nicht so ganz gesund. Und war vorgestern zuhause. Pfuh, hat man da viel Zeit. Und man vermisst den Katzinger ganz heftig. Und man lenkt sich ab. Und schaut fern. Und stolpert über Shopping Queen. Ich hab das erstmal kapieren müssen. Da bekommt jede Frau 500 Eier in die Hand gedrückt und muss sich einem Motto entsprechend einkleiden? In „nur“ vier Stunden?

Das ist mal wieder eine Sendung wie ein Autounfall: Grauslich, aber man kann nicht wegschauen. Die Frauen hauen Geld raus für Kleidung, die sie wahrscheinlich genau nie wieder tragen (oder was macht eine Endvierzigerin mit einer Vorliebe für Lila mit einem Femme Fatale – Kleid mit Ausschnitt bis zum Bauchnabel nochmal?). Natürlich, tief in mir drin: Boah. Neid. Mag auch shoppen…

voxnow.de

voxnow.de (Klick aufs Bild = direkt zur Sendung!)

Ich glaub aber, ich würde das eiskalt ausnutzen, mir nur Zeug kaufen, das mir gefällt, zB. Sockenpulli und graue Bikerboots 🙂 , und dann in Kauf nehmen, das ich am Thema vorbei bin. Ätsch. Bin ich halt eine Femme Fatale im Fetzenlook…

Lustig auf alle Fälle, eine Sendung, die sich nur mit Shopping auseinandersetzt, ohne auch nur irgendwie im Entferntesten zu reflektieren. Fällt mir, die grad hauptsächlich mit Reflektieren über Shopping beschäftigt ist, grad besonders auf… und zwar nicht gerade positiv. Nicht Shopping als Belohnung, sondern Belohnung für „das beste“ Shopping obendrein. Fast schon ein bissl pervers.

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Ich rieche Fisch…

Mein Shoppingboykott hat bekanntermaßen erst am 16. Jänner und nicht schon am ersten begonnen. Warum? Weil ich noch ein Wochenende in Barcelona war. Weil in Barcelona Desigual gaaaaanz groß ist. Und weil ich Desigual liebe. Und weil das so ist, war ich am 14., dem Samstag, nochmal im Desigual-Store – und hab nix gefunden. Komplette Überforderung vor lauter Muster und Farben. Aber dann am Flughafen am Sonntag. Alles noch offen, der Holde grad irgendwo, und ich mitten im kleinen, aber feinen Desigual-Store in der Duty-Free-Zone. Und mit mächtig Bammel im Handgepäck, mein Jahr ohne Kleiderkauf würde am nächsten Tag starten. Das Ergebnis: Ein Panikkauf, den ich inzwischen heiß und innig liebe: ein Mantel.

Nachdem ich auch sonst noch einige Teile von Desigual im Schrank hängen hab, wollte ich mich mal ein bißchen informieren, wie dass denn bei denen so ausschaut mit Nachhaltigkeit, Umweltschutz und ähnlichem. Bis auf ein, zwei Interviews, in denen der Boss zugibt, in China und Indien nähen zu lassen, fand ich wirklich kaum etwas. Sehr verdächtig. Der Google-Begriff „Desigual Kritik“ ist kaum ergiebig. Dann fand ich auf der Desigual-Homepage den Press-Corner.

Zur Erklärung: Auf einem Press Corner der Website eines Unternehmens sollte man mirnixdirnix, SCHNELL die relevanten Infos, die neuesten Presseaussendungen plus hochauflösende Fotos finden, und ganz wichtig: Ansprechpartner, Kontaktadressen. Warum ich das weiß? Das ist mein Job! (Und keiner schaut sich jetzt auf der Homepage meines Arbeitgebers um…ich red mich hiermit auf den geplanten Relaunch raus…)

Nicht so bei Desigual. Für den Press Corner braucht man eine Anmeldung. Ganz brav hab ich alle meine Daten angegeben – und es funktionierte nicht, ich war „not authorised to view this page“ (auch, als ich schummelte und die Zeitung angab, bei der ich früher mal geschrieben habe). Desigual – ich mag euch wirklich, wirklich, wirklich gerne, ich liebe eure Looks. Meistens. Aber ihr habt definitiv was zu verstecken.

