Archiv des Autors: nunette

Blogoptimierung: Ich bin unabsichtlich erfolgreich

Ich hab schon wieder ein Buch, über das ich euch berichten möchte. Es hat weniger mit Mode, sondern mehr mit dem Bloggen selbst zu tun. Maria Ratzinger, die ich als Bloggerin und Tauschparty– beziehungsweise Bloggerkonferenzmitveranstalterin kenne, hat gemeinsam mit Sandra Konrad einen Guide erstellt: „Optimiere deinen Blog in 14 Tagen„. Ich habs grad quergelesen und muss sagen: Wahnsinn, bin ich naiv an die Bloggerei herangegangen. Hätt ich das Ding am Anfang meiner Bloggerei gelesen, wär ich überfordert gewesen. Bei mir hat sichs organisch entwickelt, und ich bin erst nach und nach draufgekommen, in welche Richtung ich den Blog gestalten will. Mehr oder weniger unabsichtlich, aber immer als Ventil. Und das ist es bis zu einem gewissen Grad heute noch. Ich gebe offen zu: Ich habe kein Konzept. Ich hab eine dunkle Idee, wie der Blog ausschauen soll, so ein schwammiges Gefühl, ich weiß, was ich vermitteln will, aber ich agiere spontan, und ich plane nicht weiter als drei, vier Tage im Voraus, wenn ich weiß, ich hab grad superviele Themen, über die ich schreiben könnte (dass sie mir immer noch nicht ausgehen, wundert mich ja selbst schon fast 🙂 ).

(c) stylekingdom.com

(c) stylekingdom.com

 

Maria und Sandra haben Tipps und Tricks gesammelt und auf knapp 50 Seiten zusammengefasst, die ich mir (größtenteils) in zweieinhalb Jahren in Eigenregie erarbeitet hab. Für absolute BlogginganfängerInnen, die den Blog als Spaßding gestartet haben, kann es etwas einschüchternd wirken. Aber für jene, die seit einigen Wochen bloggen und den Blog auf eine neue Ebene heben wollen – also entweder einfach sich auf einem Themengebiet positionieren wollen oder wirklich mittel- bis langfristig mit dem Bloggen Geld verdienen wollen – ist es wirklich super. Für diese Leute ist das Workbook wirklich Gold wert, es sind wirklich gute Ideen dabei (und auch ich hab mir die eine oder andere Inspiration geholt, bin gespannt, ob Maria demnächst mal grinst, wenn sie einen Tipp von ihr bei mir umgesetzt sieht 🙂 )

Wenn ich das Buch so durchlese, stell ich fest: ich glaub, ich bin unabsichtlich erfolgreich. Viele Dinge, die klassische Blogs haben (Newsletter, Redaktionspläne für Facebook usw), hab ich nicht. Ich hab nur meinen Bauch, und der leitet mich. Zu empfehlen ist das wahrscheinlich nicht. Das Buch dafür umso mehr, sehr informativ! Darum verlink ichs gleich nochmal: Hier gehts zu dem Workbook.

Und weil soeben der Kommentar kam: Natürlich gehts beim Bloggen immer um den Bauch. Aber zu wissen, wie man mit Statistiktools, Newslettern und Bildbenenennungen umgehen kann, ist sehr hilfreich.

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Überraschung: Ich bin nicht Zalando-Blog

In einem Anfall von Wahnsinn hab ich mich auch für die Zalando Blogawards beworben. Warum? Weil ich den Zalandos zeigen wollte, dass es auch „andere“ Blogger gibt. Nun gut, dass ich das gewinn, war dann doch recht unwahrscheinlich, aber eure Unterstützung hat mich wahnsinnig gefreut – der Beitrag wurde x-mal geteilt, Freunde unterstützten mich, sogar von meinem Bruderherz kam ein „Forza Nunu“. Ja, es war auch umstritten, und ich verstehe eure Gegenargumente. Ich wollts einfach ausprobieren.

Meine Lehre: Bistdudeppert, gute (!) Fashionblogs haben echt eine Irrsinnsreichweite. Und gewonnen hat… *trommelwirbel*… Madeleine mit ihrem Blog DariaDaria.

