Ich hab ja schon ein, zweimal drauf verwiesen: Daily Rewind. Die Frankfurterin Hindi hat für 2015 ein in meinen Augen sehr spannendes Projekt: Jeden Tag Outfits aus Second Hand Mode tragen. Am Anfang hagelte es auch von meinen Leserinnen Kritik: Ja was ist das schon, na bitte das regt doch auch nur den Konsum an, und das ist doch keine Leistung….
Doch. Ich finde, das ist eine sehr tolle Leistung. Abgesehen vom operativen (jeden verdammten Tag Fotos machen müssen, jeden verdammten Tag neue Outfits zusammenstellen, das kostet Zeit, und das ganze findet neben ihrem normalen Job statt!!) finde ich ihren Ansatz einfach auch super: Sie zeigt, wie unglaublich stylish und cool Second Hand ist. Meine Argumentation geht da parallel zu der, warum ich Maddie so verteidigt habe: Hindi erreicht im Gegensatz zu mir, deren Publikum für Konsumkritik usw. inzwischen über weite Strecken schon ein bisschen sensibilisiert ist (inzwischen, am Anfang war das anders, gemessen an den Kommentaren), Leute, die Hessnatur für eine Joghurtsorte und Secondhand für stinkenden Müll halten. Und es ist doch völlig wurscht, ob man die Menschen beim Gewissen, beim Style, beim Hedonismus oder beim Hausverstand abholt: Hauptsache, es bewegt sich etwas! Hauptsache, Leute beginnen irgendwie nachzudenken über die Art, wie sie sich kleiden – denn das ist der erste Schritt zur Veränderung!
Übrigens: Weil Hindi nicht blöd ist (im Gegenteil, und zuckersüß ist sie auch, was ich bisher so mitbekommen hab aus Gesprächen mit ihr, hab sie nämlich sehr ungeniert angequatscht) und auch ihr von Anfang an klar war, dass das wohl ein bissl viel an Neugekauftem ausm Secondhand-Laden wäre, wenn sie wirklich nur neue Outfits vorstellen wollte, musste eine Lösung her. Also: Schwupps, Kooperationen mit einigen Läden in Frankfurt eingefädelt: Ausborgen, einen Tag tragen, waschen, zurückgeben, fertig.
Ich finds super, echt. Aber mit der Ausborgerei täte ich mir streckenweise ganz schön schwer (noch ein Respektspunkt an Hindi). Hin und wieder sind da Teile dabei, die ich auch nicht mehr hergeben wollen würde. Ich freu mich jeden Tag auf ihr neues Outfit, und echt oft sind welche dabei, die ich einfach wunderschön finde. Das Blumenkleid zu den Jeans, den Stiefeln und dem Schal: Fantastisch! Oder auch die schwarze Hose (die in Wahrheit ein bissl glitzert und glänzt), die bin ich ihr echt neidig. Und zu den Ombre-Jeans sag ich gleich mal gar nix mehr…..Ombre halt. Ja, Second Hand Mode ist ursprünglich Fast Fashion gewesen. Produziert unter schlechten Bedingungen, sozial und ökologisch eine Katastrophe. Aber Second Hand hat auch eine gewaltige Legitimierung: Produzenten von Fast Fashion rechnen damit, dass Teile ein paar Mal getragen und dann weggegeben werden – damit neues, „trendigeres“ nachgekauft werden kann. Träger von Second-Hand-Mode verlängern jedoch die Lebenszeit eines Kleidungsstücks nochmal gewaltig. Keine Neuproduktion nötig, danke, unter den gebrauchten Sachen befindet sich genügend, das auch optischen Ansprüchen genügt. Second Hand kann wirklich wunderschön sein. Man muss sich nur drauf einlassen.
Alle Fotos: (c) DailyRewind.de – das sind meine bisherigen Favoriten ihrer Styles.