Ich bleib dran. Das find ich jetzt spannend. Aber ich vermute, ich brauche spanische Übersetzungshilfe. Uli? Hella? Manu? Freiwillige vor, bittebittebitte 🙂

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Luxusproblem?

Seit Wochen warte ich drauf, dass mir irgendjemand erklärt, was für ein verwöhntes Etwas mit einem absurden Luxusproblem ich bin. Ok, verwöhntes Etwas hat er nicht gesagt, absurd auch nicht, aber vom Luxusproblem hat er gesprochen, der Herr Kollege. Und recht hat er.

Absolutes Luxusproblem. Und schau ich mir mein Leben an, dann ist das auch wirklich luxuriös. Ich habe eine schöne Wohnung, mein Freund hat ein Auto, das ich jederzeit nutzen kann, Laptop, Handy, Computer, Fahrrad, ein großes Bücherregal – alles vorhanden, aber alles nicht im High-End-Bereich. Es gibt in meiner Familie und der meines Freundes unglaublicherweise drei verschiedene Ferienwohnungen/häuser, die wir jederzeit nutzen können. Plus – für mich VIEL luxuriöser – ich habe eine tolle, liebevolle Familie, die eisern zusammenhält, eine Mann, der mir gewachsen ist und den ich liebe, und einen tollen Freundeskreis, den ich für nichts in der Welt hergeben würde. Das ist für mich wirklich Luxus. Ich bin mir meines Glücks bewusst. Verdienen tu ich für eine Akademikerin recht wenig – aber ich lebe luxuriös und weiß das.

Aber: Manche, nein, viele KÖNNEN sich halt einfach nur KiK leisten und haben preislich keine Alternativen. Es gibt Leute, die können sich überhaupt keine Klamotten leisten und sind von Spenden abhängig. Da gehts dann nicht mehr um Style, da gehts um Wärme, darum, irgendwas am Körper zu haben. Und dann ist das, was man am Körper hat, oft auch noch der einzige Besitz.

Und das alles gibts natürlich in Österreich, nicht irgendwo weit weg. Ja, ist mir alles klar. Nur (und das mag sich jetzt für manche wie eine billige Ausrede anhören): Ich kann und will nur aus meiner eigenen Welt heraus agieren und argumentieren, alles andere wäre doch unglaubwürdig, oder?

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Mäser Austria

Ich habe recherchiert: Mäser, die alte Vorarlberger Bekleidungsfirma, gibt es noch. Firmensitz: Essen/Deutschland. Schräge Welt. Kein Hinweis auf Ort der Herstellung, aber unter dem Punkt „Werte“ steht auf der Homepage: „… Entwicklung eines Skirollis mit integrierten und waschbaren Kopfhörer sowie auf Kundenanfrage des teuersten Skirollis der Welt, bestückt mit echten Swarovski-Kristallen.“ Oidaaaaaaaaaa………

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Saufen und Shoppen

Ich amüsiere mich grad und kann meine Forderung nach Öffnungszeiten für Onlineshops nur wiederholen: Eine Studie der Universität Oxford (erschienen Ende 2011) hat ergeben, dass online am meisten in der Zeit zwischen 18 und 24h eingekauft wird – und dass viele Käufer betrunken sind. Der Standard erklärts schön:

In einem Geschäft werden offensichtlich betrunkene Personen gebeten zu gehen – schließlich wünscht kein Inhaber eventuelle Schäden durch eine torkelnde Kundschaft. Im Online-Shop hingegen können Schnapsnasen nichts ruinieren, abgesehen von ihrer finanziellen Situation.