Und ganz ehrlich: Gegen diesen Blog verliere ich gerne. Erstens ist Madeleine wirklich meilenweit vorne, was Lifestyle angeht (so tolle Fotos!), und zweitens: Sie hat einen mutigen Schritt getan. Sie setzt sich für nachhaltige Mode ein. Mutig, weil sie ihre Stammleserschaft damit sicherlich etwas abgeschreckt hat.

Liebe Madeleine, gegen niemanden hätt ich lieber verloren als gegen dich 🙂 Ich gratuliere und hoffe, dass dein Umdenken Richtung Nachhaltigkeit noch lange weitergeht – meine Unterstützung hast du!

daria

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Liebe Deutsche: Fair bleiben – fair werden!

Was war denn das gestern bitte? Das fünfte Tor habe ich nicht mitbekommen, obwohl ich vor der Glotze saß, unfassbar. Und ja, es war fair, dass die Deutschen gewonnen haben. Ausgestattet werden die Deutschen von dem deutschen Unternehmen Adidas – die kürzlich eingewilligt haben, 99 Prozent ihrer Produkte PFC-frei zu produzieren. Soweit, soviel Ökologie, aber: Fair? Naja. Es gibt zwar Verbesserungen, aber der Weg ist noch sehr weit.

Was mich manchmal beschäftigt: Welches Bild haben jene, die an der Situation in der Textilindustrie interessiert sind, eigentlich von den ArbeiterInnen in den Billiglohnländern? Viele stellen sich ja dabei Frauen vor, die nicht schreiben können, zum Arbeiten in die Stadt geschickt werden und ihr Leben zwischen Arbeit (viel) und Schlafen im Slum (wenig) verbringen. In einigen Fällen liegt das wahrscheinlich nicht gar nicht so weit weg, aber es ist eben nicht das gesamte Bild.

(c) Labour behind the label

(c) Labour behind the label

Die NGO „Labour behind the Label“ hat etwas gemacht, was ich mir seit langer Zeit wünsche: Sie lässt ArbeiterInnen bloggen. Zum Beispiel Sokhan:

Ich heiße Sokhan Chroeng, ich bin 27 Jahre alt und wurde nach meinem Großvater benannt. Der Name bedeutet “Süßer Nachtisch”. Ich bin in einem Dorf in ländlicher Umgebung in der Kandal Provinz aufgewachsen, so wie viele Kambodschaner. (…) Sechs Tage die Woche stehe ich um 5.30h auf, dusche, frühstücke und mache mich auf den Weg zur Arbeit um 7.00h in die Bowker Factory.Ich arbeite bis um 16.00h, wenn wir nicht gerade eine enge Deadline vor uns haben. Aber wenn Überstunden anstehen, bin ich nicht vor 18.00h fertig. Mein Job ist das Schneiden der Stoffe für Tops und Hosen, meine Abteilung ist eine von vielen. Sobald ich mit dem Schneiden der Stoffe fertig bin, werden diese weiter zum Nähen gebracht und landen dann schließlich in der Endbearbeitung, bevor sie an die Geschäfte in Großbritannien, Europa und Amerika gehen. Die Arbeit ist sehr schwer. Ich verdiene nicht genug, um angemessen zu überleben und stehe ständig unter Druck. Auch wenn die Arbeit offiziell um 16.00h endet, machen wir oft Überstunden und obwohl die ja eigentlich optional sind, bekommst du eine ernst gemeinte Warnung, wenn du nicht kannst; und wenn du öfter als ein paar mal ablehnst, verlierst du den Job. Wenn ich krank bin, brauche ich ein Attest vom Arzt, um entschuldigt fehlen zu können und es gibt keine Garantie, dass man ein Attest bekommt. Wenn es nur für zwei Tage ausgestellt ist, dann muss man danach auf jeden Fall wieder zur Arbeit gehen, unabhängig davon, wie krank man eigentlich noch ist.

Sokhans Geschichte kann man hier weiterlesen.

