So schaut anders aus Sonderedition getauscht #5: Größen sind Schall und Rauch!

Im Zuge meiner Tauschparties-sind-so-super-Postings ist ein paarmal der Kommentar „Aber das funktioniert nur, wenn alle ähnliche Größen haben“ gefallen. Ich kann das widerlegen. Erst durch Tauschparties hab ich gelernt, wiiiie wurscht Größenangaben sind. Man probierts an, und es passt, oder es passt nicht, fertig. Wobei, nicht ganz fertig, weil wenns passt, fällt hundertprozentig der Kommentar „ich glaubs ja nicht, dass mir das passt!“. 😉

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Mein allerliebstes Beispiel ist dieser Rock. Eigentlich nicht wirklich mein Style, dachte ich mir bei der Tauschparty, naja, Weiterlesen

„Pullover aus Massenmenschenhaltung“

Eine Schwäche, die ich hab, sind Zeitschriften. Ich hab keine tausend Abos, aber wenn was neu rauskommt, muss ichs testlesen. So auch mit der Allegra, die in den Neunziger Jahren groß war, dann eingestellt wurde, und die es jetzt wieder gibt. Und in der zweiten Ausgabe ist ein Artikel der Schriftstellerin Juli Zeh, der mir sooowas von aus der Seele spricht. In „Erst das Essen, dann die Moral“ schreibt sie von Menschen, die sich superbewusst und bio ernähren, aber in Zara-Jeans einkaufen gehn, den geschulterten Sohnemann komplett in Kik gekleidet.

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„Das Verrückte ist, dass nicht wenige Grünkern-Fetischisten vom Reformhaus direkt in den Textidiscounter laufen. Sie sind in der Lage, sich beim Verzehren eines Ökohuhns über Massentierhaltung zu empören, während die Pullover, die sie tragen, aus Massenmenschenhaltung in Kambodscha stammen. Im Supermarkt werden die Inhaltsstoffe auf jedem Müsliriegel studiert, während im Jeansladen kein Mensch nach den Herstellungsbedingungen fragt.“

Auch sie betont, dass es nicht an mangelnder Information liegen kann, spätestens sei Rana Plaza muss man Bescheid wissen. Ihr Fazit: Weiterlesen

So schaut anders aus Sonderedition getauscht #4

Asia Floor Wage hat einen Report rausgebracht, in dem es drum geht, dass es ziemlich gewaltige Unregelmäßigkeiten in der Lieferkette des Textilschweden gibt. Ich hab heut leider keine Zeit, es mir genauer anzuschauen, zu viel zu tun. Hier mal ein englischer Artikel im Vice dazu. Aber ich bin schon sehr gespannt, hab sicherheitshalber auch gleich ein Statement von H&M eingeholt, und bin gespannt, was ihr dazu sagt. Bald, bald, versprochen. Kommt eh das Wochenende 😉

In der Zwischenzeit gibt es mal wieder diese traumhaften Fotos von Teresa. Ich hatte nur Getauschtes an, und dieses Outfit gehört zu meinen Favoriten, auch wenn die Hose nur im statischen Zustand passt. Sobald ich ohne Gürtel ein paar Meter damit gehe, hab ich sie bei den Knien. Ich kann mich aber noch nicht überwinden, sie weiterzugeben, weil sie so schön lang und bequem ist. Ich hab zwar eine uralte ähnlich weite Jeans, aber who knows, vielleicht kommen mal wieder dickere Zeiten.

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Diese Serie gehört zu meinen absoluten Favoriten, weil sie einfach „mich“ zeigen. Find ich halt. Ich kann euch echt nur empfehlen: Weiterlesen

C&A berichtet, nur die Tatsachen fehlen

C&A also. Sie haben einen neuen Nachhaltigkeitsbericht draußen. Und ich war nicht blöd und verkatert, nein, es gibt keinen gesamten Report zum Download, nur die Zusammenfassung. Der Rest ist aufgeteilt auf viele, viele Klicks auf ihrer Website. Ich lese wirklich viele Berichte. Und ich kann nur sagen: Boah, sowas nervt. Interessiert mich nicht, alles am Bildschirm zu lesen, dauernd hin und her zu klicken und riesige Bilder hinter ein bissl Text zu sehen. Nein, ich will die Fakten lesen, dazu sind solche Berichte da.

