Archiv des Autors: nunette

Produktion von Kleidung – das andere Ende

Spät, aber doch: mein heutiger Blogbeitrag. Und allzu textintensiv ist er auch nicht, dreimal dürft ihr raten.. 🙂

Heute gehts mal weit weg von Fast Fashion, Massenproduktion in Billiglohnländern und Trends von der Straße: Bei einer Bekannten bin ich über dieses Imagevideo von Dior gestolpert. Viel Aussage hat es nicht, aber es zeigt meines Erachtens nach eindrucksvoll, wieviele Schritte benötigt werden, um wirklich Haute Couture herzustellen. Mode, die sich auf einem komplett anderen Level abspielt als wir in unserem Alltag kennen.

Ja, ist ein Imagefilm, aber ein schöner. Klick aufs Foto: Ab zum Video!

dior

 

Vorfreude auf Amsterdam: Ach, Cora, my love…

Ich darf in sehr naher Zukunft aus beruflichen Gründen nach Amsterdam – und hab mir dort gleich mal einen Tag frei genommen. Übernachte bei einer lieben Freundin und habe beschlossen, ich habe ein Date mit der Stadt, nur die Stadt und ich. Einfach, weils so schön ist dort, die Grachten, die Stimmung, die alten Häuser, alles fein!

Wer das Buch gelesen hat, weiß: Aaah! Amsterdam! Da gibts ja Cora! Cora Kemperman nämlich! Ja, das wird der einzige Laden sein, in den ich schauen werde. Biobaumwolle, eigene Produktion in Indien und Italien, und dann: raffinierte Schnitte, so wunderschön! Mal schauen, was ich dort so find, was ich nicht brauchen werde. Cora Kemperman ist ein Laden, in den ich sooooo selten komm, ich freue mich förmlich auf den Genuß, die Kleiderstangen entlang zu gehen, einzelne Teile genauer anzuschauen, und zu überlegen: Könnte das in meine Garderobe passen? Bin gespannt, mein „ich brauch nix“-Gen ist derzeit wieder stärker ausgeprägt (und nein, ich werde mir diese Schuhe nicht kaufen, weder bei Amazon noch sonst wo, ich brauch sie wirklich nicht – auch wenn ich mittlerweile täglich von ihnen träume). Aber selbst wenn ich nicht zuschlagen sollte: Sind die Sachen nicht wunderschön?

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(c) corakemperman.nl

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Hach, dieser Rock. Im Sommer. Sommer… SOOOOMMMEER!! GRMPF…(c) corakemperman.nl

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(c) corakemperman.nl

 

Getaggt mit

„Sinnvoller, PET-Flaschen zu verbrennen als zu recyclen“

Harte Ansage!

Ich hab schon wieder ein Filmchen für euch. Übrigens: Ich find das grandios, dass inzwischen wirklich so derartig viele Dokus, Reportagen und sonstiges über die Textilproduktion produziert werden! Diese hier von Arte, auch von einer Leserin geschickt bekommen (ich bin so dankbar dafür, ich müsst ja den ganzen Tag fernsehen und surfen, um auf all diese Geschichten zu kommen! Danke euch!!). Und schön, dass es ein Wissenschaftler so deutlich sagt:

  • Die Kleiderrücknahmen der großen Unternehmen sind kein Re-, sondern Downcycling, weil man aus den bunten Stoffen aus unterschiedlichen Materialien nur noch industrielles Füllmaterial machen kann.
  • Sina Trinkwalder ist im Moment eine der innovativsten Unternehmerinnen Deutschlands. Alles Gute, übrigens!
  • Kunstfaser-Recycling braucht irr viel Energie und ist eigentlich nicht wirklich ökologisch.

Klick aufs Bild –> Ab zum Video!

xenius bunt

 

Xenius Sina

10 Punkte, warum Primark zum Hinterletzten gehört

Ich finde diesen Text so unglaublich toll.  Da wird mal zusammengefasst, was bei Primark grad alles schief rennt. Eigentlich irre:

  1. In den Kleidern stecken jede Menge Chemikalien. Zwar hat Primark auch die Detox-Kampagne unterschrieben, aber ich habe das Gefühl, für die ist 2020 (das Zieldatum, an dem die Lieferkette frei von acht verschiedenen Chemikaliengruppen sein soll – und ersetzt durch erwiesen unschädliche Alternativen) noch weeeeit weg.
  2. Diese Chemikalien, ob schädlich oder nicht, stinken. Und belasten damit die MitarbeiterInnen. Hab ich auch so erlebt, pfuigrauslichwäh riechts da drin.
  3. Primark hat anscheinend wissentlich verschimmelte Ware zum Verkauf angeboten – sie kam feucht an und wurde einfach mal aufgehängt.
  4. Die Arbeitsbedingungen? Nun ja, Primark war eine jeder Firmen, die in den Fabriken am Rana Plaza Gelände produzieren ließen. Soviel dazu…. Bei Shirts um zwei Euro muss man dazu wohl nicht wirklich viel schreiben, oder?
  5. Bei Primark hängen in jedem Winkel Kameras. Anscheinend auch in dem Winkel, von dem aus man die Codeeingaben der KundInnen an den Bankomatkassen sieht. Wie sympathisch! Die Huffington Post schreibt im oben verlinkten Artikel: „In mindestens einer Filiale laufen auch Untersuchungen, ob Kunden beim Bezahlen ausspioniert worden sein könnten.“
  6. Mit den MitarbeiterInnen gehen die auch recht gewitzt um: Es gibt anfangs nur befristete Verträge (gut, keine Seltenheit), aber dass man nicht verlängert wird oder gar einen unbefristeten Vertrag bekommt, erfährt man zum letztmöglichen Zeitpunkt. Es scheint zwar überwiegend unbefristete Verträge zu geben, aber bis man mal dort ist, pfuh.
  7. Krank sein ist nicht. Wer krank ist, fliegt (oder wird zumindest nicht verlängert). Zeigt ziemlich gut, dass Primark seine MitarbeiterInnen anscheinend genauso als ersetzbare Ware sieht wie seine Produkte.
  8. Die Mitarbeiterzufriedenheit liegt dennoch bei knapp 80 Prozent – weil Primark anscheinend etwas besser zahlt als andere. Schönes Zitat aus dem soeben verlinkten Artikel: „Aber: 18 Prozent der Mitarbeiter sind offenbar nicht stolz darauf, bei Primark zu arbeiten. Seltsam: Knapp 20 Prozent der Primark-Mitarbeiter haben Zeitverträge. Ist das Zufall?“
  9. Huffington Post: „Primark-Mitarbeiter sind häufig krank, weil sie unter Druck gesetzt werden. Weil sie Angst vor Vorgesetzten haben. Angst haben, ihren Job zu verlieren. Einige Mitarbeiter begeben sich deshalb sogar in psychische Behandlung. Und sie schämen sich.“
  10. Diese „Unsere Ethik“-Seite von Primark hat mich gerade zu einem ordentlichen Lachanfall gebracht:
screenshot (c) primark.at

screenshot (c) primark.at, Markierungen in gelb und rot von mir

Ich hab ja schon die „nachhaltigere“ Kollektion vom Textilschweden unterirdisch gefunden, und ihm unterstellt, mich für fetzendeppert zu halten. Aber „sauberere“ Produktion ist echt schon zu gut! Mein Papa hat immer sauberererer gesagt, wenns um solche Steigerungen ging. (Papa zu Nunu, 11, nach einem solchen saubererer-Zwischenfall: „Na, wie heißts? Gescheit, gescheiter, …?“ Nunu, gelangweilt, sicher wieder so ein öder Papa-Schmäh: „Haaaha. Gescheitererer…“ Papa: „Nein, Gescheitert.“).

Sauberere Produktion. Unfassbar. Wie kann man Menschen nur für so dermaßen blöd verkaufen, das auch noch als Fortschritt im CSR-Bereich zu bezeichnen. „Sauber sind wir nicht, aber immerhin sauberer als total dreckig!“ Wargh!!! Und was hat die Weltbank da eigentlich verloren bei der saubererererererern Produktion? Der Blödel-Gedankengang in Richtung Geldwaschen (sauberer!) ist da dann doch recht schnell da 🙂

Schade eigentlich, dass ich eher zu hohem als zu niedrigem Blutdruck neige. Denn die Beschäftigung mit diesem Laden ist bei mir ein wunderbares Mittel, selbigen komplett ohne Einnahme von irgendwelchen pharmazeutischen Produkten und/oder Koffein sofort raufzubeamen.