Sehr spannend auch die von Van Piseth:

Bei New Orient machen wir T-Shirts und Jacken für Adidas. Es gibt viele Abteilungen mit unterschiedlichen Arbeitsschritten wie Schneiden, Nähen, Endbearbeitung, Verpackung und Lagerung. Damit mache ich ca. 140 Euro im Monat. Um mein Einkommen aufzubessern, musste ich zusätzlich noch ein kleines Gewerbe aufziehen. Die Gewinne variieren stark, aber die laufenden Kosten sind sehr hoch. So gebe ich zum Beispiel alleine für Kommunikation im Monat ungefähr 45 Euro aus. Die Schule für meine Tochter ist auch teuer und wir müssen die Miete zusammen bekommen und genug zu essen haben. Wir Arbeiter und Arbeiterinnen haben nie genug Geld, um davon gut zu leben. In der Fabrik habe ich viele Freunde. Die Arbeiterinnen und Arbeiter werden in Produktionslinien aufgeteilt und es ist schwierig für uns, mit allen zusammen zu sein, weil es nicht erlaubt ist, die Produktionslinien zu verlassen. Aber innerhalb unserer Reihen sind wir eng beieinander. Wir machen untereinander Witze und ich mag meine Kolleginnen und Kollegen, weil wir sehr ehrlich und direkt zueinander sind.

Die ganze Geschichte von Van Piseth und seiner Familie steht hier.

Und auch Sarin berichtet aus ihrem Leben:

Ich bin bis zur 7. Klasse zur Schule gegangen, das ist hier noch eine Klasse nach der Grundschule. Meine Eltern waren Bauern und ich brach die Schule ab, um bei ihnen mitzuarbeiten. Ich half ihnen in den Reisfeldern, bis ich 19 Jahre alt war. Mit 19 heiratete ich meinen Mann und zog zu ihm und seiner Familie nach Phnom Penh. Als ich 20 war, kam unser Sohn auf die Welt. Unsere Tochter kam ein paar Jahre später. Als sie drei Jahre alt war, begann ich als Hilfsarbeiterin auf Baustellen zu arbeiten. Später fand ich Arbeit als Strickerin, am Schluss landete ich in einer Textilfabrik. Ich bin jetzt seit mehr als 10 Jahren in Phnom Penh. Es hat sich in der Zeit nicht viel verändert, außer dass das Leben irgendwie immer schwieriger wird. Die Mieten sind angestiegen, das Studium meiner beiden Kinder – jetzt 22 und 18 Jahre alt- ist eine finanzielle Belastung.

Sarins Erzählungen aus der Schuhfabrik, in der regelmäßig die Leute wegen der chemischen Dämpfe umkippen: Hier.

Der Grund dieser Initiative: Adidas soll bitte Living Wages bezahlen. Da bin ich dafür, aber sowas von. Ihr auch?

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Kleiderei statt Bücherei

Juhuu, ich hab mal was nuuur für meine deutschen LeserInnen!

Wahnsinn, es gibt inzwischen schon sooooo viele tolle Alternativ-Ideen zum Kleidungsneukauf. Gut, Kleidungsneukauf in Bio und Fair ist echt ok – aber wer „mehr“ will als hin und wieder ein neues Stück, sondern sein Fashionista-Dasein nicht so ganz ablegen kann, uuuund….wer in Hamburg wohnt, dem sei die Kleiderei empfohlen.

Man kann sich das wie eine Bücherei vorstellen, nur mit Kleidern. Und die Kleiderei, die will jetzt online gehen. Damit man sich in ganz Deutschland Kleider ausborgen kann, nicht nur in Hamburg. Und ihr könnt helfen, per Crowdfunding!

PS: Das ist übrigens ein Blogbeitrag auf Zuruf. Danke für den Hinweis, liebe Katharina!

PS2: Und jetzt, liebe Deutsche, viel Spaß beim Spiel!

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Anständiges Leben aus subjektiver Sicht

In letzter Zeit wird mir immer stärker klar, dass ich mich langsam, aber sicher in eine Mikrowelt begeben habe. Mein Leben ist inzwischen umgeben von Menschen, die sich mit Nachhaltigkeit, fairer Mode usw. beschäftigen. Und auch meine alten Freunde hab ich teilweise echt angesteckt (sogar eine sehr dem Konsumismus zugetane Freundin erklärte mir kürzlich, dass es ihr vor Primark grauste, als sie drin war, und sie wieder umdrehte – hey, immerhin!). Und ich bin überzeugt: Das ist so, weil ich mich mehr in diese Richtung entwickelt habe, und nicht, weil die ganze Welt plötzlich besser wird.