Wobei, an Fakten ist der Bericht von C&A sowieso etwas arm. Ich hätts mir ja nicht gedacht, aber es gibt Berichte, die sind schlechter als die vom Textilschweden früher (der neueste ist ja nicht gar so schlecht). NUR Ankündigungen, nur „Wir werden dies, wir werden das“. Liebe Leute, wie wäre es, wenn Berichte nur dann gemacht werden, wenn auch wirklich was getan wurde, worüber man berichten kann?

Lustig find ich, dass sie gefühlt auf jeder Page schreiben, dass sie der weltgrößte Abnehmer von Biobaumwolle sind. Das ist etwas, was der Textilschwede auch für sich beansprucht. Also wer jetzt. Könntets ihr das mal klären bitte? Edit: Frau Sellner von H&M hat es geklärt, sie meinte, für 2015 gibt es noch keine Zahlen, daher definiert sich der Textilschwede als einer der größten, nicht der größte Abnehmer von Biobaumwolle. Ok.

Nicht so lustig find ich, dass sie trotzdem davon schreiben, bis 2020 zwar komplett umstellen zu wollen, aber nur auf „nachhaltigere“ Baumwolle. Da ist es schon wieder, dieser Komparativ. Zum Kotzen, vor allem, weil die Leute so leicht drauf reinfallen und glauben, das sei jetzt superbio. Ist. es. nicht.

Auch spannend: Das Unternehmen ist Detox-committed bei Greenpeace. Aber in ihrem Report findet man kein Wort dazu. Man findet zwar ihre MRSL (die Liste an Chemikalien, die nicht – mehr – verwendet werden sollen), aber kein Wort über Greenpeace. Interessant…

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Und das Lieblingswort der Unternehmen scheint ja grad „circular economy“ zu sein. Nur, liebe Fast Fashion Hersteller: Solange euer Kerngeschäft darin besteht, den Leuten immer schneller immer mehr immer billigere Mode unterzujubeln, könnt ihr das schlicht vergessen! Das geht sich schlicht nicht aus ohne eine massive, radikale Verlangsamung eurer Produktionsrhythmen – und davon steht aber nirgends auch nur ein Wort.

Nachdem ich mich duch einige der Seiten durchgeklickt hatte (ich muss zugeben, ich hab die Nerven weggeschmissen, es war einfach zu anstrengend), muss ich sagen: Wow, wahnsinnig viele Zahlen und Daten – nur Fakten werden relativ wenige geschaffen.

Kurz: Diesen Bericht, auch wenn er den internationalen Berichtsstandards nach GRI4 entspricht, kann man sich getrost in die Haarwurzeln massieren. Nicht falsch verstehen, natürlich finde ich jeden einzelnen Schritt, den sie Richtung ökologische Nachhaltigkeit und soziale Fairness setzen, gut und wichtig – aber darüber berichten sollte man halt erst, wenn diese Schritte bereits getan sind. In diesem Report: viel zu viele Ankündigungen.

Aber wenn ichs mir genau überlege: Ich freu mich fast schon auf die Berichte für das Jahr 2020 in ein paar Jahren. Da werden sie nämlich alle komplett kleinlaut zugeben müssen, was sich nicht ausgegangen ist….