Ich kauf das nicht statt ich kauf nix

Bin schon vor ein paar Wochen drübergestolpert, und möchte diesen wunderbaren Tumblr nun teilen: Ich kauf das nicht zeigt den immer schlimmer werdenden Sexismus in der Werbung auf. Eins meiner Lieblingsthemen, dieses wahnsinnige Darstellen und Stützen von Klischees wie Mann und Frau zu sein hat. Ich könnt so kotzen. Ich weiß, ist etwas off-topic, aber mir wichtig: Augen offen halten und Kritik kommunizieren. Mir gehts gar nicht drum, ob da jetzt Männer Frauen durch ihre Darstellungsweise unterdrücken, mir  gehts um diese unglaubliche Blödheit! Auch das untenstehende Motiv ist definitiv in Männerhirnen entstanden, und von Männern entwickelt worden. So stellen die sich das also vor, die selbstbewusste Frau von heute. Aha.

(c) Ichkaufdasnicht.tumblr.com

(c) Ichkaufdasnicht.tumblr.com

Als Amazon mich vom Kauf von Schuhen abhielt

Fortschritt. Manche Schritte dauern Jahre. Und immer wieder kommen innere Kämpfe. Ganz schwierig ist es bei Schuhen, immer noch. Ich liebe Schuhe, und ich finde es wahnsinnig schwierig, halbwegs „gut“ produzierte Schuhe zu finden, die erstens mir passen und zweitens nicht aus drei Kilometer Entfernung im Nebel nach „ich bin ein Öko-Schuh“ aussehen. Sehr stolz bin ich auf meine Softclox, die vereinen schon viele von meinen Ansprüchen.

Vor ein paar Monaten bereits hatte ich diese Stiefeletten von Think! in einer Zeitschrift entdeckt und mich spontanverliebt. Weiterlesen

Breitseite gegen Primark

Wow, Volltreffer aus überraschender Richtung!

Primark steht unter Beobachtung.

Auch die Welt am Sonntag schreibt:

In fünf Bundesländern haben zudem die für Arbeitsschutz zuständigen Aufsichtsbehörden Kontrollen in Primark-Filialen durchgeführt, nachdem Mitarbeiter sich unter anderem über heftigen Lärm und Chemikalienausdünstungen aus den Kleidern beschwert hatten.

In Hessen gab es in den vergangenen beiden Wochen zum wiederholten Mal solche Kontrollen, in Nordrhein-Westfalen lässt das Arbeitsministerium derzeit Textilproben auf möglicherweise gesundheitsschädigende Ausdünstungen untersuchen. In einigen Fällen musste Primark den Behörden zufolge nachbessern.

Find ich ja cool, das Arbeitsministerium nimmt Textilproben – endlich mal ein interessanter Ansatz! Die scheinen ja wirklich ein Laden zu sein, der nicht nur ganz zweifelhafte Einstellungen transportiert (schnell! kauf! kostet nix! lad dir den Einkaufswagen voll!), sondern auch selbst lebt. Überraschung? Nein.

Neues Projekt: 365 Tage Second Hand

Ich hab ja schon ein, zweimal drauf verwiesen: Daily Rewind. Die Frankfurterin Hindi hat für 2015 ein in meinen Augen sehr spannendes Projekt: Jeden Tag Outfits aus Second Hand Mode tragen. Am Anfang hagelte es auch von meinen Leserinnen Kritik: Ja was ist das schon, na bitte das regt doch auch nur den Konsum an, und das ist doch keine Leistung….

Doch. Ich finde, das ist eine sehr tolle Leistung. Abgesehen vom operativen (jeden verdammten Tag Fotos machen müssen, jeden verdammten Tag neue Outfits zusammenstellen, das kostet Zeit, und das ganze findet neben ihrem normalen Job statt!!) finde ich ihren Ansatz einfach auch super: Sie zeigt, wie unglaublich stylish und cool Second Hand ist. Meine Argumentation geht da parallel zu der, warum ich Maddie so verteidigt habe: Hindi erreicht im Gegensatz zu mir, deren Publikum für Konsumkritik usw. inzwischen über weite Strecken schon ein bisschen sensibilisiert ist (inzwischen, am Anfang war das anders, gemessen an den Kommentaren), Leute, die Hessnatur für eine Joghurtsorte und Secondhand für stinkenden Müll halten. Und es ist doch völlig wurscht, ob man die Menschen beim Gewissen, beim Style, beim Hedonismus oder beim Hausverstand abholt: Hauptsache, es bewegt sich etwas! Hauptsache, Leute beginnen irgendwie nachzudenken über die Art, wie sie sich kleiden – denn das ist der erste Schritt zur Veränderung!