Hier gehts zum NY-Times-Artikel. Jetzt kapier ich auch, wieso in dem einen feinen kleinen Modeschmuckgeschäft auf der Mariahilferstraße echt oft ein Glas Sekt angeboten wird…

Und wie es mir geht? Danke der Nachfrage! Ich hab mein zwischenzeitliches Gnaaa wieder abgelegt und wohne inzwischen in meiner zerlöcherten Lieblingsjeans (Boyfriend-Cut, musste ich letztes Jahr uuunbedingt haben. Ist allerdings sogar mir so weit, dass mein Boyfriend locker zweimal reinpassen würde…), die aufgrund der Löcher im Winter nicht tragbar ist…

Sollte die Löcher mal unternähen...(c) nunette colour

Sollte die Löcher mal unternähen...(c) nunette colour

Ach ja, und willkommen auf meinem Sofa – dies ist der Platz, an dem die meisten meiner Blogeinträge entstehen.

 

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Überforderung

Und wiedermal schlägt die Wahrheit der Verdrängung einen rechten Haken ins Gesicht. Bin gestern über diesen Bericht gestolpert. Ja, es ist keine Überraschung, dass es auf Lederfarmen so zugeht. Wir alle haben Lederschuhe (ok, Hella, fast alle…) – es sind Bekleidungsgegenstände, die aus den Kleiderkästen der Menschen kaum wegzudenken sind. Ich kann mich natürlich für den Gedanken erwärmen, darauf zu verzichten – ich mag Lederschuhe und -jacken, zugegeben. Wenn ich nicht darüber nachdenke, aus was sie gemacht sind.

Ich trage oft auch Alternativen zu Lederschuhen. Dazu gehören bei mir sechs Paar Chucks, von superverlatscht über bissl zu klein bis hin zu selbstdesignt. Doch auch von den Produktionsstätten von Converse liest man nichts gutes. Außerdem glaube ich, dass bei dieser massiven Plastik/Gummi-Produktion sich die die Fabriken umgebende Umwelt auch nicht wirklich freut. Oder die optische Seuche namens Crocs – die meisten der Billigkopien haben sehr hohe Schadstoffrückstände im Material..und Crocs-artige Schuhe trägt man bekanntlicherweise ja meist barfuß….

Es gibt Alternativen. Es gibt vegane Schuhe, die gar nicht mal so sehr nach Öko ausschauen wie gedacht. Es gibt Waldviertler – die mir persönlich aber dann doch wieder zu Öko ausschauen. Außerdem bin ich schlicht überfordert. Genauso, wie im Biogemüse der EHEC-Keim nachgewiesen wurde, im Biohendl die antibiotikaresistenten Keime, oder man auf dem Gemüse und Obst Spritzmittelrückstände hat, dass es einer Sau graust, oder Hühner in der Freilandhaltung kaum mehr Platz haben als solche in normaler Bodenhaltung, kann ich nicht wissen, was eigentlich bei der Produktion meiner Schuhe oder Kleider abgeht. Ich bin dem Produzenten im Grunde ausgeliefert.

Leute, ich bin überfordert. Was kann ich eigentlich noch anziehen, essen, trinken und ganz schlicht kaufen? Selbst wenn ich mich noch so bemühe, es wird immer etwas geben, das ich in sozialer oder ökologischer Hinsicht falsch mache. Ist es dann eine Lösung, auf gar keinen dieser Aspekte mehr zu achten, drauf zu pfeifen und einfach zu kaufen, was ich will? Schade ich damit nicht mir selbst am meisten (siehe „Schmutzige Wäsche“ von Greenpeace)? Oder soll ich aufs Land ziehen, in einem Hochbeet meine eigenen Karotten und Zucchini anbauen, fünf Hendln herumlaufen haben, meine Schuhe selbst herstellen, meine Kleidung aus selbst gewobenem Stoff selbst nähen, unbedingt noch ein paar Schafe haben – wegen des Käses und wegen der Wolle? Wo ist der Mittelweg, den ich gehen kann, ohne – vorsicht, ums Eck gedacht – mir dabei bewusst sein zu müssen, dass ich gerade verdränge?

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