 

 

 

Tauschen ist …. <3

Gestern war mal wieder Tauschparty bei mir. Wieder mit komplett neuer, wild zusammengewürfelte Zusammensetzung, und wieder war es phänomenal. Gut, mein Höhepunkt war, dass ich erstens das Thema „grau und rot“ ausgerufen hatte, und dazu meine heißgeliebte graue Kirsche eingeladen hatte. Ja, da waren Hintergedanken dabei, da ihr Kleiderschrank Inhalt meiner persönlichen feuchten Träume ist, immer wieder. Und nicht nur ich wurde nicht enttäuscht, alle Gäste gingen mit leuchtenden Augen und als wunderbar empfundenen neuen Sachen nachhause. Und die Kirsche und ich tauschten mein Kettenhemd gegen einen Sockenpulli (wenn Anita, die Designerin, das liest, wird die sich auch denken, ich bin ihr neues Lager, aber ich liebe die Teile einfach so sehr…) – und zwar den Sockenpulli, den ich vor vielen, vielen Jahren mal an ihr sah und in den ich mich instant verliebte, so sehr, dass ich einen Sockenpulli als Belohnung ans Ende meiner Shoppingdiät setzte. Ich kanns noch gar nicht glauben.

Auch als ich heute früh mal bei Facebook reinschaute, freute ich mich noch mal:

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Mädels, ich kann euch Tauschparties wirklich nur empfehlen. Hier gibts eine kleine Anleitung von mir. Und fürchtet euch nicht vor den unterschiedlichen Kleidergrößen, von Größe 34 bis 46 war gestern alle anwesend, und jede fand sich etwas von einer anderen. Es gab unglaublich viel Gelächter und Freude an den neuen Sachen – und wir heckten auch noch neue Mottos aus, die bis hin zu „Jede bringt ihr hässlichstes Wohnungsdekostück“ oder ähnliches gingen. Da musste ich aber ein Veto einlegen, ich seh schon die Reste, die keine will, bei mir herumkugeln…. Apropos Reste: Das, was keine wollte (was diesmal überraschend wenig war), geht nach Traiskirchen.

Das einzige Manko: Es gab ein bissl zu viel Allohol. Oiooioi, meine Birne…. 🙂

So schau anders aus Sonderedition Getauscht #3: So schaut GRÜN aus!

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Eigentlich wollt ich heut was anderes posten, aber diese weiteren Fotos aus der unglaublich wunderbaren Serie von Teresa treffen meine Stimmung derzeit durch und durch (na gut, die jetzt heute Vormittag nicht ganz so, aua Kopf, aber die gestern Abend): Freude, Erleichterung, grün!

Das Kleid ist ursprünglich von der Frau Fröhlich, einer Designerin aus Wien, die ich schon paarmal vorgestellt habe, und ist getauscht von meiner lieben Studienkollegin Ruth.

WAR DAS SPANNEND! Und war das ein genialer Ausgang. Ich bin spontan ins Museumsquartier und dort überraschend vielen Freunden und Bekannten um den Hals gefallen. Die Erleichterung, die durch die Menge ging, war fast mit Händen greifbar.

Ja, ich finds gut, dass jetzt viele warnende Stimmen losgehen, dass das noch gar nix heißt, dass jetzt noch viel Arbeit bevorsteht für Regierung und UHBP. Aber gestern, da war einfach nur freuen angesagt!

Worüber ich eigentlich berichten wollte? Das hier. C&A hat seinen neuen Sustainability Report rausgebracht, den ersten globalen. Zum Download gibts leider nur die Summary, den gesamten Report hab ich vergeblich gesucht (bin aber auch nicht ganz fit heute, zugegeben). Durchgelesen hab ich ihn noch nicht – bin aber gespannt, inwieweit er sich vom Textilschweden unterscheidet. In der Aussendung wird Jeffrey Hogue, Global Chief Sustainability Officer bei C&A, zitiert: „(…) Die Einbindung des Nachhaltigkeitsgedankens in alle unsere Geschäftsprozesse ist notwendig, um unserem Anspruch gerecht zu werden, Mode mit positiven Auswirkungen für Mensch und Umwelt anzubieten.“ 

Ob das überhaupt geht bei einem Fast Fashion Unternehmen? Ich bin gespannt. Berichts-Betrachtung folgt. Erstmal von gestern Abend erholen. Hach war das schön….