Übrigens: Weil Hindi nicht blöd ist (im Gegenteil, und zuckersüß ist sie auch, was ich bisher so mitbekommen hab aus Gesprächen mit ihr, hab sie nämlich sehr ungeniert angequatscht) und auch ihr von Anfang an klar war, dass das wohl ein bissl viel an Neugekauftem ausm Secondhand-Laden wäre, wenn sie wirklich nur neue Outfits vorstellen wollte, musste eine Lösung her. Also: Schwupps, Kooperationen mit einigen Läden in Frankfurt eingefädelt: Ausborgen, einen Tag tragen, waschen, zurückgeben, fertig.

Ich finds super, echt. Aber mit der Ausborgerei täte ich mir streckenweise ganz schön schwer (noch ein Respektspunkt an Hindi). Hin und wieder sind da Teile dabei, die ich auch nicht mehr hergeben wollen würde. Ich freu mich jeden Tag auf ihr neues Outfit, und echt oft sind welche dabei, die ich einfach wunderschön finde. Das Blumenkleid zu den Jeans, den Stiefeln und dem Schal: Fantastisch! Oder auch die schwarze Hose (die in Wahrheit ein bissl glitzert und glänzt), die bin ich ihr echt neidig. Und zu den Ombre-Jeans sag ich gleich mal gar nix mehr…..Ombre halt.  Ja, Second Hand Mode ist ursprünglich Fast Fashion gewesen. Produziert unter schlechten Bedingungen, sozial und ökologisch eine Katastrophe. Aber Second Hand hat auch eine gewaltige Legitimierung: Produzenten von Fast Fashion rechnen damit, dass Teile ein paar Mal getragen und dann weggegeben werden – damit neues, „trendigeres“ nachgekauft werden kann. Träger von Second-Hand-Mode verlängern jedoch die Lebenszeit eines Kleidungsstücks nochmal gewaltig. Keine Neuproduktion nötig, danke, unter den gebrauchten Sachen befindet sich genügend, das auch optischen Ansprüchen genügt. Second Hand kann wirklich wunderschön sein. Man muss sich nur drauf einlassen.

Alle Fotos: (c) DailyRewind.de – das sind meine bisherigen Favoriten ihrer Styles.

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Von Murks und Schnee

Puh, alles weiß da draußen! Ich bin ja kein rasender Fan von Schnee in der Stadt – werd mich jetzt trotzdem aber gleich warm einpacken und rausbewegen, da ich eine wundervolle Bekannte zum Frühstück treffe. Und danach, hach, da freu ich mich drauf (aufs Frühstück mit der lieben N. natürlich auch!), dann werd ich mich am Sofa einkuscheln, mir einen großen Humpen Tee hinstellen, und das nächste Buch lesen, das bei mir zur Rezension ansteht:

Hat jetzt wenig mit Textil zu tun, aber viel mit einer Tatsache, mit der ich mich immer mehr beschäftige und die mich immer mehr aufregt: Wir KonsumentInnen werden streckenweise sowas von verarscht, dass es zum aus der Haut fahren ist. Aber jetzt erstmal rein in die dritte, vierte und fünfte Haut, damit ich da draußen im Schnee nicht festfrier!

Billig statt Lumpen, was für eine Lösung

Heut mal ein „gemütliches“ Samstags-Fernseh-Programm für euch. Von einer lieben Leserin geschickt bekommen, die davon sehr schockiert war, hab ichs mir selbst vor ein paar Tagen angeschaut, und pfuuuh. Lehrerin aus der Bronx, die nur in Second Hand herumläuft, wird gestyled. Die Sendung fasst so ziemlich ALLES zusammen, was mich in der ganzen Diskussion rund um Fair vs. Fast Fashion nervt. Auch wenn da sicher fast alles überinszeniert ist, allein schon die Messages in der Sendung, puh, war mir plötzlich kalt.

sixxx

1) Die Lehrerin rennt wie ein lebendes Vorurteil gegen Second-Hand-Mode herum, Vogelscheuchen-Style könnt man es uncharmant nennen. So wie sie es macht, macht man es nicht. So wie Hindi es macht, so macht man es. Weiterlesen