Nur manchmal, da wackelt diese Überzeugung, da denk ich mir dann doch: Hä?! Wie geht denn das jetzt?

Zum Beispiel am Sonntag. Am Samstag hatte ich meinen Bücherstapel beim Bett neu hergerichtet – die Anzahl der Bücher, die ich lesen möchte, ist nämlich verdammt hoch, und wenn ich sie einfach ins Regal einsortiere, hab ich sie nächstes Jahr auch noch nicht gelesen. Als oberstes am Stapel lag ein Buch, das ich zur Rezension bekommen hatte: „Anständig leben“ von Sarah Schill.

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Sonntagfrüh nach dem Aufwachen las ich mich drin fest. 84 Seiten später legte ich es dann wieder kurz zur Seite. Ersturteil: Das Buch ist eine angenehme Mischung aus Information und Selbstversuch (kommt euch das bekannt vor? 😉 ), und ich mag es, wie undogmatisch Sarah Schill an die Sache herangeht. Man kann noch so vegan leben und dabei die Umwelt schützen und wasweiß ich – man ist als ganz frischer Veganer nicht gefeit vor der unglaublichen Lust (Schill bezeichnet es sogar als Gier) auf ein Bauernbrot mit dick Butter drauf. Ich finde es sehr angenehm, wie ehrlich sie mit sich und den ganzen Themen umgeht – sehr anschaulich beschreibt sie diese Krux zwischen langjährig angewöhnten Genussmomenten und „richtigem, anständigen“ Handeln, die es manchmal unzweifelhaft gibt (wobei ich finde: mehr im Ernährungs-, weniger im Modebereich).

Und dann kam der Moment, an dem ich mir „hä?!“

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Ich les ein Buch, das – gut, zugegeben – thematisch und vor allem konzeptuell in der Nähe von meinem Buch ist, aber dass ich drin vorkomme, hätt ich mir ja nie und nimmer gedacht. Nie! Und irgendwie find ich es grad recht schräg. Gut schräg, aber eben schräg 🙂

Aber jetzt mal ganz abgesehen von dieser überraschenden Bauchpinselei: Das Buch ist wirklich empfehlenswert. Es entspricht nämlich nicht immer der vorherrschenden Meinung, was denn jetzt wirklich richtig zu sein hat, sondern dem, was Sarah Schill für richtig hält. Und ich weiß nicht, wie es euch damit geht, ich find in solchen Fällen subjektiv besser als dogmatisch.

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Warum ich Primark schlimmer finde als den Rest

Primark hin, Primark her, sobald ich was zu Primark schreibe, gehts ab hier am Blog. Und neben American Apparel ist Primark eine der wenigen Marken, die ich wirklich namentlich nenne am Blog. Es ist echt unglaublich, wie stark gerade dieser Anbieter emotionalisiert. Und genau deshalb fand ich die Aktion mit den Labels auch so fantastisch. Mich führt die Primark-Diskussion jedoch immer wieder auf eine Metaebene dessen: Soll man Fast Fashion boykottieren oder nicht? Oft und vor allem von Seiten der Gewerkschafterinnen aus Bangladesch heißt es: Nein, bitte nicht, so haben wir wenigstens einen Job. Die Diskussion ist uralt und ich habe in den letzten zweieinhalb Jahren noch nicht wirklich eine Antwort darauf gefunden. Also eine Antwort in Bezug auf meine Einstellung dazu. Meine Handlungen dazu sprechen schon eine klare Sprache: Ich war seit zweieinhalb Jahren in keinem Textilschweden (mit ein oder zwei erfolgreichen Selbsttestausnahmen), bei keinem bunten Spanier, und auch nicht bei den deutschen zwei Buchstaben. Es interessiert mich einfach nicht mehr. Dennoch verstehe ich beide Seiten, sowohl die „bitte weiterkaufen“ als auch die „boykottieren“ – und konnte bisher keinen allgemeingültigen Rat dazu geben. Nun bin ich so weit. Ich hab mich klar für eine Seite entschieden (und ich weiß, dass einige Aktivistinnen das jetzt nicht gerne lesen werden, aber für mich ist es einfach inzwischen der einzig gangbare Weg):

JA.