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Fotos wieder von der wunderbaren Teresa Novotny, die man über ihre Website auch buchen kann.

So schaut anders aus #20: Leinen, was für ein traumhaftes Material

Heute ist ein guter Tag. Heute MUSS ein guter Tag sein. Wenn ihr bitte alle Daumen haltet – nicht nur wegen einem 72-jährigen Politiker, sondern auch wegen einer 95-jähigen Oma und einer alterslosen Freundin. Keine Details, nur Daumen halten bitte.

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Warum heute ein guter Tag ist? Weil ich erstens endlich wieder den wunderbaren Haarfön Marke „Fahrtwind beim Radfahren“ einsetzen konnte, endlich mal wieder von der Früh weg mit nackerten Zechn herumrenn, und in einer Hose reinpass, die ich mir 2004 in München gekauft hab, und in die ich die letzten sieben Jahre nicht reingepasst hab. Eine wunderbare, unkaputtbare Leinenhose. Leinen im Sommer ist so ziemlich das beste Material – und in ökologisch machbar (auch wenn ich davon ausgeh, dass meine Hose das nicht ist). Leinen ist dankbar im Anbau, mag Stickstoff gar nicht, das heißt, Spritzmittel eher nicht so. Leinen verlang nach anständiger Fruchtfolge, ich hab mal gelesen, dass nur alle sechs bis sieben Jahre am gleichen Feld angebautes Leinen wirklich gut verarbeitbar ist zu Stoff. Außerdem wächst Leinen im Gegensatz zu Baumwolle auch hier, vor unserer Haustür, quasi. Und wenn man dann nicht nur maßvoll, sondern GAR keine chemisch-synthetischen Spritzmittel einsetzt, haben wir den Bio-Anbau. Für mich was mal echt eine Erkenntnis, als ich rausfand, dass es Baumwolle erst seit ca. 250 Jahren in Europa als Stoff gibt. Vorher: Leinen, Flachs, Wolle. Spannend!

Vielerorts heißt es, dass Leinen gerade wiederentdeckt wird. Für mich gilt das nicht, ich hab immer schon gern Leinen getragen (und ich bügels NIE. Ich hasse Bügeln, mit all seinen Konsequenzen.)

Auch „entdeckt“ hat die Göttin des Glücks das Leinen. Bereits letztes Jahr gabs eine Kollektion, dieses Jahr gibts mehr Farb- und Modellauswahl:

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Bio-Leinen, regional gefertigt. Und sehr, sehr lei(nen)wand – ich weiß, ich kann dem Wortspiel nicht widerstehen, dabei ists mies 😀

Hier gehts zur ganzen Kollektion, online bestellbar oder in einem GDG-Shop in eurer Nähe anprobierbar. Und für alle jene, die sagen, meine Outfits seien zu wenig business und daher für sie nicht alltagstauglich: Diese Leinensachen sind es ja wohl, oder?

Ah ja, und mein „so schaut anders aus“: Birkenstocks, die alte Leinenhose, geschenkter Gürtel, ein ebenfalls mindestens 12 Jahre altes Bandshirt (Fettes Brot, hach), und heute das einzige schwarze Leiberl im Schrank gewesen, das noch sauber war, unkaputtbare Sonnenbrille, Waschbretthirn. „Und jetzt tu mal deine Stirn entrunzeln“ hat er nämlich heut nicht gesagt, der Georg…. Nicht im Bild: Die Jeansjacke. Ich erspar sie euch 🙂 

 

So schaut anders aus Sonderedition #Getauscht 2

Herrlich, diese Wärme! Meinen Tag verbringe ich heute mit Laptop am Dach – leider arbeitenderweise, aber selbst schuld. Wer lang aufschiebt, muss halt Wochenendschichten einlegen 🙂

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Der Overall, den ich auf diesen Fotos trage, ist genaugenommen nicht getauscht, sondern ein Geschenk meiner lieben Janna aus Linz, die mich vor ein paar Wochen mal beherbergt hat. Inklusive Aufwachen mit Schmusekatze am Bauch. Herrlich war das! Bei dieser Gelegenheit klagte ich ihr mein Overall-Leid, und sie meinte, Weiterlesen

So schaut anders NICHT aus: Ein Geständnis

Was für ein super Übergang vom letzten Beitrag….. ich muss nämlich was gestehen. Ich habe unfair gekauft. So richtig. Ich habe ein famos schlechtes Gewissen, aber andererseits bin ich happy. Weil ich endlichendlichendlich, nach eineinhalb Jahren Suche, DIE Jeans gefunden habe. Ich habe es nicht geschafft, diese Hose in „fair“ zu finden.

Die von Sey Jeans passte nicht.

Eine Selbstgemachte von den Gebrüdern Stitch ist für mich unfinanzierbar, sorry. Custom Made sind dann gleich 350 Euro. So toll deren Idee und Konzept und auch deren Umsetzung ist: Die Kohle hab ich nicht.

Zweimal hab ich welche getauscht. Die eine ist mir inzwischen viel zu groß, die andere war zu eng und wurde weitergegeben.

Ich bettelte Sina an, bei manomama eine Glockenjeans ins Programm zu nehmen. Sagte sie: „Nö. Geht nicht. Weil die Dinger nur gut ausschauen, wenn sie oben eng sind, so richtig. Und dafür braucht man Stretch. Viel Stretch. Und für viel Stretch braucht man Elasthan. Verwend ich nicht.“

Ein Selbst-Glocke-in-gerade-Jeans-einnäh-Versuch ist fulminant in die Hosen gegangen (ha! Wortspiel! Unabsichtlich! Schön!).

Und dann sah ich diese Jeans. In einer Auslage. In einer kleinen Boutique in Innsbruck. Keine Ahnung, was da in mich gefahren ist, aber ich musste sie anprobieren. Sie passte. Sie hatte diese wunderbare Glocke. Endlich, endlich, ENDLICH keine Skinny, in der ich Ähnlichkeiten mit einem Elefanten hab, wenn ich sie nicht aufkrempel. Und immer nur Hochwasserhosen NERVT. Ich wusste: Jeans, 60€, unfair produziert, oioioioioioioi. Und in einer Größe, von der ich vor einem Jahr nur träumen konnte. Boah, ey. Und lang genug. Und dunkel, keine blöden Waschungs-Flecken (ok, das ist wenigstens auch aus ökosozialer Sicht ein Miniminiminivorteil).

Nach ein paar Sport-Tops vor zwei Jahren und einer inzwischen schon wieder meier-seienden Hose ausm Stor ist das meine dritte Sünde in viereinhalb Jahren. Klingt nach nicht viel, aber wenn ich mich schon so als Shopping-Vorbild exponiere, isses peinlich. Nur mit meinem Gewissen noch viel weniger vereinbar, das nicht auch zuzugeben. Vor allem, wenn ich groß töne, dass fair so gut wie immer möglich ist: Ich bin da wirklich an eine Grenze gestoßen.

Ich hab keine Ausrede. Ich hab da Mist gebaut. Ganz klar. Aber ich hoffe, zumindest durch meine Tragegewohnheiten diesen Mist sehr, sehr, sehr, sehr intensiv zu nutzen.

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Immerhin ist der Rest an mir ok aus Ökosozialer Sicht: Die Schuhe sind meine heißgeliebten weißen Ethletics, der Gürtel geschenkt, das Top getauscht, die Bluse etwa zehn Jahre alt und zeit ihres Lebens noch nie von mir gebügelt worden (lieber Crash-Look als die Hacken, obwohl ich weiß, dass gebügelt besser aussehen würd…), und sogar der Ring und eine der Ketten sind vom Flohmarkt.

Bitte zerlegts mich jetzt nicht in den Kommentaren, tut mir eh voll leid.