BOYKOTT.

Kein Neukauf bei Fast Fashion Anbietern. Warum? Weil sich sonst in der Branche überhaupt nix tut. Man kann nicht so weitermachen wie bisher und fordern, dass sich was ändert. Das ist wie mit dem inneren Schweinehund. Den kenn ich momentan gut. Ich weiß, dass ich dringend mehr Sport machen muss, weil mein Rücken schon seit Wochen permanent und leider unüberhörbar S.O.S. schreit, aber das denk ich mir immer, wenn ich grad am Sofa eine schmerzfreie Position eingenommen hab. Dass es davon nicht besser wird, ist mir auch klar. Und auch diesen Vergleich werden mir jetzt einige um die Ohren hauen: Jaaa, ich weiß, dass man den Beruf einer Näherin nicht mit meinem Rücken vergleichen kann. Aber mein Gedankengang dahinter kommt raus, oder?

Sobald Firmen Gewinneinbrüche haben und klar von Konsumentenseite kommuniziert wird, warum das so ist, gibt es Chancen auf sehr schnelle Veränderungen (wie die Detox-Kampagne so schön beweist). Und gerade bei den Iren besteht da wirklich gerade die Möglichkeit, so viele Leute sind derzeit wütend und betroffen aufgrund der eingenähten Labels. Die Aufregung rund um die Labels ist um die ganze Welt gegangen, aus kampagnentechnischer Sicht ein Geniestreich (und die, die sagen, dass das kontraproduktiv sei, weil die Leut jetzt nur sagen, dass das ja nur fake war, die haben es – tschulligung – einfach nicht verstanden). Viele Menschen haben es aber verstanden. Den Näherinnen wurde eine Stimme gegeben. Und viele Menschen wurden nachdenklich. Die Demo am Alexanderplatz war ein Zeichen dafür.

Warum ich persönlich Primark als schlimmer als einige der anderen, sonst von mir kritisierten Firmen einsortiere? Weil die das Konzept von „Fast Fashion“, also schnell mal ein Shirt um zwei Euro kaufen und nach dreimal Tragen wegwerfen, weils hinüber ist aufgrund der anscheinend oft miesen Qualität (ich hab mich persönlich noch nie davon überzeugt), wirklich nochmal an die Spitze getrieben haben. An den blauen Schriftzug denkt man und hat sofort Bilder von „unglaublich viel Aussuchen können, nicht entscheiden müssen zwischen zwei Teilen, sondern einfach beide nehmen, kostet ja nix, Säckeweise einkaufen und am Schluss 80 Euro zahlen für 12 Kleidungsstücke, herrlich, KAAAUFRAAAUUUSCH!!!“ im Kopf. Und das macht Primark in meinen Augen schlimmer als andere. Die anderen dürfen sich jetzt jedoch alles andere als aus der Schusslinie wähnen. Die haben nur den Weg geebnet. Ohne Textilschwede wäre kein Primark hier möglich heutzutage. Aber lasst es mich mal so sagen: Den Textilschweden find ich immer noch bäh, andere find ich streckenweise wirklich scheiße, aber das Konzept von Primark ist für mich, die nicht will, dass Näherinnen leiden und unsere Gewässer vergiftet werden, nur verachtenswert. Dieses Fastest-Fashion-Konzept hinterlässt bei mir ein ähnliches grausliches Gefühl im Bauch wie der „Genuss“ von fettigen Pommes von MacDo.

Und übrigens machen die Sachen hässlich, wie so schön in diesem sehr empfehlenswerten Artikel steht.

hufeisen

 

PS: Ach ja, und bevor ich da jetzt falsch verstanden werde: Liebe Leute, einfach NUR nichtkaufen geht nicht. Laut sein! Protestieren! Kampagnen unterstützen, in welcher Form auch immer! Den ArbeiterInnen aus Bangladesch HIER eine Stimme geben! Einfach nur statt nix tun gar nix tun isses nicht. Aber ich denk, ihr wisst, was ich meine 🙂

PS2: Primark hat sich zu den DETOX-Zielen von Greenpeace bekannt. Das mit den vergifteten Flüssen wollens also in den Griff kriegen. Jetzt bitte noch die Situation der ArbeiterInnen. Jetzt.

PS3: Nein, die von mir so oft ziterte alleinerziehende teilzeitarbeitende sprichwörtliche Supermarktkassierin braucht sich jetzt nicht auf die Zehen getreten fühlen. Manche brauchen einfach Billiganbieter, weil sie sich teure Kleidung nicht leisten können. Für diese Personen wünsch ich mir jedoch eine funktionierende Tausch-Secondhand-Kette a la Buffalo Exchange.

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Maronski-Kleider zum Selberbasteln!

Und wieder so ein Beitrag, den ich eigentlich schon vor zwei Wochen schreiben wollte. Was ist das eigentlich für ein Ding mit dieser Zeit? Die vergeht zu schnell!!! Ich hab ja vor einiger Zeit von maronski geschwärmt. Dass die eine sooooo tolle neue Kollektion hat. Was soll ich sagen: Die Schwärmerei geht weiter!

Weil es bei maronski eine lässige neue Idee gibt: Die lassen doch glatt ihre Kundinnen mitreden! Schaut selbst:

my_maronski

Ich find ja die untenstehende Kombi schon ganz hübsch. Besonders angetan bin ich jedoch vom Kleid „Candy“ (das erste links am oberen Bild). Mit richtiger Farbauswahl kann man sich damit wahrscheinlich eine Bombenfigur basteln 🙂

my_maronski3

 

 

Und damit sich niemand wundert: „Die individuelle Produktion der selbst designten my.maronski Lieblingsstücke ist nur möglich, weil Martina Meixner, die Designerin, ihre jahrelange Erfahrung einbringt und lokal in Wien und in der Slowakei anfertigen lässt. Somit sind die Produktionswege und -zeiten kurz. Die Stoffe der Kleider sind wie immer bei maronski aus feinsten, zertifizierten Bio-Textilien.“

Genug gelesen? HIER gehts zum eigenen Kleiderdesign! 

 

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Ein sinnfreier Sonntagabendspost – aber schwer motiviert!

Ist jetzt wahrscheinlich komplett irrelevant und ein typischer Sonntagabend-Post, bevor ich den Laptop wieder zuklappe: Ich hab neue Projekte, und es macht mich soooo happy! Könnte gerade den ganzen Tag stricken, nähen, mir neue Sachen überlegen, herumräumen, einfach kreativ sein.

Projekt 1, das ich nach langer Planung und solltichendlichmalangehen und wolltichdochschonsolangmachen und Scheu vorm mitzählen beim Zopfstricken aber immer wieder vor mir hergeschoben habe, und jetzt endlich begonnen habe:

2014-07-06 21.10.36

 

Fortschritt aktuell:

2014-07-04 21.08.35

 

und Projekt 2, das mich schon ganz hibbelig macht vor lauter Vorfreude (muss aber noch schauen, ob ich genug Jersey nach dem Kleid übrig hab, bzw. nachkaufen)

2014-07-06 21.10.10

Wie gern hätte ich diesen Selbermachdrive beim Nähen schon während meines Projektjahres gehabt! Hab heut meine ganzen gesammelten Schnittmuster mal wieder durchgeschaut, jetzt wünsch ich mir nur noch Zeit 🙂 Warum nochmal kann der Tag nicht 48h haben? Schönen Sonntagabend noch!

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Es grünt in Berlin!

Wo ich jetzt gerne wäre? Weil ich einfach einmal wirklich gern dort wäre? Weil ich einmal den ganzen Trubel miterleben will, und die ganze Szene auf einem Haufen treffen will? Auf der Berliner Fashion Week! Ich weiß, jedes halbe Jahr sag ich „Aber nächstes Mal“, aber auch diesmal ist es sich nicht ausgegangen.

Wer allerdings gerade in Berlin weilt: Lars Wittenbrink hat auf gruenemode.de das Programm ganz wunderbar aufgelistet und zusammengefasst.

Unfassbar, wie groß die grüne Modeszene inzwischen ist. Ich bin ja immer wieder hin und hergerissen zwischen „Kommt mir die nur immer größer vor, weil ich immer tiefer in das Thema eintauch?“ oder „Tut sich da wirklich extrem viel auf dem Sektor?“ – aber ich komme mehr und mehr zu der Überzeugung: Zweiteres stimmt. Toll.