„Wir haben wunderbare Ausreden für alles, damit wir uns nicht ändern müssen“

Gestern hielt Sina Trinkwalder einen Vortrag in Wien. Ich wusste schon, was auf uns zukommen würde, Sina ist eine begnadete Rednerin. Sie löste mit ihren teilweise absichtlich provokativen Thesen bei einigen wenigen auch Unmut aus, aber grundsätzlich kam ich mir vor wie bei einer Gospelveranstaltung. Alle paar Minuten raunte das Publikum „ja!“ oder „Richtig!“…

Der Satz im Titel hat mir bis heute zu denken gegeben. Wir alle haben wunderbare Ausreden für alles, damit wir uns nicht ändern müssen. Ist auch bei mir so. Meine Ausreden reichen von „Aber heut Nachmittag solls regnen, da nehm ich heut früh das Fahrrad gleich mal nicht“, wenn ich in Wahrheit zu faul bin, die Steigung ins Büro zu radeln (und mal ehrlich: Das hat mir noch kein einziges Mal geschadet) über „Aber es ist eh Bio-Schokolade/Bio-Bier/Bio-wasauchimmer“ bis hin zu „Ich hab eh so viel zu tun, ich hab da grad keine Zeit dafür“. Letzteres ist universal einsetzbar. Sei es, Verwandte zu besuchen, sei es, gemeinnützig zu arbeiten, sei es, sich aus der eigenen Komfortzone rauszubewegen.

Im Leben bleibt man nie stehen. Tut man es doch, schiebt das Leben selbst einen an. Das ist dann eher unentspannt und nicht zu empfehlen, tut aber hier nix zur Sache.

Komfortzonen gibts auch im textilen Bereich. Immer wieder werde ich gefragt: „Aber wo bekommt man die Sachen denn?“ und „Aber das schaut doch alles gleich aus, wo finde ich denn was, was ich auch ins Büro anziehen kann?“ oder „Aber es ist so teuer!“

Auch das sind alles Ausreden. Wer wirklich nachhaltig Textilien konsumieren will, findet Lösungen. Kauft weniger und in guter und (oft, aber nicht immer!) teurerer biofair-Qualität. Spielt nicht jeden Style-Trend mit. Informiert sich, wo man die „richtigen“ Textilien bekommt. Leute, das Internet ist voll von Ratgebern und Guides für diverse Städte und das Internet selbst, wo man besser konsumieren kann. Und es gibt wirklich alles, jeden einzelnen Stil auch in Bio und Fair bzw. in Second Hand. Oder getauscht. Oder man fordert mal die eigene Kreativität heraus und setzt sich selbst an die Nähmaschine. Aber es gibt IMMMMMMMMER Alternativen. Wer all diese Alternativen aus Zeit- oder sonstigen Gründen ablehnt, der will sich schlicht nicht ändern. Der erfindet Ausreden.

Und es ist ja auch ok! Weil es so wahnsinnig nachvollziehbar ist.  Hin und wieder, da mag man einfach nicht nachdenken, da mag man einfach nur das Angebot, das sich um einen selbst ausbreitet, wahr- und annehmen. Da will man sich einfach zurücklehnen und dem hohen Gut Hedonismus frönen. Nur an einem Punkt hat dieser Hedonismus ein Ende, und man sollte auf die inneren warnenden Stimmen hören: Wenn andere durch unser Verhalten und unsere Ausreden leiden. Und das ist im textilen Bereich aber sowas von der Fall. Während es womöglich in anderen Produktbereichen den EndkonsumentInnen nicht immer bekannt ist (gut, bei Lebensmitteln und Elektonika hat sich auch schon herumgesprochen, dass da nicht alles eitel Wonne ist), kann mir im Textilbereich echt niemand erzählen, dass sie noch nie von den miesen Bedingungen in Bangladesch und Co. gehört haben.

Wir alle haben wunderbare Ausreden für alles, damit wir uns nicht ändern müssen.

Traurig.