 

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Warum unsere Vorfahren am Habenwollen schuld sind

Manche Samstagmorgene (?) sind ein Geschenk. Da wacht man auf und blättert gewohnheitsmäßig noch im Bett Standard und ORF durch, und stolpert über folgende Überschrift: „Was macht unser Gehirn beim Einkaufen?“

Dahinter versteckt sich ein spannender Beitrag über die Neurowissenschaft über die Konsumenten. Spannende Sache:

„Wenn wir vor der Frage stehen, ob wir ein Produkt kaufen oder nicht dann, ist es erstaunlicher Weise erst einmal nicht so wichtig, ob wir das Produkt wirklich mögen. Denn man unterscheidet in der Forschung zwischen dem Wollen, dem haben wollen und dem ob man ein Produkt wirklich mag.“

Das Habenwollen ist also der Hund, das hab ich auch schon durchschaut, so rein wissenschaftsfrei 🙂 Aber lustig, dass das im Hirn bis zu einem gewissen Grad (seeehr kompliziert alles) auch nachweisbar ist. Und was ich auch hundertprozentig nachempfinden kann:

„Wir glauben, dass wenn Sie ein Produkt betrachten, so etwas passiert wie eine Simulation der Nutzung des Produktes, und das ganz automatisch. Und bei Nahrungsmitteln ist diese Simulation tatsächlich auch verbunden mit dem Geschmack. Wenn Sie eine Zitrone sehen, dann wird der Geschmack der Zitrone ausgelöst. Wenn Sie jetzt noch jemanden sehen, der auf die Zitrone beißt, dann ist es noch einmal stärker, das kann man schon fast spüren. Und diese Simulation ist nicht nur mit dem Geschmackserleben verbunden, sondern auch schon mit einer gewissen Handlung. Und diese Handlung kann beispielsweise schon die Kaufhandlung sein.“

Ist doch auch bei Kleidung so, oder? Wir sehen uns in coolen Sneakers oder einer lässigen neuen Jacke ins Büro spazieren, in einem eleganten Kleid auf der Familienfeier die Cousinen ausstechen, oder – Top of the best in Sachen Imaginierung – beim Bikinis anschauen im Webshop an perfekte, weiße Urlaubsstrände denken (weils auch mehr Spaß macht als die Überlegung, wie man die drei neuen Speckröllchen optimal in diesem Fähnchen von Bikinihose verstecken soll).

Und überhaupt ist sowieso die Evolution schuld (wobei sich in meinen Augen da das „Jagen“ und das „Sammeln“ zu Einem verschmolzen sind):

 „Wenn wir uns Kaufverhalten vorstellen, dann ist das nicht viel anders als wenn wir durch den Wald gehen und Beeren einsammeln. Und da sind wir auch durch die Farben der Beeren angetrieben: wenn ich die leckere Erdbeere sehe, dann simuliere ich schon das Geschmackserlebnis. Das ist der Treiber des ganzen Prozesses.“

Und als Tipp gibt der Herr Verhaltensforscher den gleichen wie ich: Überlegen, was man braucht, und gezielt danach einkaufen gehen. Ach, ich zitier eh nur in einer Tour den Artikel, weil ich ihn durch und durch so spannend find, aber lest am besten selbst, bevor mir da noch jemand Copyright-Vorwürfe macht 🙂 

Und wenn ihr fertiggelesen habt, dann schaut ihr auf diesen Blog und gratuliert vielleicht auch der Frau Bogdan zum Geburtstag bitte 🙂 . Die ist nämlich eine sehr tolle Frau.

(c) Stefan Groenveld. Das Foto ist drei Jahre alt, aber sorry Isabel, auf dem Foto find ich nicht nur dich, sondern auch die Perspektive und den Hintergrund so nett. Deutsche Ubahnen, bunt gekachelt.

(c) Stefan Groenveld. Das Foto ist drei Jahre alt, aber sorry Isabel, auf dem Foto find ich nicht nur dich, sondern auch die Perspektive und den Hintergrund so nett. Deutsche Ubahnen, bunt gekachelt.

 

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